Für die lieben Kleinen
Neue Farbe für den Citroën CX Familiale von MCG, ein typisches 70er-Jahre-Grünmetallic. Damit kann die kinderreiche Familie reisen wie Gott in Frankreich. Rechtsrheinisch wäre sie im Transporter unterwegs, wie der Handwerker in Deutschland. Der MCG CX ist nicht neu, aber er ist nach wie vor gut.
In einen Kleinwagen passen vier Leute, in einen Normalen deren fünf. Also Papa, Mama und drei Kinder. Was tut die Familie mit gebährfreudiger Mutter, wenn sie deren mehr als drei Kinder und dennoch den Willen zu automobiler Fortbewegung hat? In Deutschland einen VW Bus kaufen, somit also Lieferwagen fahren. In Frankreich war das schon immer anders. Da gab es die Kategorie der Familiales. Das waren die großen Kombis auf Limousinenbasis, die es nicht nur mit hinterem Laderaum gab (dann hießen sie Break), sondern auch mit einer fest installierten, dritten Sitzbank, also die Familiale-Version. Da saßen Papa und Mama vorne, auf der Rücksitzbank drei Kinder und ganz hinten konnten nochmals zwei Platz nehmen. Ein Peugeot 504 oder 505 Familiale respektive ein Citroën DS oder CX Familiale bot also Platz für sieben Personen – genau so viel wie ein VW Bus, aber eben in Form eines Personenwagens. Die Deutschen benötigten lange, bis auch ein Mercedes eine dritte Sitzbank hatte – und die war zunächst so notdürftig konzipiert, dass zwei Kleine entgegen (!) der Fahrtrichtung sitzen mussten, in die Vergangenheit blickten und ihnen regelmäßig schlecht wurde.
In der Form des Familiale macht MCG seinen CX Kombi, mit dritter Sitzbank. MCG variiert die Ausstattungen und Modelljahre im Rahmen des Möglichen, also des CX Kombi mit Chromstoßstangen, wie er zwischen Oktober 1975 und Juni 1985 gebaut wurde, und stattet die Modelle mit unterschiedlichen Außenspiegeln und wechselweise mit Stahlfelgen oder den typischen CX-Alus aus, die Michelin-TRX-Reifen tragen. Die jüngste Version ist ein eher einfach konfektioniertes Fahrzeug, ein CX Super. Super und Confort hießen die beiden Einstiegslinien (später von Reflex und Athena abgelöst), und laut Heckschriftzug handelt es sich um einen CX 2200, der im Sommer 1976 bereits von der 2,4-Liter-Variante abgelöst wurde. Also repräsentiert der MCG-Familiale ein kurzlebiges Modell zwischen Oktober 1975 und Juni 1976. MCG wählte als Farbe Vert Papyrus Metallic AC536, ein intensives, typisches 70er-Jahre-Grünmetallic, kombiniert mit mittelbraunem Interieur.
Formal ist der große Citroën ausgezeichnet gelungen, ein typisches MCG-Modell ohne jegliche Funktion, eine professionelle Ixo/Sonic-Konstruktion ohne Fehl und Tadel. Sein Aggregatzustand ist die Fahrposition. Er lungert also nicht luftleer und kraftlos am Boden und ist auch nicht voll auf Adrenalin. Sehr hübsch gemacht sind die frühen Außenspiegel im Aludesign und die typischen cremefarbenen Stahlfelgen mit kleinen Radkappen, die Türgriffe sind extra Formteile, die Dachantenne muss der Käufer mit einem Tröpfchen Kleber selbst anbringen. Die Front wirkt wegen des fehlenden Kennzeichens etwas nackt und Ixo vergaß die serienmäßig in die Vorderstoßstange integrierte Kennzeichngrundplatte. Dafür ist hübsch, dass am Heckfenster die üblichen Werksaufkleber platziert wurden („Citroën prefère Total“). Wie es sich gehört, verfügt der CX Familiale über zwei Scheibenwischer, aber anders als üblich angeordnet: einen für die Windschutz- und einen für die Heckscheibe. Innen ist alles im grünen Bereich (der Dachhimmel leider auch, der ist in Karosseriefarbe gehalten), das charakteristische Armaturenbrett mit Einspeichenlenkrad gut getroffen, auch die Sitze sehen sehr nach CX-Möbeln aus, und Farbe ist auch im Interieur: Mittelbraune Ausstattung mit schwarzem Fußboden, dazu dunkelbraunes Armaturenbrett und Volant.
Nach wie vor wundern wir uns, wie Norev, ausgestattet mit dem quasi naturgegebenem Anspruch, die französischen Automobilikonen zu miniaturisieren, den CX Kombi an MCG verlieren konnte. Norev wartete und zögerte zu lange und priorisierte anscheinend falsch – bis MCG wie ein Deus ex Machina hervor schoss und einen CX Familiale der ersten Serie präsentierte. Und Norev guckte in die Röhre. Viel schöner oder anders als die MCG-Interpretation hätte diejenige von Norev auch nicht ausgesehen.
afs


Modellfotos: bat


Foto: Matti Blume
Steckbrief:
MCG 555 Citroën CX 2200 Super Familiale 1976 grünmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 64,95 Euro.