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News 1:18 AUTOart Lamborghini LM 002 1986

Die Wüste bebt

Bevor der Hummer kam, war der Lamborghini LM 002 da. Ein Monstrum der Superlative, das Spielzeug der Schönen und Reichen. Nun auch ein Spielzeug der Modellautosammler: AUTOart bringt den LM 002 und kehrt damit zurück zu den Wurzeln: AUTOart fing 1999 mit Luxus-Offroadern an.

Er war der Größte, Imposanteste und Fetteste. Amerikanische Filmstars, arabische Emire, die High Society und die Wildesten der Wilden schworen in der zweiten Hälfte der 80er Jahre auf den Lamborghini LM 002. Er verkörperte, was das Renommee betrifft, den Vorläufer des Hummer.

Anfang der 70er Jahre erlebte der Selfmademan Ferruccio Lamborghini manchen Rückschlag. Weil Bolivien einen Traktoren-Großauftrag aufgrund politischer Unruhen stornierte, musste er die Lamborghini Trattrice verkaufen, Streiks machten ihm das Leben schwer und sein Sohn zeigte kein Interesse am Autobusiness. 1972 veräußerte der Patriarch 51 Prozent seines Unternehmens an den Schweizer Geschäftsmann Georges-Henri Rossetti. Dessen Landsmann René Leimer erwarb 1973 den Rest. Ferruccio Lamborghini zog sich auf sein Weingut in Umbrien zurück, 1993 starb er.

1976 waren Rossetti und Leimer in finanziellen Schwierigkeiten und suchten ihr Heil in der Kooperation. Die italienische Regierung gewährte einen Kredit und Lamborghini verhandelte mit BMW, Karosseriebau und Montage des Münchner Supersportwagens M1 zu erledigen. Gleichzeitig nutzte Leimer seinen Kontakt zur amerikanischen Firma MIT (Mobility Technology International). Diese suchte einen Produzenten für einen Militärgeländewagen, der von Lamborghini entwickelt und produziert, von MTI aber vermarktet hätte werden sollte. Damals schrieb die US-Army den Nachfolger für den Ford Mutt aus, was letztlich zum Hummer führte. Weil plötzlich alles viel schneller als geplant gehen musste, brachte MIT einen eigenen Entwurf ein. Die Eckdaten: Heckmotor, Allradantrieb, Platz für vier Soldaten mit Gerödel plus Fahrer, zur Vorgabe gehörte auch der Chrysler-5,9-Liter-V8-Motor mit Automatik.

Die Konzeption von MIT, als Lamborghini Cheetah in Genf 1977 präsentiert, war letztlich die Kopie eines bestehenden Konzeptes, des FMC XR 311. Dieser Wagen bewarb sich ebenfalls in der Ausschreibung. Nach dem Cheetah-Debüt klagte FMC gegen MIT und Lamborghini. Gleichgültig, wie dieser Streit ausging: In der öffentlichen Meinung hatte Lamborghini abgekupfert, die Reputation der Supersportwagenfirma aus Sant’Agata Bolognese sank. Die Cheetah-Entwicklung hatte auch ihre eigentliche Aufgabe beeinträchtigt, denn sie verschlang den staatlichen Kredit, den Lambo für das BMW-M1-Projekt erhalten hatte. Deshalb konnten Leimer und Rossetti die Verträge mit BMW nicht einhalten und gingen 1978 Pleite.

Als Retter in der Not kam Patrick Mimran, der Spross einer sehr reichen Familie. Er kaufte Lamborghini im Sommer 1980. Die Dynamik des erst 24 jährigen Mimran war kaum zu bremsen, und auf dem Genfer Salon 1981 stand der LM 001. LM steht wohl für Lamborghini Military, kann aber auch eine Abbreviatur für Lamborghini Mimran sein. Giulio Alfieri, ehemaliger Maserati-Mann und nun verantwortlicher Lamborghini-Ingenieur, überarbeitete das Cheetah-Konzept. Er konnte nicht einmal auf einen Prototypen zurückgreifen, denn der einzige Cheetah war bei Wüstentests in Kalifornien zerstört worden. Der LM 001 war also der erste Geländewagen, der bei Lamborghini entworfen wurde. Alfieri verwandte den eigenen V12 aus dem Countach und brachte ihn auf 4754 cm³ mit 332 PS, Vmax 180 km/h. Der Motor wurde wieder hinten eingebaut. Die Karosserie war der des Cheetah sehr ähnlich. Im LM 001 wurde alternativ ein AMC 5,9-Liter-V8 mit 180 PS getestet. Letztlich war der LM 001 nichts als ein modifizierter Cheetah mit all seinen Nachteilen.

