Doppelter Genierstreich
Der BMW Z3 war ein Geniestreich, konstruktiv einerseits und andererseits, weil BMW den Wagen vor Serienbeginn als James-Bond-Fahrzeug platzieren konnte. Obendrein ist er ein bildhübscher Roadster. Minichamps bringt ihn nun als Achtzehner in sealed-Bauweise – von außen sehr schön anzusehen, aber mit einem lieblosen Interieur.
Es war ein absoluter Genierstreich. BMW schaffte es, seinen neuen Roadster noch vor Produktionsbeginn im James-Bond-Film Golden Eye zu platzieren. Bond fuhr hierin erstmals einen BMW, wenngleich nur in zwei eher kleinen Szenen (den Filmleuten standen nur zwei Prototypen zur Verfügung, die geschont werden mussten). Das wurde danach gleich zwei Mal Usus: In Der Morgen stirbt nie der 750 iL E38, danach in Die Welt ist nicht genug ein Z8. Danach stellte Aston Martin, schäumend vor Wut über die deutsche Einmischung in urbritische Angelegenheiten, die alte Ordnung wieder her. Aber den Z3 im „Goldenen Auge“ unterzubringen, noch bevor irgendwer das Auto kannte, war Product Placement vom Feinsten. Außen Atlantablau Metallic, innen helles Leder in Beigebraun, ein schönes Auto, das die Bond-Cineasten da zu sehen bekamen. So steht er heute noch im BMW-Museum. Und in dieser Farbe konnotiert der Fan dieses Auto. Minichamps auch. Und bedient diese Fans mit dem Erstling in Atlanta Blue – obgleich: Wer wahrer Fan ist, hat seit 1996 genau dieses Modell in all-open-Bauweise, damals von UT hergestellt. UT ist die Abkürzung von Unique Toys und war die Firma von Kevin Kwan aus Hongkong, zunächst von Minichamps importiert, dann ab 1998 von AUTOart, und diese beiden Hersteller gerieten deswegen sogar in Streit – lang ist’s her und heute nicht mehr relevant.
Der Z3 an sich war ebenfalls ein Geniestreich. Und er wäre nie erschienen, wenn es nicht zuvor einen Mazda MX-5 gegeben hätte. Der kam schon 1989, überraschte durch seinen durchschlagenden Erfolg sämtliche Mitbewerber und sorgte für „Trittbrettfahrzeuge“. Mazda wiederbelebte mit seiner modernen Adaptation den traditionellen britischen Roadster. Zuvor hatten die Hersteller weltweit beim Thema offene Autos an Sicherheit beim Crashtest gedacht und bauten, für den Fall eines Überschlags, Targas und Autos mit Überrollbügel. Und dann kam Mazda mit einem knackigen, geilen, sexy Roadster, klein, niedlich, sportlich, lustvoll. Er verkaufte sich besser als warme Semmeln, und alle anderen kopierten flugs das Prinzip. Weil sie völlig überrascht wurden und bei Null anfangen mussten, dauerte es eine Weile. Aber dann kamen sie alle, BMW mit dem Z3, Mercedes mit dem SLK, MG mit dem MG F, Fiat mit dem Barchetta und so weiter und so fort. Viele davon wurden ohne Nachfolger wieder eingestellt, der Z3 mutierte zum Z4 – aber der Mazda MX-5 ist bis heute ein munterer Geselle, seit 2015 in vierter Generation, 2023 gefaceliftet. Der BMW M4 hingegen, also der Epigone des Z3, war zuletzt als G29 ein Gemeinschaftsprojekt mit Toyota und wurde im Mai 2026 still zu Grabe getragen; derzeit wird die Final Edition verkauft. Das Original, der Mazda, war vor allen anderen da und überlebte alle anderen.
In 1:43 selbstverständlich, in 1:18 neu
In 1:43 war der Z3 bei Minichamps eine Selbstverständlichkeit, und in der kurzlebigen James-Bond-Edition von Minichamps gab es ihn 2004 auch als James-Bond-Modell in Hellblaumetallic. In 1:18 hingegen ist der Z3 eine völlige Minichamps-Neuheit, und wie den vor kurzem präsentierten Z8 (Caramini-online vom 3. April 2026) entschied sich Minichamps auch hier zur sealed-Bauweise, lenkbare Vorderräder als einzige Funktion, keine Federung.
