75 statt 500
Wer sein Auto „Senna“ nennt, muss Bestes abliefern. Denn Ayrton Senna war einer der Besten. McLaren nannte sein Spitzenmodell so. Zu recht, und AUTOart klinkt sich ein. Auch deren Miniatur ist ein Spitzenmodell. Auf den Senna folgt nun der Senna GTR, nochmals exklusiver. Und nicht zulassungsfähig.
Wer einen Senna hat, kann theoretisch auf 499 andere Menschen auf dieser Erde treffen, die auch einen haben. Zwar sind das nicht viele, aber dennoch mag das für manch einen Käufer unerträglich sein. Er sinnt auf Alternativen, ohne auf einen Senna verzichten zu müssen. Also der Senna GTR. Nur 75 Mal gebaut. Somit 74 andere. Das geht, damit kann man leben. Und wer nun einwendet, noch nie einem Senna und schon gar keinem Senna GTR live und leibhaftig begegnet zu sein, dem sei entgegnet: Junge, Du bewegst Dich eben in den falschen Kreisen.
Einen McLaren Senna von AUTOart haben wir längst (also: derjenige, der einen haben möchte). Er erschien im Herbst 2021 und wurde bereits auf der Spielwarenmesse 2019 angekündigt, als AUTOart noch beliebte, dort anwesend zu sein. Damals ohne das Suffix GTR. Und jetzt, im Sommer 2026, folgt jener mit Suffix.
Wir erinnern uns noch an jenes 500 Mal gefertigte Einsteigermodell, diesen inflationär verbreiteten Senna, wie ihn AUTOart machte. Zwei Türen gehen auf, nicht mehr. Und jetzt wieder: zwei Türen, nicht mehr. All open? Ja, all open! Ginge mehr auf, so wäre das Automodell nicht mehr vorbildgerecht. Denn beim Original ist ebenfalls nicht mehr zu öffnen – für den Fahrer/Eigentümer/Besitzer. Die Motorhaube lässt sich nur in der Werkstatt öffnen, und auch vorne ist und bleibt beim 1:echt-Fahrzeug alles zu, außer einer winzigen Serviceklappe. Vorteil: Kein Unbefugter kann fummeln. Nachteil: Der stolze Eigner kann das Motorwunder nicht präsentieren. Insofern ist das AUTOart-Modell also all open, obgleich nur die Türen aufgehen. Überhaupt die Türen, ein konstruktives Wunderwerk, möchte man sagen, aber für AUTOart normal. Diesmal sind es nicht nur Schmetterlingstüren, was sich durch die Art und den Winkel der Öffnung definiert. Sie sind auch noch ins Dach gezogen, wie weiland beim Mercedes Flügeltürer-SL (oben angeschlagen) oder dem Ford GT40 (konventionell angeschlagen), damit der Senna-Dompteur bequemer entern kann. Inwieweit ihm das gelingt, sei dahingestellt. Mit einer stinknormalen Türe wäre jeder besser bedient. Aber darum geht es nicht. Um den Effekt geht es. Und um dessen Nachbildung in 1:18, die AUTOart wieder mal hervorragend gelungen ist. Die Türe schwenkt einem akrobatischen Akt gleich nach vorne oben und arretiert, gehalten von einem Gasdruckdämpfer. Und sie ist herrlich verglast. Neben der unteren Seitenscheibe (die beim GTR fahrerseits ein Ticketfenster beinhaltet) gibt es ein Oberlicht wie weiland im VW T1 Samba oder in Panorama-Reisebussen der 50er Jahre. Das optionale, dritte Glas im mittleren Türbereich hat AUTOart sowohl beim Senna als auch bei seinem noch sportlicheren Bruder Senna GTR verwirklicht. Öffnen und schließen tut die Türe butterweich, und wenn sie geschlossen ist, wirkt es, als ob sie nicht zu öffnen wäre. Spaltmaße gleich Null.