Dann wurde kuriert, was Tester beim Cheetah und LM 001 bemängelten. Zunächst die viel zu schwergängige Lenkung, resultierend aus den immensen Reifen mit ihren weichen Flanken, dann die Tendenz zu unkontrolliertem Übersteuern bei schneller Kurvenfahrt wegen des Heckmotors, der direkt auf der Hinterachse saß. Dafür gab es ein probates Mittel, nämlich den Motor nach vorne zu setzen. Alfieri tat dieses, implantierte eine Servolenkung, ließ andere Reifen aufziehen, überarbeitete die Achsgeometrie, konstruierte eine neue Chassis-Struktur und sogar eine Satelliten-Navigation. Letztendlich schuf er damit ein völlig neues Auto, den LMA 002 von 1982. Das A steht für anteriore (= vorne), ein Verweis auf den Frontmotor.

Der LM 003 war ein überarbeiteter LMA 002 mit neuem Antriebsaggregat, ein Sechszylinder-Turbodiesel von VM mit 3590 cm³ und 150 PS, verbunden mit einem ZF-Fünfgang-Getriebe mit Reduktion. Er erwies sich für den 2,6-Tonner als zu schwach. 1983 kam der LM 004/7000. Dazu wurde zunächst ein anderer Motor in das altbekannte Chassis eingebaut, das bereits als LMA 002 und LM 003 fungierte. Alfieri verwandte einen Siebenliter-V12 mit 420 PS, nicht etwa eine Neukonstruktion, sondern ein überarbeiteter Bootsmotor aus der Lamborghini-Sparte Motori Marini. Block und Zylinderköpfe waren aus Aluminium, das Aggregat hatte vier oben liegende Nockenwellen und sechs Weber-Vergaser. Nun wog der 206 km/h schnelle Super-Offroader knapp drei Tonnen, und Chassis sowie Radaufhängungen mussten dem Gewicht erneut angepasst werden. Interessanterweise verwendete Lamborghini vorne zwar innenbelüftete Scheibenbremsen, hinten aber nur Trommeln. Auch das Interieur wurde komplett neu gestaltet. Anstelle der militärisch-simplen Innenraumgestaltung bekam der LM 004/7000 ein Interieur, das sich am Countach orientierte: Körpergerechte Ledersitze, ein attraktiv gestyltes Armaturenbrett, Klimaanlage, Soundsystem, Kühlbox und fließend Kaltwasser zwischen den hinteren Sitzen. Damit änderte der Lamborghini-Geländewagen seinen Charakter: Nun war nicht mehr das Militär der potentielle Käufer, sondern der reiche Privatier. Im Zuge der Erprobung stellte sich heraus, dass der LM 004/7000 nun nicht mehr untermotorisiert (wie mit dem VM-Diesel), sondern übermotorisiert und dass der Siebenliter-Block auch für das stabile LM 004-Chassis zu schwer war. Also entschied sich Alfieri, die Countach-Maschine zu verwenden, auch wenn das hervorragende Drehmoment des Bootsmotors damit aufgegeben werden musste. 1985 wurde der LM 004 also mit dem Fünfliter-V12 aus dem Countach getestet und für die Produktion vorbereitet. Sie startete im Herbst und das Serienauto hieß Lamborghini LM 002.

Rambo-Lambo als Hummer-Vorläufer

Der Miura- und Countach-Züchter aus Sant’Agata Bolognese hat all das für ungültig erklärt, was 40 Jahre lang für Geländewagen gegolten hatte: abgekantete Bleche, Starrachsen, bretthart, kein Komfort, kein Renommee. Der LM 002 war 200 km/h schnell, immens teuer und setzte drei Trends: Der Erste: Ein Geländewagen kann ein Superauto sein. Der Zweite: Ein Geländewagen kann ein Spielzeug für die Reichen sein. Der Dritte: Der Weg ist frei für den Hummer.

