Wyborowa-Wodka macht breit
Alpina hat den BMW E9 breit gemacht. Und der Hauptsponsor des BMW bei den 24 Stunden von Spa 1973, Wodka Wyborowa, macht auch breit. Nicht die Piloten Cox Kocher und Walter Brun, zumindest nicht während des Rennens. Aber vielleicht nach ihrem Ausfall wegen Motorschadens. Minichamps erinnert an das „Batmobile“ mit Wodka-Werbung.
Wodka war ostdeutsch. Wodka kam erst nach der Wende ins wiedervereinigte Deutschland, zumindest mit Breitenwirkung. Eine Kartoffelschnapsmarke hingegen war der Türöffner in die alte Bundesrepublik: Die Westdeutschen waren ab Michail Gorbatchovs Perestrojka und Glasnost große Gorbatchov-Fans, weil er aus schierer Geldnot den Kalten Krieg beendete – Ronald Reagans Aufrüstung hatte die Sowjetunion schlichtweg in den Ruin getrieben. Die bundesrepublikanischen Deutschen skandierten „Gorbi, Gorbi“ und begannen, deutschen Wodka Gorbatschow zu trinken. Plötzlich schmeckte ihnen das, und sie konnten den Markennamen aussprechen. Dass der Firmengründer der seit 1921 in Berlin bestehenden Wodka-Marke nichts mit „Gorbi“ zu tun hatte, störte nicht. Der Werbeslogan „Des Wodkas reine Seele“ wurde zum geflügelten Wort. Aber der Wodka Gorbatschow war nicht der einzige, in Westdeutschland erhältliche Kartoffelschnaps. Der polnische Wodka Wyborowa (seit 1823) wurde ab 1873 exportiert, war ab 1927 die erste internationale Wodkamarke und eroberte alle westeuropäische Märkte, auch Deutschland.
Die Hochprozenter-Marke engagierte sich sogar im Rennsport. Der nahezu ungesponserte Alpina-BMW 3.0 CSL der beiden Schweizer Hans-Rudolf „Cox“ Kocher und Walter „Walti“ Brun trug nur sehr wenige Aufkleber auf seiner weißen Haut: vier Mal Wodka Wyborowa, dazu ein bisschen Chevrol, Martini und Firestone. Das war’s! Er sieht fast aus wie ein Rennsportwagen im Auslieferungszustand, bevor er vom Team oder dem Privatier gestaltet wird. Reines Chamonixweiß, der Heck- und der Dachkantenflügel in knalligem Orange, der untere Teil des Frontspoilers auch, darüber ein schwarzer Streifen. Und dann eben noch die Rennnummer 20. Die beiden Schweizer starteten damit bei den 24 Stunden von Spa am 22. Juli 1973, kamen aber nicht ins Ziel, ein Motorschaden. Der war drei Wochen später behoben, im selben Wagen erreichte das selbe Duo bei den 4 h von Zandvoort den fünften Platz, Anfang September bei den sechs Paul-Ricard-Stunden Rang 4 und Ende September 1973 bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man Platz 7. In Le Mans und bei den 6 Stunden vom Nürburgring traten die beiden 1973 auch an, in einem anderen BMW E9 (silbern mit roten Akzenten), das waren Nullnummern wie Spa. In Spa siegte übrigens ein BMW 3.0 CSL, Quester/Hezemans im Werksauto vor Capri und Commo. Überschattet war das Rennen von zwei fatalen Unfällen, in deren Folge Alpina und Alfa Romeo ihre Wagen zurückzogen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Kocher/Brun ihren Ventilschaden bereits erlitten. Sonst wären auch sie Opfer des Alpina-Rückzugs geworden. Sie hätten Spa also so oder so nicht beenden können.
Der 1973er BMW 3.0 CSL in Rennsportausführung, also das „Batmobile“, von Minichamps ist ein sattsam bekanntes Modellauto, das es zunächst all open gab und danach sealed und dessen Stärken und Schwächen schon oft abgenudelt wurden. Die Form passt sehr gut, die Scheinwerfer leiden unter Pins und sind obendrein zu klein, dafür sind die Heckleuchten einen Touch zu groß. Aber weil es das Minichamps-Batmobile schon so lange und in so vielen Varianten gibt, hat sich der Betrachter an diese kleinen Defizite gewöhnt und kann damit umgehen. Minichamps bringt ihn nach und nach in diversen Varianten, und diese tragen unterschiedliches Räderwerk. Die meisten rollen auf BBS-Felgen, nicht aber der Wodka-BMW. Da wir in Sachen historischer Motorsport selbst keine Hochleistungssportler sind, scheitern wir an der Benennung des Felgenherstellers. Rennsportfelgen hatten schließlich (zumeist) keine Straßenzulassung. Auf den ersten Blick denken wir an Penta, aber deren Stege und Vertiefungen sind genau umgekehrt zu den Minichamps-Felgen. Ähnlich sehen auch JDM-Felgen aus, aber eben nur ähnlich. ATS Classic? Auch nur ähnlich und obendrein für den Motorsport zu schwer. Es werden schon irgendwelche, speziellen Magnesiumfelgen sein, womöglich nicht mal made in Germany… Vielleicht bringt ein motorsportaffiner Caramini-online-Leser Licht ins Dunkel unseres Nichtwissens.
Nach wie vor ist der alte Minichamps-BMW ein sehr schönes Modellauto, und je länger es ihn gibt, desto größer sind die Chancen auf weniger populäre, „nischige“ Varianten wie eben diese Neuerscheinung. Der Wagen trägt so wenige Sponsorenaufkleber, dass er eigentlich auch einem Sammler von Straßenautos gefallen müsste. So manches, von einem Privatmann in den 70ern aufgemotzte Straßenauto trug mehr Aufkleber als der BMW der Herren Kocher und Brun. Damals mag das für die beiden ärgerlich gewesen sein, denn Sponsoren bedeuten Geld. Heute ist es für den Sammler positiv, denn einen so ruhig gestalteten Langstreckenrennen-Teilnehmer haben wir lange nicht gesehen. Und trösten wir uns damit, dass Herr Kocher und Herr Brun mit Sicherheit ein paar Kisten Wodka Wyborowa erhalten haben. Wodka Wyborowa macht breit, so breit Alpina den BMW E9 durch seine Kantenkotflügel gemacht hat.
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Minichamps 155732620 BMW 3.0 CSL E9 „Batmobile“ 24 h Spa 1973 (# 20, Cox Kocher/Walter Brun). Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 129,95 Euro.