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News 1:18 AUTOart Porsche 911 Turbo Blackbird (Wangan Midnight) 1987

Blackbird heißt die Amsel

Ein sehr spezieller Porsche 930 Turbo kommt aus dem Hause AUTOart: Das Filmauto aus Wangan Midnight, Yoshidas legendärer Blackbird. Und das schon zum zweiten Mal, nach Diecast nun Composite. Um ihn und seinen Charakter zu verstehen, beschäftigen wir uns mit der japanischen Straßenrenn-Szene, einem Manga und einem Film.

Mitte der 80er stiegen in japanischen Metropolen, speziell in Tokio, die Grundstückspreise ins Unermessliche. Selbst wohl situierte Menschen konnten sich kein Eigenheim leisten. Sie wollten dennoch ihren Wohlstand ausleben und auch zur Schau stellen und investierten darum in Oberklasse-Fahrzeuge, gerne in Sportwagen. Im Dunstkreis dieser Entwicklung wurden Straßenrennen immer populärer, die Japaner maßen sich gegenseitig mit ihren heißen Wagen.

So formte sich der Midnight Club in Tokio, der zwischen 1987 und Ende der 90er Jahre existierte. Seine Mitglieder waren wohlhabende Eigentümer getunter Sportwagen, die den Wangan, eine Küstenstrecke nahe Tokio entlang des Meeres, für sich entdeckten. Sie flanierten dort mit ihren Autos, bespaßten sich gegenseitig mit ihrem Sound, und um Mitternacht starteten die illegalen Straßenrennen. Der Anführer dieses Clubs und gleichzeitig der schnellste Mann aus seinen Reihen, Middo Naito Kurabu, fuhr lange Zeit einen schwarzen Porsche 930 Turbo, schwer getunt mit Body-Kit, genannt Yoshida Specials 911. Er trägt einen Spitznamen, was in Japan auch für seriöse Leute üblicher ist als bei uns. In der Szene nennt man ihn Yoshida und sein Porsche heißt Blackbird, also Amsel. Bis hier befinden wir uns in der Tokioter Realität der 90er Jahre.

Kurabo, der Racer, und Blackbird, sein Porsche, animierten den Manga-Zeichner Michiharu Kusunoki zu einem Comic. Blackbird spielt darin die Hauptrolle und bekam einen ewigen Rivalen zur Seite gestellt, Akio Asakura mit seinem Nissan Fairlady Z 1970 alias Datsun 240 Z. Aus dem gezeichneten Comic wurde ein Film, und die Autos dieser beiden Protagonisten bildet AUTOart nach, beide zwei Mal. Aus Metall, also Zinkdruckguss, erschienen der Nissan Ende 2016 und der Porsche Anfang 2017. Nun kommen beide aus völlig neuen Formwerkzeugen wieder auf den Markt, also Neuheiten, welche die selben Vorbilder nachbilden. Der Porsche wurde eben ausgeliefert, der Nissan steht in den Startlöchern.

In der Story werden der Porsche und der Nissan wieder und wieder getunt, und die ganze Serie besteht aus einem Wettrennen nach dem anderen. Zu guter Letzt leistete der Nissan 680 PS, der Porsche über 700 PS, und die beiden rannten mit Tempi über 350 km/h. Alles nur im Comic, wohlgemerkt. Dieser Manga faszinierte die Japaner, ein Fernsehfilm in 26 Episoden und ein Kinofilm kamen zustande, Wangan Midnight. Hauptrolle spielen die beiden Autos, der Porsche und der Nissan.

DORF und Promodet

Der Film-Porsche ist der Privatwagen von Kusoniki-san, ein Porsche 911 (930) Turbo von 1987. Zwei wichtige Namen in der japanischen Porsche-Tuning-Szene sind DORF und Promodet, und diese beiden nahmen den Porsche in die Mangel. Der Frontspoiler dieses Einzelstücks erinnert an ein Sondermodell, das Porsche seinerzeit für den französischen Importeur Sonauto fertigte, der Heckstoßfänger scheint dem 3.0 RSR nachempfunden zu sein, aber ohne Faltenbalg. Der große Ladeluftkühler schränkt den Blick auf den Motor etwas ein. Das Fahrzeug ist also rundum gepimpt, trägt einen riesigen Intercooler, auffallend sind das Lenkrad, die Sitze, gelbe Nebelscheinwerfer, die breiten Räder und sein entsprechender Tiefgang. Nach dem Extremtuning, das sein Porsche für den Film erfuhr, mochte ihn Kusonaki-san nicht mehr fahren und verkaufte ihn weiter. Er existiert noch heute in Liebhaberhand, aber schwer modifiziert mit Anbauteilen des ebenfalls japanischen Tuners Rauh-Welt und auf nunmehr 600 PS getunt.