Als Serienfahrzeug unterschied sich der LM 002 vom letzten Prototyp aus dem Vorjahr durch den Quattrovalvole-Motor aus dem jüngsten Countach, etwas geringer verdichtet, immer noch 450 PS stark. Die Karosserien aus Aluminium und Fiberglas wurden bei einer Spezialfirma in der spanischen Hafenstadt Bilbao gebaut, per Schiff nach Sant’Agata spediert und dort fertig gestellt. Die immens lange Wartezeit seit dem ersten Cheetah von 1977 und das Wissen um den stärksten, teuersten und exklusivsten Geländewagen aller Zeiten führten zu einem wahren Run auf den LM 002. Die Reichsten der Reichen wollten als erste einen haben. Auserwählt wurde König Hassan von Marokko, den zweiten bekam der Formel-1-Rennfahrer Keke Rosberg. Reiche und Neureiche orderten den Lamborghini vom Standard-Modell über schwer gepanzert, getunt, voll mit Extras und in etlichen Kombinationen der Räder, Motoren und Heckgestaltung. Die meisten hatten Gewehrhalterungen für Uzis und sehr viele Antennen. Wer in Beirut etwas auf sich hielt, fuhr LM 002, jeder arabische Stammesfürst hatte einen. Der LM 002 war für Lamborghini zunächst ein furioses Feuerwerk. Ein US-Motorjournalist untertitelte seinen Test in der Car & Driver vom Oktober 1987: „Sell your Testarossa, Clyde. There’s a new status symbol in town“.

Die Familie Mimran verkaufte Lamborghini 1987 an Chrysler. Der LM 002 entwickelte sich bald zum Flop. Nach der Anfangs-Euphorie stellte sich rasch heraus, dass der Interessentenkreis zwar zahlungskräftig, aber klein ist. Außerdem machten sich Qualitätsprobleme beim Karosseriebau-Zulieferer breit. Das Interieur war zu elaboriert, um dem Wüsteneinsatz Stand halten zu können. Die Freude über einen 200-km/h-Geländewagen wich einer Frustration bei Kunden wie beim Werk. Unter Chrysler-Ägide setzte Lamborghini all seine Ressourcen daran, den Countach-Nachfolger serienreif zu machen. 1990 erschien der Diablo, und niemand kümmerte sich um die Weiterentwicklung des Geländewagens. Lamborghini forcierte den Verkauf nicht mehr, aber wer einen wollte, bekam ihn. 1990 wurden 35 gebaut, 1991 waren es 65. Nach nur zwölf im Jahre 1992 musste der LM 002 abtreten. Insgesamt 301 Stück wurden produziert, die letzten 60 hießen LM American und hatten Chromstoßstangen, verfeinertes Interieur und spezielle Alufelgen von OZ.

Ein paar beeindruckende Daten: Das Monstrum wog knapp drei Tonnen. Der V12-Vollblüter holte dank sechs Weber-Horizontal-Doppelvergaser 450 PS aus 5167 cm³. Ab dem Turiner Salon 1989 reduzierte sich die Leistung auf 420 PS wegen des Katalysators, eine elektronische Marelli-Einspritzung löste die übertriebene Vergaserbatterie ab. Die Lambo-Aggregate, vor allem mit Vergasern, waren eine Freude für die OPEC: Das Ding brauchte nur 8,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und lief über 200 km/h, brauchte aber bis zu 40 Liter Sprit und verfügte über einen 290-Liter-Tank. Vorne und hinten hatte der LM Differenzialbremsen, in der Mitte ein Zentraldifferenzial mit Sperre. Im Straßenbetrieb lief er mit Heckantrieb, der Frontantrieb war zuschaltbar, für Fortkommen im Wüstensand sorgte eine Reduktion. Das Wüstenschiff ruhte auf einem Rohrrahmenchassis, hatte vorne und hinten Einzelradaufhängung mit Teleskopstoßdämpfern und fast 30 cm Bodenfreiheit. Spurbreite 1,62 m, Radstand 3 m, LxHxB 4,90 x 2 x 1,85 m, 17-Zoll-Stahlräder mit 325/65 VR-Schlappen. Aber wer glaubt, der LM 002 hätte eine automatische Blinkerrückstellung, sah sich getäuscht.

