Basta, Signori!
Ein spektakulärer Trackday-Diablo, der letzte brutale Lamborghini-Rennwagen: AUTOart macht den Diablo GTR, ein leidenschaftliches Auto, Lärm und Legende. AUTOart hatte ihn schon einmal im Programm, ein Diecast-Modell. Nun kommt er als völlige Neukonstruktion und in Composite-Bauweise.
Es gab Zeiten, noch nicht lang ist es her, da waren AUTOart-Neuheiten, die nicht im Zeichen des Stiers standen, fast schon die Ausnahme. AUTOart war Lamborghini. Aktuell stehen zwar einige moderne Lambos bei AUTOart auf der Warteliste, teilweise schon furchtbar lange, und womöglich werden sie gar nicht mehr modern sein, wenn sie erscheinen (Stichwort: Jesko). Aber mit Ausnahme des historischen Miura SVR Jota hatten wir in diesem Jahr noch gar keinen neuen AUTOart-Lambo. Und 2024 auch nur einen, den Diablo SE30 Jota. Für jene, denen die vormalige Lamborghini-Schwemme zu viel war, bedeutet dies eine willkommene Verschnaufpause. Wer sich an seine paar neuen AUTOart-Lambos pro Jahr gewöhnt hatte, bedauert die Zurückhaltung. Jedenfalls vermelden wir nun mal wieder einen neuen Lamborghini von AUTOart, den Diablo GT-R. Also endlich mal wieder ein moderner Lamborghini! Modern? Alles eine Frage der Perspektive. Für den einen ist jeder Lamborghini, der nach dem Countach erschien, modern. Der andere subsumiert den Begriff des „modernen Lamborghini“ unter das Design mit der nach vorne gezogenen Fahrerposition, gepaart mit einem kaum vorhandenen Vorbau. Und der Dritte sagt ganz einfach: Ein moderner Lamborghini ist ein Lamborghini, der unter der Volkswagen-Ägide erschienen ist, also nach 1998. Nicht jede dieser Thesen trifft auf den Diablo zu (er ist 1990, bevor Lamborghini zu einem VW-Produkt wurde, als Countach-Nachfolger erschienen). Dennoch: Ein Diablo ist ein moderner Lamborghini. Basta, Signori!
Er heißt nicht GT. Er heißt GTR. Das R ist der sportlichste aller Buchstaben, in allen Sprachen. Nicht wegen seiner Schreibweise. Die ist sogar richtig unsportlich, denn nach dem oberen Halbrund muss die schreibende Hand geradezu einen Boxenstopp einlegen, um den Schrägstrich nach unten zu vollziehen. Nein, sportlich ist das R wegen seiner Aussprache. Die ist irgendwo zwischen knurrend und röhrend, und die Bayern können es am schönsten rollen. Es kann wie ein hochgezüchteter Motor klingen, und im Extremfall ist das R ein Rooooaaaaahr, wie das Brüllen eines Lamborghini-Stiers. Wenn ein R zu einem Auto passt, dann zu einem Lambo: Roooooaaaaahr!
Rennwagen für die Straße
Werksrennen, Werkscups, Markenpokale – ein probates Mittel zur Kundenbindung. Renault machte schon in den 70ern den Renault-5-Cup, Lamborghini die Supertrophy ab 1996 und andere tun es auch. Lambo hatte dafür den Diablo SVR kreiert, ab dem Jahre 2000 abgelöst vom GTR. Der basierte auf dem bis dato leistungsstärksten Diablo, dem GT, und überflügelt ihn mit 590 PS um deren 15. Lamborghini modifizierte den Chassisrahmen und integrierte einen Überrollbügel (auch der Heckflügel ist direkt mit dem Chassis verbunden), verbesserte das Fahrwerk, montierte Magnesiumfelgen mit Zentralmutter, eine renntaugliche Bremsanlage mit geänderten Brembo-Sätteln, einen zusätzlichen Getriebeölkühler, dazu gab es eine vereinfachte Innenausstattung mit anders positioniertem Rennsitz und Rennsportlenkrad und allerlei weitere Gewichtsreduzierungen. Hinzu kommt ein Renntank mit Schnellbefüllungssystem. Der Motor ist im Prinzip das 6-Liter-60°-V12-Serienaggregat mit spezieller elektronischer Kalibrierung und offener Auspuffanlage sowie ohne Kat, daher 590 statt 575 PS. Präsentiert auf der IAA 1999, wurden die 30 Diablo GT-R im Frühling 2000 fertiggestellt, rechtzeitig zur Supertrophy-Saison. Jeder kostete 250.000 Dollar ohne Steuern und ohne Straßenzulassung, also reine Trackday-Spielzeuge.
