Greder? Greder!
Opel-Motorsport war weit mehr als das Werksteam. In Frankreich ließ Henri Greder den Commodore A GS Rennen und Rallyes fahren. Die dickbauchigen Tourenwagen sind natürlich Legende. MCG erinnert nun an die Rallyeversion, gar nicht adipös, ganz schlank und sogar mit Vinyldach. Ja, Henri Greder gönnte seinen Rallyeautos ein Vinyldach!
Opel-Rallyesport wird in den 70er Jahren mit dem Opel-Eurohändler-Team und danach mit dem Opel-Rothmans-Team in Verbindung gebracht. Und zuvor war nichts, weil sich Opel dem Motorsport enthielt, auf Direktive des Mutterkonzerns General Motors. Allenfalls die Privatteams Steinmetz und Irmscher hielten die Flagge hoch. Doch das stimmt nicht ganz. Opel-Rallyesport bestand nicht nur aus dem Werksteam. Nahezu jeder Importeur hatte ein eigenes Team oder arbeitete mit einem zusammen. Team Opel-Austria, Team Belgien, Greder-Racing in Frankreich, Conrero in Italien, auch einige Tuner unterhielten eigene Teams. Sie alle sammelten in den Weltmeisterschaftsläufen Punkte, und auch Privatfahrer trugen ihr Scherflein bei. Das alles wurde addiert, wenn es am Ende der Saison darum ging, die Markenweltmeisterschaft zu bestimmen.
Die französischen Greder-Rallye-Commodore (Zweitürer-Limousinen in Weiß, schwarze Motorhaube, Vinyldach, meist mit Streifen in den französischen Nationalfarben an den Flanken) wurden bei Steinmetz frisiert oder mit Steinmetz-Tuningteilen bei Greder selbst hergerichtet. Im Gegenzug orientierte sich Klaus Steinmetz bei seiner Auto-Dekoration an des Franzosen Henri Greder kreativem Vorbild mit schwarzen Hauben und darauf spitz zulaufenden Streifen, die sich an den Flanken fortsetzen. So weit, für die Seitenstreifen die deutschen Nationalfarben zu verwenden, ging Klaus Steinmetz allerdings nicht.
Henri Greder (1930 bis 2012) war einer der vielseitigsten französischen Motorsportler. In Frankreich nach wie vor populär, ist er in Deutschland nur Insidern bekannt. Dabei fuhren seine charakteristisch lackierten Opel in den 70er Jahren auf der Rallyepiste so manchem Verfolger um die Ohren. Damals betrieb Henri Greder sein eigenes Rennteam, das Greder Racing Team. Von den 50er bis in die 80er Jahre hinein war er bei internationalen Rallyes sowie bei Rundstrecken- und Bergrennen aktiv. In den 60ern sicherte er sich dreimal die Tourenwagenklasse der französischen Rallyemeisterschaft, 1974 war er französischer Tourenwagenmeister. Zunächst als Werksfahrer bei Alpine, Ford und Alfa Romeo, waren die späten 60er und die erste Hälfte der 70er Jahre für Greder GM-geprägt. Mit Werksunterstützung prügelte er Chevrolet Corvettes und Camaros über Schotter und den Asphalt, selbst in Le Mans steuerte er die Corvette. 24-Stunden-Rennen absolvierte er gerne auf Commodore GS, erstmals 1968 in Spa. Commodore-Jahre waren für ihn 1971 und 1972, Spa, Nürburgring, Le Mans, Tour de France Automobile, und immer wieder seine Lieblingsrallye, die Monte Carlo. 1969 setzte Henri Greder auf den Opel GT, danach wechselweise auf Ascona A und Kadett C GT/E, ab 1973 Commodore B GS/E, 1974 startete er auf Manta, und dazwischen immer wieder Racing mit der Corvette. Die heißen Commodore A baute Henri Greder auf eben jenen Fahrzeugen auf, die auch Grundlage für den legendären Steinmetz-Commodore A waren: eine 2000 Exemplare umfassende Sonderserie des Commodore GS für die Motorsport-Gruppe 2 (Spezialtourenwagen), gebaut ab April 1971. Der 2,8-Liter-H-Motor aus dem Admiral leistete 145 PS und barg in sich das Potential, auf bis zu 300 PS getunt zu werden. Diese Fahrzeuge wurden entweder individuell oder von Tuningbetrieben für Rennen präpariert. Eines dieser Rennteams war das Greder Racing Team. Die Tuningmaßnahmen waren bei Greder und Steinmetz weitgehend gleich, umfangreiche Arbeiten am Motor mobilisierten deutlich über 200 PS, dazu kamen ein wesentlich verändertes Fahrwerk und eine überarbeitete Bremsanlage. 2009, bei der nunmehr für historische Fahrzeuge ausgerichteten Tour Auto, nahm Henri Greder noch einmal Platz im Commodore B GS/E. Das war sein letzter Einsatz auf der Piste.