Formal sehen wir keine Defizite, bis auf zwei Inkorrektheiten am Heck: Die Abschlüsse der Heckleuchten zur Fahrzeuginnenseite sollten leicht schräg stehen, sind beim Modell aber völlig aufrecht gehalten, und das Original hat nur links auf dem Stoßfänger eine Klappe, hinter der sich die Abschleppöse verbirgt, nicht aber zwei symmetrische wie am Modell – wobei diese phantasievolle Symmetrie der Optik gut tut. Die Zeiten formaler Ausrutscher bei Minichamps (erinnert sei vor allem an den Mercedes 190 E W201 oder den missratenen Heckabschluss beim BMW Dreier E30) sind vorbei, und mit Petitessen lässt es sich leben. Minichamps macht den Ur-Z3 (Design Joji Nagashima) von Frühjahr 1996 bis Sommer 1999, die Vierzylinderversion mit 1,8 Litern und 115 PS oder 1,9 Litern und 140 PS (also wäre eine James-Bond-Version möglich). Aus Minichamps-Sicht handelt es sich um ein Budgetmodell, aber die Seitenblinker und die dritte Bremsleuchte sind glücklicherweise separate Teile, und an der Außendekoration hat Minichamps auch nicht gespart. So tragen die mattschwarzen Türgriffe ein silbernes Pünktchen für das Türschloss, ebenso ist das Kofferraumschloss ausgeführt, auch die erhabenen BMW-Logos sind schön gestaltet und gut bedruckt. Dem Heckschriftzug würden wir eine Chromfolie statt eines Druckwerks wünschen. Der Bauch des Autos ist ein solcher, einfach gehalten und kaum erwähnenswert, immerhin mit einer Kardanwelle versehen, was bei heckgetriebenen BMW aus dem Hause Minichamps nicht immer selbstverständlich ist.
Am schwächsten ist der Minichamps Z3 im Innenraum. Dieser ist gut konstruiert, keine Frage. Aber er ist völlig lieblos gestaltet: rudimentäre Bedruckung der Armaturen und einiger Schalter, BMW-Logo auf der Lenkradnabe, zwei rote Pünktchen für die Gutschlösser. Ansonsten alles in trübstem Schwarz. Und was für ein Schwarz! Ganz normales Plastikschwarz, halbglänzend, kaum eine Mattierung an den Stoffteilen, kein Teppichboden, also richtig chinawellyspielzeugplastikhaft. Und das Lenkrad dreht sich auch nicht mit dem Einschlag der Vorderräder. Dieser ist dafür gut, und die Räder bleiben auch in der gewählten Position stehen. Der vierzylindrige Z3 hatte damals serienmäßig Stahlfelgen (so etwas ist heute kaum vorstellbar!), Minichamps gönnte dem Modell aufpreispflichtige Alufelgen mit dem Design Radialspeiche 32 (die der Optik der klassischen Alpina-Felge sehr nahe kommen), darauf vorne 225/45 R 17 und hinten 245/40 R 17-Reifen ohne Flankenbeschriftungen. Die Felgen haben mittig ein BMW-Logo, auch die mit schwarzen Kappen versehenen Radmuttern sind gut nachgebildet, ein Luftventil gibt es nicht.
Licht und Schatten also am neuen Z3. Das größte Licht: Es gibt endlich wieder einen fabrikneuen Z3, und er ist formal gut gelungen. Einen alten UT zu bekommen, ist zwar weder schwierig noch teuer, Ebay ist gut sortiert. Aber es gibt genügend Sammler, für die Gebrauchtmodelle ein schlichtes No-Go sind. Die Schattenseite ist schattenhaft schwarz (und das hat mit „Shadowline“ rein gar nichts zu tun), das Interieur, das in sich das Potenzial trägt, bei guter Dekoration und bei Verwendung eines wertigen Plastikmaterials oder gar mit einer Komplettlackierung zu bestechen. Minichamps verschenkt das aber durch eine lieblose Gestaltung. Dabei kann es Minichamps so viel besser. Wenn wir nur an die phantastischen Interieurs der 43er aus der regulären Minichamps-Serie denken! Aber beim Z3 in 1:18 wirkt der Innenraum so trist wie bei den Maxichamps-Interpretationen in 1:43. Dort mag das tragbar sein, und bei Modellen mit Stahldach mag es auch in 1:18 akzeptabel sein. Aber doch nicht bei so einem schnuckeligen Roadster, der die Blicke auf den Innenraum geradezu auf sich zieht!
afs



Modellfotos: bat

Steckbrief:
Minichamps 155024130 BMW Z3 1.9 E36/7 1996 hellblaumetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 119,95 Euro.