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News 1:18 Norev Mercedes 280 CE W123 Coupé 1980

Saharastaub und Sternenstaub

Ein wenig Saharafeeling in der trüben Jahreszeit: Norev bringt das Mercedes W123 Coupé in Saharagelb, einem sonnigen Unilack, gepaart mit edelhellem Interieur. Das Coupé kann im Gegensatz zur W123 Limousine und zum T-Modell gar nichts. Aber es sieht wunderschön aus.

Die Limousine und das T-Modell des Mercedes W123 von Norev sind all open, das Coupé ist sealed. Inkonsequentes Verhalten von Norev, Sparzwang, konstruktive Lustlosigkeit? Mitnichten! Die Modelle entsprangen unterschiedlicher Handlungsmotivation und haben unterschiedliche Auftraggeber. Deshalb sind sie unterschiedlich konstruiert. Das Coupé ist weit älter als es Limousine und T-Modell sind. Das liegt daran, dass dieses Modell nicht im Kooperationsauftrag mit Daimler entstand, wie die anderen Mercedes W123. Der Initialschrei kam seinerzeit von Modelissimo, der Großhändler beauftragte Norev zur Entwicklung und hatte die Miniatur anfangs exklusiv. Und Modelissimo wollte den 280 CE nun mal geschlossen und unlenkbar, auf dass er ins eigene Portfolio passte.

Natürlich kann man ein Norev-Coupé neben die Limousine und den Kombi (sorry, natürlich muss man „T-Modell“ sagen und schreiben) stellen, aber es hat weniger Details. Darum sollte es nicht daneben, sondern ein wenig dahinter stehen. Nichtsdestotrotz ein formal prächtig gelungenes Modell mit viel Silberdruckwerken, schön dekoriertem und beholztem, mehrfarbigem Interieur, klasse Barock-Alus, insgesamt eine sehr gediegene Erscheinung. Und mit 70 Euro ist das Coupé entsprechend preiswerter als die all-open-Sternenträger. Aber, wohlgemerkt, es kann gar nichts außer rollen: nichts öffnen, nicht lenken, nicht federn. Dafür hat es, weil eine ältere Konstruktion, auch nicht den zweidimensionalen, fotogeätzten Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill, gegen den wir gebetsmühlenartig anschreiben, sondern einen vorbildlichen Stern aus gegossenem und anschließend verchromtem Kunststoff, also einen dreidimensionalen Mercedes-Stern (der es obendrein aushält, dass man ihn anfasst). Und dass der hintere Antennenstummel Teil der Gussform ist und eben aus einem silbernen Punkt besteht, hat auch seine Vorteile. Die Limousine weist, viel elaborierter, einen separaten Sockel auf, in dem eine ausgefahrene Antenne steckt. Sieht toll aus. Aber irgendwie schaffen es unsere W123er immer, diese Antenne zu verlieren. Das ist zwar nicht schlimm für die Optik, denn die Antenne könnte ja eingefahren sein. Aber wir wissen, dass etwas fehlt, und alleine dieses Wissen bedeutet ein Defizit. – So kann man Einfachheit schön reden!

Schön ist das Coupé in seiner aktuellen Farbe, nichts für Jeansträger, Wochenend-Baumeister und Kleingärtner. Das Interieur ist so edelhell, inklusive des (nicht beflockten) Fußbodens, dass man es am besten gar nicht mit Straßenschuhen besteigt. Das Armaturenbrett und die Mittelkonsole natürlich schwarz und bezebranoholzt. Zebrano- statt Wurzelholz, weil Norev das Modelljahr 1980 nachbildet, und Ende 1979 erlebte der W123 eine kleine Überarbeitung (W123-Insider sprechen von der „Serie 2“): kleineres Lenkrad, modifizierte Kopfstützen, Leuchtweitenregulierung vom Innenraum aus, neue Außenfarben, kleinere Interieursänderungen, neue Symbole an den Armaturen, Fahrzeuge mit Velourspolsterung erhielten einen Velours- statt eines Tufting-Teppichs. Was von vielen Kunden, auch Fachjournalisten, zu diesem Zeitpunkt erwartet worden war, trat nicht ein. Der W123 behielt seine traditionellen Nirosta-Radkappen und teilte nicht die Plastikabdeckungen mit der neuen S-Klasse W126. Das hielt aber die Fahrer nicht davon ab, reihenweise Plastikradkappen zu montieren, entweder originale vom W126 oder solche im W126-Stil, im Zubehörhandel erhältlich und natürlich nicht mit Mercedes-Stern versehen. Mit solchen Banalitäten hatte sich der Fahrer des saharagelben Coupés nicht zu befassen. Er votierte für die klassischen Fuchs-Aluräder, die „Barockfelgen“. Saharagelb 673 gehört übrigens nicht zu den neuen Farben ab 1980, sondern war während des kompletten W123-Lebens erhältlich, von 1976 bis 1983. Den 1980er-Farbwechsel nicht überlebten Gelb sowie Ahorn- und Mimosengelb, neu hinzu kamen hingegen Helios- und Weizengelb.

afs

Ein Mercedes Coupé war stets weniger Alltagswagen, sondern eher ein Sonntagsfahrzeug. Wenn der Viertürer unter der Laterne parken musste, so hatte das Coupé eine Garage. Wenn der Viertürer in der Salzlake unterwegs war, so hatte das Coupé Winterpause. Oftmals ein gediegener Zweitwagen.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Norev 183985 Mercedes 280 CE W123 Coupé 1980 Saharagelb. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 69,95 Euro.