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News 1:18 NZG Mercedes-AMG C 63 S E-Performance W206 2024

Lässig wummernd. Wummernd lässig

Er ist der Prototyp der AMG-Mercedes, die direkt von Mercedes kommen: Die C-Klasse. NZG macht die neueste C-Klasse mit Adoniskomplex: Der C 63 S E-Performance der aktuellen Baureihe W206, der erste in der langen Reihe der AMG-63-Reihe mit Vierzylindermotor. Und genau das goutiert die Kundschaft nicht.

Es bedurfte zweier zusätzlicher Jahre, bis AMG den C 63 S E Performance im Juni 2023 vorstellte, die ultimative Muskelmaschine auf Basis der C-Klasse W206. Und alles war anders als zuvor. Der C 63 zeichnete sich all die Jahre seit 2004 durch einen V8 aus (damals noch: C 55 AMG), und das war ihr Clou: Ein Achtzylinder in der C-Klasse, derjenige Motor in der kleinen C-Klasse, der auch die große S-Klasse antrieb. Das reine PS-Potenzial ist dem aktuellen C 63 geblieben, 476 Verbrenner-PS, angereichert durch einen 204-PS-E-Motor, insgesamt 680 Pferde. Beim bis März 2023 gebauten Vorgänger waren es auch 476 Verbrenner-PS (und kein zusätzlicher E-Motor). Aber diese 476 Verbrenner-PS wummerten natürlich im V8-Sound und mit satten 4 Litern Hubraum. Heute ist das ein Vierzylinder mit (für diese Verhältnisse) mickrigen 2 Litern Hubraum plus Turbo plus elektrischem Zusatzverdichter. Kein Serienmotor leistet mehr PS je Liter Hubraum. Es gab Zeiten, da hielten Mercedes-Motoren eine Viertelmillion Kilometer locker aus – womöglich sogar hochgezüchtete AMG-Mercedes-Motoren. Über die mögliche Laufleistung einer 2-Liter-Maschine mit 476 PS wollen wir nicht mal spekulieren, zumal die AMG-Klientel typischerweise nicht zum untertourigen Landstraßen-Cruisen neigt. Wie der Motor klingt, wissen wir auch nicht. Niemand außer den AMG-Entwicklungsingenieuren weiß das. Denn niemand bekommt ihn zu hören. Was wir, also die Umgebung inklusive des Fahrers, hören, ist ein künstliches Sounddesign. Das ist vergleichbar mit dem einst so populären Magnum-Darsteller Tom Selleck. Der symbolisierte den coolen Muskelmann-Detektiv auf Hawaii, aber des Schauspielers ureigene Stimme war fistelig hoch. Er musste synchronisiert werden. Das war und ist üblich, wenn Filme im Ausland laufen. Aber Tom Selleck war auch im englischsprachigen Original synchronisiert.

So wie der aktuelle C 63 S E-Performance: Er ist akustisch synchronisiert. Er klingt lässig wummernd und wummert lässig aufs Ohr. Aber was man hört, ist nichts als Fake: Der AMG-Mercedes als herrlicher Bestandteil der Simulacrenwelt. Und die Fahrer sind begeistert. Und das Publikum ist es auch. Wirklich alle? Nein! Hybridisierung und Downsizing, gepaart mit extremer Leistung – das kam gar nicht so gut an. Viel Technik und präzise Software, aber nicht die gewünschte brutale Emotion, und dann noch der synthetische Sound. AMG bleibt gar nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen. Die Tage des C 63 E-Performance (und des ebenfalls vierzylindrigen C 43) sind vorbei, anlässlich der 2026er Modellpflege wird er ersetzt durch den C 53 mit dem bekannten 3-Liter-Reihensechszylinder und neuem Mildhybridsystem. Ergo: Experiment missglückt, Kundschaft verprellt, Kundschaft hüpfte davon gen München, Ingolstadt oder zum Alfa Giulia Quadrifoglio, Kundschaft muss milde gestimmt und zurückgeholt werden.

