Vom Ponyauto zum Muskelauto
Die Antwort auf die Frage nach dem typischen Muscle Car dürfte in den meisten Fällen lauten: der Plymouth Barracuda und der Dodge Challenger. Letzterer dürfte mehr Stimmen auf sich verbuchen, weil es ihn eben heute erneut gibt und er die Muskel-Tradition hoch hält. Aber eines ist sicher: Muscle Cars werden mit dem Chrysler-Konzern verbunden, mit Mopar, mit dem Pentastar.
Der Plymouth Valiant war ein für US-Verhältnisse mittelgroßer Wagen, dessen sportliche Coupéversion namens Barracuda dem Ford Mustang Paroli bieten sollte und dies mit Einschränkungen auch schaffte. Der Barracuda wurde also als Vertreter der Pony Cars geboren, und er kam sogar zwei Wochen vor dem Mustang auf den Markt, am 1. April 1964. Die zweite Generation, der Mode entsprechend im Coke-Bottle-Design, lebte von 1967 bis 1969, nunmehr optional der Chrysler-6,3-Liter-V8-Bigblock. Ein Muscle Car war er aber trotzdem noch nicht.
Zum Muscle Car avancierte die dritte Barracuda-Generation 1970 bis 1974, ein völlig neues Auto mit völlig neuem Design von John Herlitz, und weil dieser damit einen Volltreffer landete, durfte der Sohn schwedischer Einwanderer auch den Plymouth Road Runner und den GTX für 1971 zeichnen. Der Barracuda war nun ein eigenständiges Fahrzeug ohne Valiant-Anleihen, Stufenheck-Coupé und Cabriolet. Sein technischer Bruder war der Dodge Challenger, und der teilte mit ihm zwar die Technik und auch die Optik, aber dennoch nicht ein Karosserieblechteil. Beider Motorraum war größer als zuvor, sodass nun sogar der 7-Liter-Hemi-Bigblock hineinpasste. Die beiden Sechszylinder waren Alibimotoren für sportliche Hausfrauen (so dachte man damals!). Ein Barracuda musste ein V8 sein: 5,2, 5,6, 6,3 und 7,2 Liter entweder mit Doppel-Registervergaser oder mit drei Doppelvergasern, darüber rangierte die 7-Liter-Hemi-Maschine, die Topmodelle mit Fahrwerksverstärkungen und der Typbezeichnung ’Cuda statt Barracuda. Mit der Hemi-Maschine (offiziell 431, tatsächlich um die 500 PS) brauchte der ’Cuda 13,4 Sekunden für die Viertelmeile – dieser Wert war damals so wichtig wie heute die Umrundungszeit der Nürburgring-Nordschleife – und beschleunigte dabei auf 173 km/h. Ixo macht den 1970er Barracuda in Topform, also den Hemi, kenntlich an dem schwarzen Seitenstreifen mit „Hemi“-Logo. Der Lack ist ein nicht unübliches Uni-Rot, was laut Plymouth zu den „High Impact Colours“ gehört und den schönen Namen Moulin Rouge trägt. Übrigens: Das heute beim Dodge Challenger populäre Tor Red war schon damals für den ’Cuda erhältlich. Und noch ein Übrigens: Simca in Frankreich war damals bereits Bestandteil von Chrysler und hieß offiziell Chrysler-France, und das Werksteam unter Henri Chemin setzte Hemi ’Cudas zwischen 1970 und 1973 in der französischen Tourenwagenmeisterschaft ein.
Ixo spricht von einem 1970er Barracuda, macht aber tatsächlich einen Hemi ’Cuda. Nun sollte man meinen, der Ixo-Barracuda habe seinen Ursprung, wie alle anderen derzeit aktuellen Ixo-Amis, in der französischen Kioskserie American Cars. Hat er aber nicht! Noch nicht. Die seit 2021 erfolgreich laufende Serie ist noch lange nicht zu Ende (auch wenn sie derzeit immerhin bei Nummer 128 angelangt ist), und der Plymouth wird sicherlich eines der kommenden Modelle sein. Immerhin erscheint er zuerst als Fachhandels-, und danach als Kioskmodell. Die Machart ist wie immer, nämlich sehr gut, klasse Felgen in Mattschwarz mit Chromaußenrand, diesmal keine weiße Reifenbeschriftung, dafür eine eindrucksvolle Hutze auf der riesigen Motorhaube, hinten ein mattschwarzer Spoiler, Stoßstangen, Grill und Heckblech ebenfalls mattschwarz, innen freilich auch (aber das wohl eher aus Kostengründen), natürlich die doppelten runden Rückleuchten, hübsche, aufgesetzte Sportaußenspiegel in Karosseriefarbe – macht ganz schön was her, der Hemi ’Cuda!
afs


Modellfotos: bat

Foto: Mr.choppers
Steckbrief:
Ixo CLC592N Plymouth Hemi ’Cuda 1971 rot. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP 24,95 Euro.