Zurück zu den Wurzeln

Als AUTOart als Marke von Gateway erstmals auftrat, erschienen zunächst ausschließlich luxuriöse Geländewagen. Das erste AUTOart-Modell, auf der Spielwarenmesse 1999 präsentiert, war ein Range Rover der zweiten Generation, etliche Japaner und Amerikaner folgten, darunter Ford Expedition, Lincoln Navigator, Jeep Grand Cherokee, Mitsubishi Pajero V20. Die verkauften sich gut, und dennoch verlegte sich AUTOart rasch auf moderne Sportwagen. In den vergangenen 20 Jahren kamen nur noch vereinzelt Offroader hinzu (Mercedes G-Klassen etlicher Jahrgänge und Ausführungen, Suzuki Jimny FJ, Lambo Urus, Ford F-150 Raptor). Der neue Lamborghini LM 002 hätte schon damals, ganz am Anfang, ins AUTOart-Programm gepasst, als zeitgenössisch-moderner Super-Geländewagen. Aber dann wäre er aus Diecast gewesen, wie alle AUTOart-Modelle bis 2015/16.

Drei LM 002 in 1:18 gibt es bereits, Resine-Modelle von GT Spirit (2019 erschienen) und Schuco (relativ aktuell), ein Chinese namens TRL macht oder machte eine Paris-Dakar-Version von 1995. Das ist alles schön und recht, aber nichts gegen ein elaboriertes AUTOart-Modell – zumal die Resine-Interpretationen kaum unter 200 Euro zu haben sind und somit nicht gerade als „preiswerte Alternative“ durchgehen können. Immerhin können sie nichts außer schön aussehen. Ein AUTOart LM 002 hat da wesentlich mehr zu bieten: eine bis ins letzte Detail durchdachte Konstruktion mit inneren Werten und Funktionen. Ein Resine-Modell ist eine hübsche Dekoration, ein AUTOart-Modell ein Erlebnis. In fünf Farben lanciert AUTOart dem LM002. Ausgeliefert sind Bianco Polo Park, Rosso Siviglia und Argento, im November folgen Nero Tenebre und Blu Acapulco Metallic. Außer der Farbe existieren keine Unterschiede, der Preis ist jeweils identisch. Bei diesem Modell relativiert sich sogar das leidige Argument, wonach Gewicht mit Wertigkeit korreliert sei. Der AUTOart LM 002 bringt 700 Gramm auf die Waage und ist völlig aus Kunststoff. Ein zum Vergleich auf die Waage gestellter Solido-Achtzehner kommt auf gut 500 Gramm – trotz Diecast-Karosserie!

Was auf den ersten Blick fasziniert, ist die schiere Größe und Wuchtigkeit des Monstrums. Da ist nichts Fragiles, nichts Feinsinniges, nichts Subtiles. Alles ist nichts als übermäßig, kolossal, ungeheuerlich, ja fast schon empörend. Das gilt nicht nur für das Äußere, das außer den Scheinwerfern und natürlich den Rädern und dem Lenkrad nicht eine (!) Rundung aufweist. Nur Kanten und Knicke, grob geschlacht, effektschreiend. In gewisser Weise sogar unförmig. Vielleicht wirkt der Lamborghini LM 002 auf den Betrachter nur deshalb nicht unförmig (wie beispielsweise ein Tesla Cybertruck), weil wir ihn seit genau 40 Jahren kennen und mit dem Äußeren vertraut sind. Womöglich würde er ähnliche Negativassoziationen wie der Cybertruck auslösen, wenn wir ihn das erste Mal sähen – was impliziert, dass wir uns den Cybertruck in 40 Jahren vielleicht auch schönreden. Jedenfalls hat das Modell eine ungeheure Präsenz und wird niemals in der Vitrine zwischen anderen untergehen. Da gehen eher all die anderen unter.

