Unser aller VW T2b
Gibt es genügend VW Bulli T2? Ist Platz für einen weiteren? Erste Frage: nein. Zweite Frage: ja. KK-Scale macht einen VW T2b, zunächst als Bus, Lieferwagen sind bereits am Anrollen. Ein willkommenes Modell, denn der T2b ist bisher in 1:18 völlig unterrepräsentiert.
Am T2a hat sich Schuco abgearbeitet, alle möglichen Varianten, ein prima gemachtes all-open-Modell. Einen T2a Pritschenwagen gibt es als Budgetmodell von Solido. Und den T2b? Nun ja, in 1:12 recht schön von Ottomobile in Resine, in 1:18 bislang nur von Greenlight, zweifellos hübsch, aber nicht allzu verbreitet und obendrein kein „normaler“ Bulli, sondern ein Film-Schauspieler (Field of Dreams, Little Miss Sunshine – kennt bei uns kaum jemand!). KK-Scale gibt Vollgas: Etliche zweifarbige Varianten, wahlweise mit Fuchs-Felgen à la 911er, dann kommen Lieferwagen, neutral und in unterschiedlichen Porsche-Rennservice-Livrées – KK-Scale-Inhaber Martin Kosmann weiß ganz genau, dass er damit einen Bestseller im Angebot hat, den er bis zum Gehtnichtmehr ausschlachten kann. Hoffentlich ließ er die stählernen Werkzeugformen gut härten, damit sie unter dem Ausstoß nicht zu sehr ächzen und die Segel strecken. Denn diese Werkzeuge sind zur Schwerstarbeit verdammt: Wohl kaum ein Fahrzeug ist in so vielen Beschriftungs- und Farbvarianten denkbar wie der VW T2b. Jeder Handwerker, jede Firma, jeder Konzern, jede Polizeidienststelle, jede Feuerwache, jede Rettungsorganisation hatte einen T2b, der T2b war immer und überall – und kein Deutscher, Österreicher oder Schweizer über 40 hatte während seines Lebens nicht irgendeinen Kontakt mit dem VW T2b. Der Kontakt des Verfassers dieser Zeilen mit dem T2b war in Natooliv lackiert, hatte ein Y-Kennzeichen und wurde während meiner Dienstzeit vom T3 abgelöst. Ich fuhr den T2b lieber. Er war handlicher. Er erinnerte mich eher an meinen damaligen VW Käfer.
Was ist er, was ist er nicht? Ein Volkswagen T2b, also die überarbeitete Version mit Kastenrahmenstoßstangen („Eisenbahnschienen“), unter der Windschutzscheibe platzierten Blinkern und großen, rechteckigen Heckleuchten. Das ist offensichtlich und unterscheidet ihn vom Schuco-Modell, das einen T2a darstellt. Er ist befenstert, aber kein Kombi, sondern ein Bus. Aber kein Luxusbus, also kein Bus L, weil er keine Chromstoßstangen und keine seitlichen Zierleisten trägt. Das Baujahr: Der außen liegende Tankverschluss identifiziert ihn als ab 1974 gebaut, die verchromten Heckklappen- und Motorklappenschlösser als vor 1976, somit Baujahr 1974/75. Den Bus gab es auf Wunsch zweifarbig, beim KK-Scale-Modell ist die Zweifarbigkeit aufpreisfrei. Das Dach ist in Pastellweiß L90D gehalten, das Blau entspricht am ehesten Ozeanicblau L57H, das es für den Bus zwischen 1976 und 1979 gab – also um ein Jahr daneben. Das darf man nicht päpstlicher als der Papst sehen, zumal sich der T2b während seiner kompletten Bauphase August 1972 bis Juli 1979 optisch kaum änderte. Innen ist der Bus einfarbig schwarz, sieht nach Kunstleder Schwarz 50 aus, was zum Vorbild passt.
Und wie ist er? Gut ist er geworden, der KK-Scale-T2b. Wer die Form als „Schuhkarton, an dem man nichts falsch machen kann“, abtut, liegt falsch. Auch der T2 hat ein Design, und das stammt, wie die komplette Konstruktion, von Gustav Mayer, dem damaligen Leiter der Nutzfahrzeugentwicklung. Da kann ein Modellkonstrukteur, wenn er nicht aufpasst, so einiges falsch machen. Aber am KK-Scale-Modell ist nichts falsch, alle Dimensionen sind korrekt, die Proportionen sind passend, die Details gut. Ein bisschen schade ist, dass das frontale VW-Zeichen nur aufgedruckt und nicht zweidimensional graviert ist. Aber womöglich steckt Sinn dahinter: Einzelne Varianten mit Frontbeschriftung brauchen hier Druckfläche, da würde ein graviertes Logo stören und ein separat eingesetztes wäre wohl zu teuer. Viele nette Details: Die gelochten Stahlfelgen mit Chromradkappen, die korrekten Außenspiegel, die Leuchten sind gut, die Scheiben haben eine schwarze Umrandung (Fenstergummi), wo es schwarz sein muss, und eine silberne (Zierleiste), wo diese hingehört, und die Einlässe der Innenraumentlüftung am hinteren Fensterpfosten sind ebenfalls geschwärzt.
KK-Scale hat den T2b Bus momentan in den Farbvarianten Blau/Weiß und Gelb/Weiß sowie als Porsche-Renndienstfahrzeug in Rot/Weiß, jeweils mit Serienstahlfelgen oder mit Porsche-Fuchs-Felgen im Angebot. Die Lieferwagen, ausschließlich mit Serienfelgen: neutrales Hellgrau sowie als Porsche-Renndienst in Dunkelrot sowie im Porsche-Martini-Livrée in Silber und in Weiß. Diese Renndienst-Farben sind nicht alle chronologisch vorbildgerecht. Näheres darüber, wenn die Lieferwagen auf dem schwarzen Schreibtisch stehen.
afs




Modellfotos: bat

Steckbrief:
KK-Scale 1364 Volkswagen T2b Bus mit Stahlfelgen 1974 blau/weiß. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 79,95 Euro.