Der Troll aus Trollhättan
So wie ein Troll eine Art Humanoid darstellt, so ist der Saab 96 eine Art Automobiloid. Er sah seit seiner Geburt anders aus als andere, und bei seinem Ableben über 30 Jahre später im Januar 1980 war er völlig aus der Zeit gefallen. Und dann wurde er auch noch im Saab-Werk Trollhättan gebaut. Den Saab 96 in seiner 1969er Version bringt MCG in zwei neuen Farben.
Zehn Jahre ist es her, da gründete Model Car World, damals noch unter der Führung von Klaus Kiunke, die neue Marke MCG, was für Model Car Group steht. Erstlinge waren ein BMW 2000 und ein Chevrolet Caprice, und schon sie waren so charakterisiert, wie es alle MCG-Modelle in Folge sein sollten: 1:18, sealed, nicht lenkbar, Budgetpreis. Die ersten Modelle kamen ausschließlich als Auftragsarbeiten von Ixo/Sonic, mittlerweile ist ein zweiter China-Hersteller mit an Bord. Der ’67er Saab 96 gehört zu den frühen MCG-Modellen, im Frühjahr 2017 erstmals erschienen. Was heute bei einigen Modellen gang und gäbe ist, war damals ein neuer Trend: MCG ließ von vorneherein Extras für seine Modelle konstruieren, auch zweierlei Felgen, und war dadurch in der Lage, nicht nur Farbvarianten zu realisieren, sondern auch Ausstattungsvarianten, sogar verschiedene Jahrgänge: Für den MCG-96er existieren zwei Grillvarianten im Formenfundus, mit Rundscheinwerfern stellt er die erste V4-Version 1967 bis 1968 dar, mit rechteckigen den Nachfolger von 1969 bis 1974, als der hübsche Chromgrill einem schwarzen Kunststoffmachwerk wich und schwarze, gummierte Stoßstangen die letzte Moderne des Saab 96 einläuteten. Als „fabrikneuer Oldtimer“ wurde er bis Januar 1980 gebaut.
Die MCG-Wiederauflage des rundlichen Saab in zwei Farben ist die 1969er Version mit Rechteckscheinwerfern. Der Dunkelgrüne mit beigefarbener Innenausstattung ist ein normales Alltagsauto, der Orangefarbene mit schwarzem Interieur ist sportlich aufgemacht mit großen Zusatzscheinwerfern, Alufelgen und einem schlanken Rallyestreifen mit „Saab“-Schriftzug an der Unterseite der Karosserieflanke. Ein sehr nettes Detail beider sind die hinteren Schmutzlappen, bedruckt mit dem Saab-Logo. Die Farben sind authentisch, aber nicht typkonform. Das dunkle Grün (Sjögrön = Seegrün) passt zum Saab 96 und dem Jahrgang der Miniatur. Das Orange ist zwar auch eine Saab-Farbe, kam aber erst ab 1974 und war nicht für den 96er lieferbar, dafür für das Sportcoupé Saab Sonett III.
Im Saab 96 V4 schlug übrigens ein deutsches Herz. Mit seinem Dreizylinder-Zweitakter hatte der Saab zwar viele Freunde, sowohl in Skandinavien als auch im Export. Aber das Zweitakterprinzip geriet in der ersten Hälfte der 60er Jahre in Verruf, was der deutschen Marke DKW das Leben kostete. Saab zog die Reißleine und rüstete seinen Typ 96 ab Modelljahr 1967 mit einem Vierzylinder-Viertakter-V-Motor aus, ein Zukaufartikel von Ford in Köln. Dieser 1,5-Liter-Motor trieb damals auch den Taunus 12m an. Nach wie vor, auch mit dem V4-Motor, begeisterte das ungewöhnlich gestylte Modell bei zahlreichen Rallyes, was den Saab 96 international bekannt machte und den Export beflügelte. Das wirkte sich natürlich auf das Image des Wagens aus, und so bot Saab schon früh sportliches Zubehör wie Magnesiumfelgen (später aus Aluminium) an. Das wirkte ein wenig skurril an einem Fahrzeug, dessen Grunddesign von Sixten Sason aus den Vierzigern stammt. Aber das ganze Auto war skurril – nicht absurd oder bizarr, aber zumindest höchst unkonventionell, fast schon ein wenig seltsam.
afs




Modellfotos: bat

Steckbrief:
MCG 18655 Saab 96 V4 1969 grün und 18654 dito orange. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 Euro