Es ist ein in typischer AUTOart-Machart konstruiertes Modell, all open (dazu später mehr), lenkbar mit brauchbarem und nicht zurückfederndem Einschlag und gefedert. Das Problem, das jüngst die Mercedes G-Klasse von AUTOart hatte, belastet den LM 002 nicht: Seine Federung ist nicht so weich ausgelegt, dass alleine das Modellgewicht ihn in die Knie gehen lässt. All open bedeutet beim Rambo-Lambo, dass sich die Motorhaube und die vier Türen öffnen lassen. Die Heckklappe hingegen ist fixiert und wir unterstellen dafür Stabilitätsgründe, wie neulich beim Ford Raptor. Womöglich ist dies ein systemimmanenter Nachteil der Kunststoffkonstruktion: Die Stabilität tragfähigen Metalls fehlt eben. Eventuell wäre es auch nicht möglich gewesen, in Kunststoff hinreichend stabile Scharniere zu schaffen, welche das Gewicht der Heckklappe plus dem darauf montierten Reserverad gehalten hätten. Diese Frage könnte nur der verantwortliche Product Manager beantworten, den wir nicht kennen und der weit weg in Asien sitzt. Auf solche Fragen kann Gateway Europe in Aachen auch nicht antworten. Die importieren die Modelle, haben aber keinen Einfluss auf die Produktion – geschweige denn auf die Typenauswahl (sonst würde AUTOart garantiert so manches nicht und dafür anderes produzieren).

Macht auf die Tür, das Tor macht weit

Wir haben noch nie einen LM 002 näher betrachtet als von außen, sind noch nie darin gesessen, in den Motorraum gekrochen oder unterm Auto gelegen. Somit wissen wir auch nicht, ob die Türen bei diesem Fahrzeug tatsächlich einen so geringen Öffnungswinkel haben wie beim Modell und ob sie kaum offen halten. Es erinnert uns ein wenig an unseren CX. Da dürften die Türen auch gerne etwas weiter öffnen und der Öffnungsendpunkt dürfte besser definiert sein. Somit wollen wir dies beim AUTOart LM 002 weder als Manko noch als Defizit brandmarken. Vielleicht entspricht es dem Original, vielleicht nicht. Die Verarbeitung des Modells ist erste Sahne, wie immer bei AUTOart (und so genannte Mikrokratzer in den Scheiben von AUTOart-Modellen, die so mancher Sammler in Foren beklagt, haben wir noch nie festgestellt). Das Modell ist schlichtweg hervorragend, nahezu keine Spaltmaße, beste Hochglanzlackierung, ein beeindruckendes Motorwunder, das wohl extremste Triebwerk in der Geländewagengeschichte. Vom Countach-Motor sieht man gar nicht so viel. Er wird dominiert (und domestiziert!) von einem riesigen, silbernen Luftfiltergehäuse, das den Raum unter der Motorhaubenerhebung völlig ausfüllt. Er schützt das Triebwerk in der Wüste vor Sand und Staub. Dann natürlich die sechs Weber-Doppelvergaser und vorne ein riesiger Kühler, flankiert von zwei Elektrolüftern. Der Motorraum ist absolut vollgepackt mit analoger Mechanik, Schläuche, Gasgestänge, Zündkabel. Magisch angezogen wird das Auge von den beiden großen, gelben, runden Dingern in Fahrtrichtung rechts im Motorraum. Das sind die Zyklon-Vorfilter des Luftfiltersystems, denn der LM 002 hat ein zweistufiges Ansaugsystem. Die gelben Behälter nutzen die Fliehkraft, um großen Sand und Staub direkt aus der angesaugten Luft herauszufiltern, bevor sie den eigentlichen Hauptluftfilter erreichen. Neben den gelben Behältern strechen rote Kabel ins Auge, etliche silberne Mechanikteile, weiß-transparente Flüssigkeitsbehälter sowie zwei kleine, blaue, zylindrische Bauteile in der Nähe des Kühlers. Das sind die Zündspulen von Magneto Marinelli, traditionell mit blauem Gehäuse versehen.