Die Form hat AUTOart tadellos getroffen, die Detailarbeit ähnelt derer eines Goldschmieds, die Räder sind perfekt und das Modell rollt widerstandslos – aber das wissen wir ja alles schon. Ob der McLaren Senna unter den Supersportwagen nun zu den Schönen oder den Wüsten zählt, muss jeder für sich entscheiden. Fließende Linien sucht der Betrachter vergeblich. Das Design von Robert Melville, bei McLaren als Designer ab 2009 und Chefdesigner zwischen 2017 und 2022, ist eine Mischung aus graphischen Elementen, Rundungen und Ecken, Überlappungen und Lufteinlässen, eigentlich nicht harmonisch, aber in seiner Gesamtheit faszinierend. Melville sprach nicht von Schönheit, sondern von Effizienz. Das Auto soll so schnell wie möglich sein. Das ist seine Aufgabe. Sonst nichts. Um dies zu erreichen, setzte Melville auf das Credo „form follows function“, und das Ergebnis polarisiert. Vom 825 PS starken V8-Biturbo-Mittelmotor sieht der Betrachter nicht viel. Dafür kann er in unzähligen Aerodynamik-Elementen schwelgen, die AUTOart in seiner ganz eigenen Manier wiedergibt, formal, aber auch haptisch, eine hinreißende Nachbildung des jeweiligen Materials. Die Brembo-Carbon-Keramikbremsen mit orangefarbenen Sätteln ziehen das Auge geradezu magisch an. Das Design der Alus (mit Zentralverschluss und Ventilen) wirkt fast schon naiv, darauf Pirelli-Slicks ohne Flankenbeschriftung. Da AUTOart an solchen Kleinigkeiten nicht spart, gehen wir davon aus, dass diese Reifen im Original ebenfalls anonym sind. Innen ein vermeintlicher Materialmix, aber natürlich besteht alles aus Kunststoff, doch dieser bildet die Haptik der Originalmaterialien nach.
Das schnellste Nicht-Formel-1-Auto
Der Senna GTR stand in Genf 2018, aber nur als Concept Car, eine ausschließlich für die Rennstrecke konzipierte Senna-Version. McLaren plante damals, in die LM-GTE-Klasse einzusteigen, unterließ dies aber aus Kostengründen. Die Formel-1-Beteiligung war und ist teuer genug. Also wurde der Senna GTR leicht umgestrickt zum Trackday-Fahrzeug, im internationalen Sprech nennt man das „non-competitive track usage“ – also ein Rennwagen für Superreiche, die damit in geschlossener Gesellschaft spielen möchten und ihr Sportgerät auf einem Transporter anliefern lassen. denn zulassungsfähig ist ein Senna GTR nicht. Der GTR verfügt über zahlreiche zusätzliche Aerodynamikteile, von AUTOart präzise wiedergegeben, und das auffälligste ist natürlich der verstellbare Doppelflügel. Der ist bei AUTOart allerdings statisch, während er am Serien-Senna beweglich gestaltet war. Der Dachlufteinlass erinnert an die Formel 1, der Doppeldiffusor auch. Die Lufteinlässe sind größer, weiter, ausladender, die vorderen und hinteren Kotflügel auch. Die Felgen sind typisch GTR, die dahinter liegende Brembo-Carbon-Keramik-Bremsanlage auch, die extra für den GTR entwickelt wurde.
Innen schwelgt der GTR in Sichtcarbon und Alcantara, alles schwarz bis auf die roten Renngurte und die orangefarbenen, deutlich sichtbaren Gasdruckdämpfer der Türen. Innen herrscht rennmäßiger Minimalismus vor, immerhin ein dünner Teppichboden, also sparsame Beflockung des Modells.
Zu seinen Lebzeiten war der McLaren Senna GTR das schnellste Nicht-Formel-1-Auto. Er ist die Eskalationsstufe des Senna, absolut radikal, ein Hypercar ohne Parallelen und Alternativen, die Speerspitze der Marke McLaren, damals rund 1,5 Millionen Euro teuer (der genaue Preis ist nicht kolportiert – ab einem gewissen Level wird geschwiegen). Und dann gab es da noch fünf spezielle Senna GTR. Jeder stellte eine Hommage an einen der ebenfalls fünf McLaren F1 GTR dar, die das 1995er 24-Stunden-Rennen in Le Mans als Erster, Dritter, Vierter, Fünfter und Dreizehnter absolvierten. Die haben keine 825, sondern sogar 845 PS. Die sind dann nochmals exklusiver als ein Senna GTR.
AUTOart bietet vier Farben an, Silica White, Onyx Black, Orange (unser Muster) sowie die blaue Präsentationsversion mit der Startnummer 12, die erst im August ausgeliefert wird. Das ist also jene Version, die auf dem Genfer Salon 2018 stand. Der Senna GTR ist heute übrigens nicht mehr das schnellste Nicht-Formel-1-Auto auf der Rennstrecke, sondern wurde zwischenzeitlich vom Aston Martin Valkyrie und anderen straßenzulassungsfreien Hypercars wie dem McLaren Solus GT vom Sockel gestoßen. Kein Triumph währt ewig.
afs




Modellfotos: Hans-Joachim Gilbert



Steckbrief:
AUTOart 81956 McLaren Senna GTR. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP 282,95 Euro.