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News 1:18 Norev Opel Kadett E GSi „Helmut Schmidt“

Geht ab wie Schmidts GSi

Als er den Kadett kaufte, war er Alt-Bundeskanzler: Norev macht ein spätes Exemplar aus Helmut Schmidts automobiler Biographie, einen schwarzen Opel Kadett E GSi. Schmidt war, wie man weiß, ein flotter Fahrer. Der GSi passte zu ihm. Einerseits. Andererseits nicht.

Helmut Schmidt war kein bloßer Politiker. Er war einer der wenigen Staatsmänner der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Viel weiß man über ihn, auch privat. Seine automobilen Vorlieben sind auch bekannt, ebenso wie sein Fahrstil. Darüber kann man schmökern auf der Webseite der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Ein Raser war Schmidt nicht, aber er mochte es flott. Als er Bundeskanzler war, zwischen 1974 und 1982, hatte er einen Mercedes W116 als Dienstwagen, nicht etwa einen 450 SEL 6.9, sondern einen 350 SEL. Und nicht in staatstragendem Schwarz, sondern in Grau, einer besonderen, namenlosen Farbe, die „in der Szene“ als „Schmidt-Grau“ bezeichnet wird. Privat hatte Helmut Schmidt in der Zeit seiner Kanzlerschaft natürlich auch ein Auto, einen Opel Rekord D. Darin ließ er sich fotografieren im Zuge der Kampagne „Klick – Erst gurten, dann starten“, also die Gurtpflicht ab 1976. Fotomotiv: Helmut Schmidt schnallt sich in seinem Rekord an. Eines seiner sehr späten Autos war ein schwarzmetallicfarbener Opel Kadett E GSi, Sondermodell Champion. Der gehört heute zum Opel-Classik-Fundus.

Helmut Schmidt kaufte den Wagen neu beim Hamburger Opel-Händler Albert Lauße & Söhne (gehört seit 2023 zur Dello-Gruppe), auf ihn am 15. September 1991 mit dem Kennzeichen HH – SH 259 zugelassen. Der GSi mit 115 PS, ein Sondermodell namens Champion, kostete damals 31.500 D-Mark und war der teuerste Serienkadett aller Zeiten (optional sogar mit Connolly-Ledersitzen verfügbar, dann über 34.000 DM teuer). Schmidt verkaufte ihn im Februar 1996 als Gebrauchtwagen an einen Parteifreund, dieser verkaufte ihn weiter. Dieser dritte Eigentümer erkannte die Besonderheit des Fahrzeugs mit prominentem Erstbesitz und bot es Opel-Classic an. Opel-Classic bewegt den Wagen mit rund 110.000 Kilometern auf der Uhr nunmehr mit anderer Zulassung (GG – GU 652, kein H-Kennzeichen) wechselweise mit zwei unterschiedlichen Alufelgen. Eine ganz nette Vorstellung: Der 69 Jahre alte Altkanzler fuhr eine halbstarke Heizer-Kiste und ließ die Vorderreifen qualmen… Wahrscheinlich war es nicht so. Helmut und Loki Schmidt nutzten den Kadett wohl hauptsächlich, um von ihrem Doppelhaus in Hamburg-Langenhorn zum Feriendomizil am schleswig-holsteinischen Brahmsee zu fahren: Helmut Schmidt am Steuer mit seiner geliebten Elblotsenmütze, einem ebenso geliebten Zigarettchen in der Rechten und neben sich seine mindestens genauso geliebte Loki…

Sondermodell „Champion“

Schmidts Dienstwagen, der graue W116, ist allenthalben als Modell vorhanden, in allen Maßstäben: Minichamps machte ihn in 1:43, Norev in 1:18, das Sammlerkontor ließ ein Sondermodell bei Wiking in 1:87 fertigen. Seinen Privat-Kadett gab es bislang noch nicht, jetzt schon, von Norev. Norev hat dafür sogar seine Gussform modifiziert und dem Wagen zusätzliche Nebelscheinwerfer spendiert. In Sachen Felgen ist ein Fauxpas geschehen. Weil das Fahrzeug aus dem Opel-Fundus auf Fotos unterschiedliche Alus trägt, entschied sich Norev für den Auslieferungszustand, also Stahlfelgen mit Plastikradkappen. Das konnte nicht falsch sein, befand Product Manager Sascha Voss, aber es ist falsch. Denn Schmidt erwarb einen GSi als Sondermodell Champion, und das trug stets 15-Zoll-Alus im Kreuzspeichendesign. Shit happens…! Auf den Fotos ist das für den Champion charakteristische Seitendekor zu sehen, und das hat Norev korrekt umgesetzt. Aber eben nicht die Kreuzspeichen-Alus. Über das gläserne Hubdach kann man diskutieren (wenn man will). Schmidts Wagen hatte eines, das Modell nicht, Der Aufwand, es zu realisieren, wäre zu groß gewesen.

So ganz dem Original entspricht der prominente Kadett also nicht, das Loch im Dach fehlt, die Felgen entsprechen nicht dem Vorbild. Dafür trägt er das korrekte Auslieferungskennzeichen und Norev modifizierte die Formwerkzeuge, um „Nebler“ nachzubilden. Es ist auf jeden Fall ein schwarzer Kadett E GSi Champion, und die Stahlfelgen mit Plastikradkappen könnten immerhin die Winterräder darstellen. Ob nun 100 Prozent Schmidt oder nur 80 Prozent Schmidt – Norev hat einen attraktiven Kadett geschaffen, für Schmidt-Fans interessant, in jedem Falle für Opel-Fans spannend. Denn das Sondermodell Champion gab es bislang noch nie.

afs (mit Dank an Leif Rohwedder, Leiter Opel-Classic)

Schwarzer Kadett E GSi Champion, nunmehr mit Nebelscheinwerfern und Schmidt’schem Kennzeichen. Norev hat sich bemüht, das Modell zu schmidten, aber hundertprozentig gelungen ist es nicht.
Modellfotos: bat
Nicht restauriert, aber hervorragend aufgearbeitet: Helmut Schmidts Kadett hat überlebt und ist nun Bestandteil der Opel-Classic-Sammlung. Manchmal wird er zu Events herausgelassen. Oder wenn Journalisten um eine Probefahrt bitten.
Foto: Opel-Classic
So sollten die Felgen aussehen. So sehen sie am Modell aber nicht aus.
Foto: Opel-Classic
Eigentlich passte Helmut Schmidt mit 69 Jahren nicht in einen Halbstarken-Kadett. Welcher Teufel ihn 1991 ritt, einen Kadett GSi zu kaufen, ist nicht überliefert. Ein Omega hätte ihm besser gestanden. Oder ist das schon wieder Klischeedenken…?
Foto: Archiv afs

Steckbrief:

Norev 183617 Opel Kadett E GSi Champion 1991 Helmut Schmidt. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 74,95 Euro.