Das Innere ist die Fortsetzung des Äußeren, eben splendid, und die Breite der Mittelkonsole ist schlichtweg unanständig. Zu loben ist die Riffelblech-Nachbildung in der Pickupwanne (wenn man das so nennen darf), wo Gitter sind, sind sie durchbrochen, die Reifen dürften die größten sein, die AUTOart je machte, und die dezente Flankenbeschriftung fehlt ebenso wenig wie ein Luftventil am Felgenrand. Über Carbon verlieren wir kein Wort, trotz Supercar, trotz Lamborghini, aber zu Rambo-Lambos Zeiten war Carbon am Auto noch längst kein Thema. Nun sind wir normalerweise von den Fahrgestellen älterer bis alter Geländewagen stets begeistert und erläutern die Technik die wir dort identifizieren. Da haben wir beim LM 002 wenig zu sagen, denn Lamborghini hat viel verkleidet. Zu sehen sind funktionale Radaufhängungen, sich bewegende Doppelquerlenker, eine in einem Platinton gehaltene Auspuffanlage und ein mittiges Verteilergetriebe, das den vorderen vom hinteren Antriebsstrang trennt. Ansonsten verfügt der Lambo über einen glatten Unterboden, um möglichst behände über Dünenkuppen zu rutschen.

Der LM 002 ist sicherlich nicht jedermanns Sache – weder was das Image noch was die Formgebung betrifft, und es stellt sich die Frage, zu was man ihn gesellt. Zu den Lamborghini passt er nicht. Zu traditionellen Geländewagen auch nicht. Neben ein paar Hummer-Fahrzeugen fühlt er sich am wohlsten, aber nicht jeder Sammler verfügt über ein Hummer-Gehege (die beste Gesellschaft wären ein ziviler Hummer H1 von Exoto Thunder Trac und ein H2 von Highway 61). Der Lamborghini LM 002 könnte also ein Solist in der Sammlung bleiben, und wer alleine ist, hat es stets schwer in Sachen Akzeptanz. Aber dieser Solist ist auch ein Solitär, ein herausragendes Modellauto, das ein wenig von der Aura des Bösen und Unanständigen umweht wird und gleichsam ein reines Faszinosum ist.

afs

Ein automobiler Solitär, dem keiner das Wasser reichen kann, ist der Lamborghini LM 002. So ähnlich passt auch das Attribut auf das AUTOart-Modell. Es ist hervorragend gemacht, es ist begehrenswert. Doch wer es nach Hause getragen hat, steht unwillkürlich vor dem Problem: Wohin in meiner Sammlung und neben welchen Nachbarn stelle ich dieses Modell? Natürlich kann man ihn auch in allen fünf Farben kaufen und mit dem ebenfalls wunderbaren 43er von Minichamps in mehreren Farben anreichern. Das würde dann eine komplette Vitrinenlage ausfüllen. Aber es wäre ein teures Vergnügen.
Modellfotos: bat
Ganz abgesehen von der Machart, die AUTOart diesem Extremaggregat hat zukommen lassen – alleine schon die Tatsache, dass dies der Countach-Motor ist, reicht für Verzückungsrufe aus.
Mehr geht nicht: Weiter gehen die Türen nicht auf und besser kriecht das Kameraobjektiv nicht hinein in die Höhle des Stieres.
Sehr glattflächig für einen 40 Jahre alten Offroader. Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern mit Schraubenfedern und massive Antriebswellen sind zu sehen, grob profilierte Pirelli-Scorpion-Reifen, Auspuffanlage, Verteilergetriebe und zwei Kardanwellen. Der Gitterrohrrahmen ist komplett verkleidet.
Das Wort des Rambo-Lambo ist so alt wie der Wagen selbst. Alleine der „Rambo“ belegt das, denn er war in den 80ern in aller Munde, so wie sein Darsteller Sylvester Stallone. Und dieser besaß damals tatsächlich einen LM 002 und fuhr damit durch Hollywood. Tina Turner übrigens auch, aber mit 5-Liter-Mercedes-Motor und Automatik. Denn Tina konnte und durfte nicht schalten.
Fotos: Archiv Lamborghini

Steckbrief:

AUTOart 74551 Lamborghini LM002 1986 Rosso Siviglia und 74553 dito Argento. Fertigmodelle Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP je 347,95 Euro.