Aus dem Vollen gemeißelt
Mit pfundigem Auftritt sorgt der neue BMW M5 für adipöse Präsenz in der Realität und allerlei virtuelle Diskussionen. Das Solido-Modell wird ihm in Sachen Auftritt gerecht, in Sachen Gewicht nicht. Die Vitrinennachbarn sollten sich ganz schüchtern wegducken.
Standesgemäß auf dem Goodwood Festival of Speed präsentierte BMW den aktuellen M5 der Generation G90 der Öffentlichkeit, zu kaufen seit November 2024, und endlich wieder ein Touring auf M5-Basis. Solido entschied sich für die Limousine in 1:18 (und in 1:43). Erstmals erhält der 4,4-Liter-V8 Unterstützung durch einen Elektromotor, insgesamt also 727 PS gegenüber 600 PS beim Vorgänger. Aber weil die Batterien schwer sind und das ganze Auto schwer machen und das Auto obendrein gewachsen ist, sind die Fahrleistungen schlechter geworden. Egal, Hauptsache Isle of Man Green Metallic, die Launch-Farbe, die Vorzeigefarbe, die Identitätsfarbe – wird sich angesichts des Solido-Super-Preise von 45 Euro bestimmt supergut verkaufen. Gleichsam: Wer ihn hat, ist nie allein.
Der M5 wurde vor seinem Erscheinen mit vielen Vorschusszitronen beworfen (damit meinen wir das Gegenteil von Vorschusslorbeeren und haben einen neuen Ausdruck erfunden): Adipositas lautet der Vorwurf bei 2,5 Tonnen Geburtsgewicht. Das M5-Bashing ging so weit, dass sich selbst die M GmbH genervt zeigte und deren Chef Frank von Meel sich verärgert in die Diskussion einschaltete. Immerhin machte dies alles das Auto äußerst interessant. Natürlich wiegt der zusätzliche Elektroantrieb alleine 400 Kilo. Gleichsam sollen die Fans doch froh sein, dass es den M5 überhaupt noch mit Verbrennermotor gibt. Aber die Optik wirkt eben auch ziemlich massig (Design 5er G60: Anders Thøgersen, daraus den M5 machte José Casas). Das Wissen um die Physik plus der optische Eindruck sind es, welche die Fettsuchtdebatte beflügelten.
Das Modell hat ein normales Solido-Gewicht, besteht aus einer Zinkdruckgusskarosserie und alles andere ist aus Kunststoff. Unsere unbestechliche Digital-Küchenwaage spricht von 870 Gramm. Das ist wenig für einen 18er und spricht eben für die typische Solido-Budget-Machart. Aber die Optik teilt das Modell (glücklicherweise) völlig mit dem Original, also auch dessen Massivität, Panzerhaftigkeit und seine Widebodyzität – somit seine ganzheitliche Präsenz (der Große im Straßenverkehr, der Kleine in der Vitrine). Ja, das ist schon ein wenig unwirsch, und wer den Solido-M5 nicht unter seinesgleichen stellen mag, sondern neben irgendetwas anderes, der führt herbei, dass sich dieses Andere fürchtet. Es ist mehr gefühlte als reelle Furcht – in der Vitrine ebenso wie im Stadtbild. Und auf der Straße ist es ja auch weniger die Furcht vor dem Auto als eher vor seinem Fahrer.
Gleichsam: Das Solido-Modell sieht so rattenscharf und affengeil aus wie das Vorbild, obendrein ist der Erstling Isle of Man Green, und das Original hat dem Modell lediglich das Carbon voraus, das Solido zugunsten schwarzen Lacks einspart. Bis auf das Dach, das ist carbonisiert. Und dann noch die Felgen, diese kuriosen Rosetten, bei denen manche an Kirchenfenster denken, andere an vielbeinige Insekten, aber kaum jemand an automobiles Räderwerk. Auch das hat Solido prima hinbekommen – und das für 45 Euro.
afs



Modellfotos: bat

Foto: Alexander Migl
Steckbrief:
Solido S1814701 BMW M5 G90 2024 grünmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 44,95 Euro.