AUTOart hat sich also eines der berühmtesten, real existenten Porsche angenommen – zumindest in Japan, wo der Manga sowie die TV-Serie Wangan Midnight absoluter Kult sind. In Deutschland ist das Ganze nahezu unbekannt. Das ändert allerdings nichts an der unbedingten Attraktivität dieses schwarzen Porsche!

Verglichen mit der Diecast-Interpretation, deren Dachlinie nicht hundertprozentig stimmte, ist der neue AUTOart-930 formal auf den Punkt getroffen, ein schlichtweg perfektes Modellauto. Der Wagen kauert angriffslustig auf dem Boden, strahlt Macht und Stärke aus, und sein japanisch beschriftetes Kennzeichen verleiht ihm exotisches Flair. Ein schwarzer Porsche Turbo sieht immer gut aus, aber dieser spezielle profitiert vom geheimnisvollen Nimbus seines Originals. Ebenso wie die Rauh-Welt-Porsche, ist der Yoshida Specials 911 ein vertrauter Anblick mit fremdartigen Einflüssen, ein Porsche, dessen Optiktuning für unsere Augen ungewöhnlich ist. Das macht seinen Reiz aus.

Wem das doch zu viel des Guten (oder: des Bösen) ist, der möge ein wenig warten. AUTOart wird den Porsche 930 Turbo auch als ganz normalen und zivilen Asphalt-Sportwagen bringen, in Silber, Schwarz, Orange, Weiß, Minervablau und Indischrot. Aber das dauert noch.

Von Groß zu Klein

1:64 ist derzeit im Trend, AUTOart bedient ihn, wie so viele andere auch. Der schwarze Porsche erschien gleichzeitig in beiden Maßstäben, 1:18 ebenso wie 1:64. Der Kleine, wie der Große ein Kunststoffmodell in Composite-Bauweise, stellt den Film-Porsche im gleichen Aggregatzustand wie den Achtzehner dar, laut Packung die „Comic N° 1 Version“, also mit den gleichen Anbauteilen, gelben Nebelscheinwerfern und der identischen Zulassung. Ein hoch detailliertes und hoch glänzendes Modell(chen), das AUTOart erfreulicherweise in einer kleinen Standardvitrine ausliefert, also schwarzer Sockel mit transparentem Deckel. Ach, das wünschen wir uns in 1:18 auch! Das würde das (Modellautosammler-) Leben so viel einfacher machen: Man könnte die Modelle sichtbar und staubgeschützt lagern, es wäre ideal für all jene, die weder Vitrinen haben noch Staubwischen als Lebensinhalt sehen.

afs

Kein freundlicher Wagen, eher ein gefährlicher Porsche ist Yoshidas Blackbird aus Wangan Midnight. Besonders böse schauen die gelben Nebelscheinwerfer.
Modellfotos: Hans-Joachim Gilbert
Nahezu nichts vom Motor zu sehen durch den überdimensionierten Intercooler. Die Kennzeichen entsprechen formal und inhaltlich dem Original.
Spezielle Sitze, spezielles Lenkrad: Blackbird ist kein gewöhnlicher Porsche, und die AUTOart-Detaillierung begeistert jedes Mal aufs Neue.
Das ist AUTOart: Ein beflockter Kofferraum, so weich, dass man am liebsten etwas kleines Wertvolles hineinlegen möchte. Ein Miniatur-Goldbarren könnte darin eine nette Heimat finden – so man einen hat.
Äußerst sehenswert: Separat eingesetztes Motorwunder von unten, sehr schöne Hinterachse mit Drehstabfederung.
Zum Vergleich: Die Diecast-Interpretation von AUTOart aus dem Jahre 2017, deren Dachlinie nicht hundertprozentig gelungen ist. Das Modell ist super, keine Frage, aber die Neuinterpretation ist noch superer.
Modellfoto: bat
Klein und putzig wirkt er, der 64er. Aber er ist ebenso mächtig und böse wie sein großer Bruder. Und in ebenso bestechender Qualität gefertigt. Qualität ist keine Frage des Maßstabs, so wenig wie eine Frage des Materials.
Modellfoto: bat

Steckbrief:

AUTOart 78168 Porsche 911 Turbo Blackbird (Wangan Midnight) 1987. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP 282,95 Euro.

AUTOart 20636 dito, Maßstab 1:64. UVP 35,95 Euro.