Und nun, 14 Jahre nach Greders Tod, stellen wir gleich zwei Greder-Commos in die Vitrine, MCG sei Dank. Das Basismodell haben wir bereits in Caramini-online vom 29. September 2026 präsentiert, die goldfarbene, zivile Limousine. Auf ihr baut der Greder-Commo auf und ergänzt ganz wunderbar die dickbauchigen Steinmetz-Commodore-Tourenwagen von Minichamps (in Resine 2015 erschienen, als Diecast-Modelle 2019). MCG macht den weißem Commo A mit Vinyldach und schwarzer Motorhaube in zwei ähnlichen Versionen, beide aus dem Jahr 1971. Der optisch typische Commo ist jener von der Monte 1971, denn er trägt die Greder’schen Flankenstreifen in blau-weiß-rot, très francçais, worauf der Wagen von der Tour Auto verzichten muss.
Bei der Tour de France Automobile (kurz: Tour Auto) 1971 pilotierte Jean-Louis Clarr mit seinem Copiloten Jean-Pierre Peyroux den Commo mit der # 29 auf den 28sten Platz, ein ziemlich seriennahes Fahrzeug (also Gruppe 1) mit vier Cibié-Zusatzscheinwerfern. Abgesehen vom fehlenden Frontspoiler hat MCG den Wagen prima umgesetzt, die Dekoration stimmt, die beim Straßenmodell vorbildwidrig nicht mattschwarz ausgelegten Stahlsportfelgen sind hier korrekt dekoriert. Der Radlauf- und Schwellerchrom ist beim Rallyemodell so defizitär wie beim Straßenauto, und auf Zusatzdetails wie Haubenschnellverschlüsse muss verzichtet werden, was dem Preis geschuldet ist. Die Tour de France Automobile wurde zwischen 1899 und 1986 als Straßenrennen mit Rundstreckenwertungen ausgetragen, seit 1992 gibt es sie wieder als historische Ausfahrt.
Das zweite Modell steuerte Henri Greder 1971 höchstpersönlich, neben ihm sitzend Pierre Pagani, nach Monte Carlo. Und zwar von Monte Carlo nach Monte Carlo. Traditionell gibt es bei dieser Rallye unterschiedliche Startorte aus verschiedenen europäischen Städten, die „Konzentrationsetappe“. Henri Greder entschied sich für den Start direkt im Fürstentum. Dann folgen die gemeinsamen, klassischen Alpen-Etappen als sportlichem Hauptteil, anschließend die letzte Nacht, die so genannte Nacht der langen Messer, durch die Seealpen, mehrmals über den berühmten Col de Turini, und dann Zieleinlauf im Fürstentum Monaco. Greder schaffte Rang 12, ein ziemlich sensationelles Ergebnis für eine Limousine. Vor ihm nur veritable Sportler vom Schlage einer Alpine A110, Lancia Fulvia, Fiat Abarth 124 Spider, Datsun 240Z, Porsche 914 – allerdings musste sich der Commo auch einem Rallye Kadett geschlagen geben (Ragnotti, Platz 11). Ein identischer Greder-Commodore fuhr auf Platz 25, darin zwei Damen, Marie Claude Beaumont mit Martine de la Grandrive als Copilotin. Die Greder-Commodore waren zwar Einspritzer (Bosch D-Jetronic-Saugrohreinspritzung), aber sie kamen als Commodore GS mit Vergaseranlage zur Welt. Deswegen werden sie in den Ergebnislisten zumeist als „GS/E“ geführt, trugen aber Schriftzüge vom Commodore GS. Und dann wollen wir, quasi off-topic, noch einen Superlativ verraten, der nicht gerade neu, aber hinlänglich unbekannt ist;: Der Commodore A GS/E war das erste deutsche Serienauto mit Frontspoiler; selbst der Porsche 911 S bekam ihn später. Aber auf den würde fast jeder tippen, dem man die Frage nach dem deutschen Serienpionier stellt.
afs





Modellfotos: bat

Foto: Archiv Opel

Foto: Archiv Opel

Foto: Fotograf unbekannt, Archiv Anefo.
Steckbrief:
MCG 561 Opel Commodore A GS Rallye Monte Carlo 1971 (Henri Greder/Pierre Pagani, # 20), 562 dito Tour de France Automobile 1971 (Jean-Louis Clarr/ Jean-Pierre Peyroux, # 29). Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 69,95 Euro.