Das Schwärzeste aller Schwarz

Stämmig kommt das NZG-Modell daher, Respekt einflößend. Ein großes Auto (ja, die C-Klasse ist mittlerweile ein großes Auto!). Tief liegt er, breit ist er, eine hohe Gürtellinie hat er und im Verhältnis dazu sehr niedrige Fensterscheiben. Das ist die Mode, ist der Trend, das Auto als vermeintliches Refugium (in dem die Digitalausstattung jede Gemütsbewegung des Fahrers zu analysieren versucht und in Dubio durch Auslesen der Daten der Polizei mitteilt). Das Design stammt von Balázs Filczer, noch unter dem seitherigen Chefdesigner Gorden Wagener. Die Besonderheiten der AMG-Version schuf die AMG-Designabteilung. NZG hat die Optik des AMG-Monstrums hervorragend in den Lieblingsmaßstab herabgezirkelt und ein Modell der alten Schule geschaffen mit vier zu öffnenden Türen, vorne auf und hinten auf, das Modell lenkt und federt, ist Teppichbodenträger und seine Vordersitze lassen sich in Längsrichtung verschieben. Hell und Dunkel ist das Modell lieferbar, Obsidianschwarz, Opalith Weiß und Hightech Silber (werksseitig ausverkauft, beim Händler erhältlich). Auch wenn Obsidianschwarz, „das Schwärzeste aller Schwarz“, nun wirklich etwas abgedroschen ist, entschieden wir uns beim Musterwunsch dafür – zumal Weiß und Silber nun auch nicht gerade den Ausbund der Individualität darstellen. Und in tiefstem Schwarz wirkt das NZG-Modell so herrlich böse. Dazu passen die AMG-Frontschürze im Jet-Wing-Design und der zentral auf der Motorhaube platzierte Lufteinlass à la GT3.

Es ist absolut professionell konstruiert, formal, dimensional, proportional, Spaltmaße sind nahezu unsichtbar, die Türen schließen satt, Motor- und Kofferraumdeckel haben Dogleg-Scharniere, Innen- und Kofferraum tragen Auslegeware. Der Motor ist zwar Formbestandteil, also kein separater Block, aber wirkt ziemlich dreidimensional. Bei modernen Autos ist ein extra eingesetzter Motor ohnehin nicht unbedingt notwendig (bleibt aber ein hübsches Extra!), denn weil die Motorräume vollgestopft und die Motoren obendrein mit Plastik bedeckelt sind, würde ein separates Motorwunder kaum mehr wirken. Die Zeiten, da man durch den Motor auf den Asphalt sehen konnte, sind seit mindestens einem Vierteljahrhundert passé. Vom AMG-Motor sieht man sogar ungewöhnlich viel. NZG tat ein Übriges durch farbige Dekoration mit Silber, die Flüssigkeitsvorratbehälter sind in mattem Grau gehalten, und die Motorabdeckung ziert ein schmaler, roter Streifen. Das Öffnen der Haube wird bequem gemacht: Ein Druck auf den Knuddel hinter der Frontschürze am Fahrzeugboden genügt. Innen zeigt der chinesische NZG-Hersteller Keng-Fai seine Druckkunst, sehr viel Silber, auch ein wenig Rot (die kleinen Warnleuchten an den Türverkleidungen). Ansonsten ist die AMG-C-Klasse innen so rabenschwarz wie außen – und das Auge wird von den knallroten Sicherheitsgurten vorne und hinten richtig angezogen. Und dann ist da nochmals ein Rot, nämlich die Bremszangen, die man hervorragend durch die locker bespeichten 20-Zöller, mattschwarz lackiert, die Vorderseite gesilbert (im Original: glanzgedreht) betrachten kann.

NZG macht also ein Auslaufmodell, aber das Risiko ist überschaubar. Zum Einen handelt es sich um einen Daimler-Benz-Auftrag, und zum Anderen bleibt die Aktualität trotz Facelift und neuer Bezeichnung erhalten. Allzu viel dürfte sich an der gemopften AMG-C-Klasse nicht ändern. Erfahrungsgemäß folgen die AMG-Versionen mit ein paar Monaten Verzögerung, also womöglich erst 2027. Nun ist der C 63 E-Performance zwar nicht mehr bestell- und konfigurierbar. Aber so lange der Nachfolger nicht da ist, bleibt er aktuell.

afs

Zwar paradiesische Leistungsdaten, aber dennoch eine Bauchlandung. Zu wenig Hubraum, zu wenige Zylinder, zu wenig Emotion. AMG hat verstanden und kehrt zum Reihensechszylinder zurück. Natürlich sieht der Muskel-Vierer dennoch gut aus. In 1:1 ebenso wie in der NZG-1:18-Interpretation. Und für Modellautosammler zählt nur das.
Modellfotos: bat
Ein bisschen Rot lockert das dominante Schwarz auf. Nicht nur die Rückleuchten, auch die Sicherheitsgurte. Und die Bremszangen.

Steckbrief:

NZG 111200050 Mercedes-AMG C 63 S E Performance W206 2024 schwarz. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 150 Euro.