Käfer mit Déjà-vu-Effekt
Zu 1303-Zeiten wechselte der Beigeton bei Volkswagen jährlich, und Norev wählte für seine neue 1303-Version die 1974er Farbe Saharabeige. Die nicht originale Kombination mit Weißwandreifen und Felgen in Wagenfarbe, die 50er-Jahre-Flair versprüht, erinnert an ein mexikanisches Käfer-Sondermodell.
Eigentlich ist ein Déjà-vu ein psychologisches Phänomen, es ist eine Erinnerungstäuschung. Aber landläufig wird das hübsch und interessant klingende, französische Fachwort für eine Gedächtnisstörung zweckentfremdet – und wir tun dies hier auch: Wir sehen etwas und fühlen uns daran erinnert, etwas sehr ähnliches schon mal gesehen zu haben, also eine ganz normale Erinnerung, durch einen neuen Impuls ausgelöst. Mit dem fachlichen Déjà-vu einer geteilten Sinneserfahrung hat das freilich nichts zu tun.
Am Norev-Käfer, einem 1303 der Modelljahre 1972 bis 1974, ist nichts neu außer der Farbe, nämlich Saharabeige. Das gab es zwei Mal auf der Käfer-Farbpalette, als L272 in den Jahren 1953 und 1954 sowie als L80Z nur im Jahre 1974, also zu 1303-Zeiten. Beigefarbene 1303 waren zuvor Kansasbeige und danach, in ihrem letzten Lebensjahr, Ceylonbeige. Saharabeige für den 1303 ist also durchaus nicht der häufigste aller VW-Töne auf dem 1303, auch wenn es relativ viele beigefarbene 1303 gab – aber eben in unterschiedlichen Beigetönen. Insofern also nichts Besonderes, und das Beige mit einem schwarzen Interieur zu verbinden, ist auch nichts Besonderes. Laut 1974er VW-Farbkarte hätte Saharabeige auch mit Stoff oder Kunstleder in Hellbraun („Bambus“), Dunkelbraun („Mocca“) oder Dunkelgrün („Wacholder“) kombiniert werden können.
Das Besondere der Norev-Neuheit sind die Räder – nein, nicht die Räder selbst, das sind stinknormale Kronprinz-Stahlfelgen mit stinknormaler Reifengröße 155 SR 15 (was Aufpreis kostete, der 1303 hatte noch Diagonalreifen in Serie). Die Lackierung der Felgen und die Dekoration der Reifen sind das Besondere. Der neue Norev-Käfer trägt die Stahlfelgen in Karosseriefarbe und seine Reifen werden von breiten, weißen Flanken geschmückt. Das ist mitnichten Originalzustand, hier stand ein restauriertes Auto Pate, womöglich mit Atlas-Weißwandringen, die zwischen Reifen und Felgenhorn geklemmt werden und die der TÜV radikal verbietet. In seinem ersten Produktionsjahr 1972/73 gab es auch in Europa noch Diagonalreifen mit dünnem Weißwandring als Extra, aber die Mode war längst passé, das hat kaum jemand gekauft. USA-Käfer hingegen trugen gerne White Wall Tires.
An was erinnert uns dieser Käfer nun, in Beige mit Felgen in Wagenfarbe und mit breiten weißen Reifenflanken? Ganz klar, an die Ultima Edición, das allerletzte Sondermodell des Mexiko-Käfers, bevor am 30. Juli 2003 der letzte echte Käfer in Puebla vom Band lief. Es gab zwei Farben, Aquariusblue und Harvestmoon Beige, gebaut ab 10. Juli 2003, 1500 Exemplare pro Farbe, und die Ultima Edición nahm Stilelemente der 50er Jahre auf: Felgen in Karosseriefarbe mit kleinen Chromradkappen, Reifenflanken mit breitem Weißwand, nostalgisches Wolfsburg-Wappen über dem vorderen Haubengriff, der Wagen in Harvestmoon war innen schwarz. Wer den 1303 mit Wolfsburger Zulassung, den Norev konkret nachbildet, restaurierte, orientierte sich eindeutig am beigefarbenen Ultima-Edición-Käfer. Und das meinten wir eingangs mit dem Déjà-vu-Effekt, den der neue, beigefarbene 1303 bei uns auslöste. Für den Test, ob der Effekt einer visuellen Nachprüfung standhält, suchten wir unseren Ultima Edición von Schuco in Harvestmoon heraus, im November 2013 erschienen, ein hübscher all-open-Käfer aus Zinkdruckguss. Ganz klar, der Farbton ist nicht identisch, aber die optische Wirkung der Beiden spricht eine sehr ähnliche Sprache. Zwillinge sind sie sicherlich nicht, aber Gebrüder schon.
afs

Modellfotos: bat


Steckbrief:
Norev 188537 Volkswagen 1303 1972 beige. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 69,95 Euro.