Die 30 GT-R röhrten, wüteten und brüllten in ganz Europa auf den bekanntesten Rennstrecken im Rahmenprogramm von GT- und Langstreckenrennen, sehr spektakulär. Der Diablo GTR hat keine wahren motorsportlichen Spuren hinterlassen, es gab kein Werksteam, es war alles mehr oder weniger Privatsache. In Le Mans oder in der FIA-GT tauchte der Wagen nie auf. Aber wer den Diablo GTR auf der Piste sah, vergisst deren Getöse im Leben nicht. Er war eine echte Ansage und avancierte zum elektrisierenden Kultobjekt, zu einer Art Fossil seiner Zeit. Er war der Letzte, bei dem es auf reine Fahrkunst ohne elektronische Eingriffe und Hilfen ankam, hier dominierte rohe Technik, das Öl schwitzte, der Fahrer auch, und Mensch und Maschine verschmolzen zu einer Einheit. Ein 2001er-Modell des Diablo GT-R sollte es nicht geben, denn 2001 war Schluss mit dem Teufel, es dämmerte die Zeit des Murciélago, moderner, kultivierter, sauberer.
Die reine Lehre
In fünf Farben bringt AUTOart den Diablo GTR, Monterey Blue, Arancio Ishtar, Impact White, Deep Black und, unser Fotomodell, Superfly Yellow, alle bereits ausgeliefert. Der AUTOart GTR ist in doppelter Hinsicht ein neues Auto. Nicht nur, dass es den Wagen bereits vor über 20 Jahren als Diecast-Modell gegeben hatte und er nun als völlige Neukonstruktion in Kunststoff („Composite“) erscheint. Er hat auch mit den bisherigen Diablo-Teufeln kaum Gemeinsamkeiten. Zu groß sind die Unterschiede zum „gemeinen“ Diablo aus dem Hause AUTOart, als dass mehr als ein paar Kleinteile von bestehenden Modellen hätten verwendet werden können. Und nicht mal die übernahm AUTOart. Es ist ein Modellauto gelungen, das die vollständige Brutalität des Vorbilds widerspiegelt, böse, geil, rattenscharf, brachial, monströs, eben teuflisch.
Natürlich gab es einen GTR bereits aus Resine, von GT Spirit, auch in Gelb (erschienen Anfang 2019), aber eben Resine und GT Spirit. Jetzt AUTOart. Die reine Lehre.
Dieser Lambo ist „volles Rohr“ – bis auf seine beiden Endrohre, die selbstverständlich nicht voll sind, sondern serienmäßig aufgebohrt. Mit den Details geht AUTOart in die Vollen, man sieht buchstäblich die Lust, mit welcher der Product Manager das Auto konfektionierte, und es ist rundweg vom Feinsten: von den meshed grills über die Sechspunktgurte bis zu den Spiegelbefestigungen und der Kombination von Stoff und Carbon im Innenraum – ganz zu schweigen vom Motorwunder mit mattgoldenen Zylinderköpfen. Der Türöffnungsmechanismus, die Haubenscharniere, die Felgen, die Schnelltankanlage – geschenkt! Alles AUTOart, wie wir es kennen, was der Erwartungshaltung entspricht und nur aus Höflichkeitsgründen erwähnt werden sollte. Es ist die Kombination von allem, was das Ganze ausmacht. Und wer den Motordeckel öffnet, liest gülden auf weißem Grund: „6.0 L V12 GTR“. Wenn das nicht glücklich macht!
afs




Modellfotos: Hans-Joachim Gilbert



Steckbrief:
AUTOart 79138 Lamborghini Diablo GTR 2000 Superfly Yellow. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP 308,95 Euro.