La Cocchinelle ist der französische Käfer
Ein richtig schnuckeliges Käfer Cabriolet hat Norev realisiert, sehr charmante Farbgebung. Der offene VW 1303 kommt in hellem Cremeweiß mit einer farblich nicht ganz vorbildkonformen, aber äußerst eleganten Innenausstattung in hellem Rötlichbraun.
Hellelfenbein mit der RAL-Nummer 1015 ist die typische deutsche Taxifarbe. Sie wurde 1971 vom damaligen Verkehrsminister Georg Leber als immenser Fortschritt in Richtung Modernität eingeführt und gepriesen. Volkswagen hatte damals bereits einen allenfalls ähnlichen, aber mit Taxibeige nicht zu verwechselnden Farbton gleichen Namens auf der Palette, Hellelfenbein L80E, vorzüglich für Karmann-Modelle zwischen 1969 und 1976 verwendet. Es hat nichts mit den späteren, harten Weißtönen (Alpin- und Polarweiß) zu tun, die Volkswagen in den späteren Käfer-Cabriolet-Jahren verwendete und die eher in Erinnerung blieben. Tatsächlich verbindet man Hellelfenbein L80E eher mit dem Vorgänger, dem offenen 1302. Am 1303 Cabriolet war es nur in den ersten Produktionsjahren 1972 und 1973 lieferbar. Wenn Volkswagen bei der Lancierung seines Hellelfenbein 1969 gewusst hätte, dass die zwei Jahre später eingeführte Taxifarbe dieselbe Bezeichnung tragen sollte, hätte Wolfsburg wohl eine andere Farbbezeichnung gewählt.
Das VW-Hellelfeinbein ist ein cremiger, eleganter und fast schon warmer Weißton – wobei die Eleganz sehr in Abhängigkeit von der Innenraumfarbe ist. Kombiniert mit schwarzem Kunstleder mag Hellelfenbein auf einem Karmann Ghia oder Käfer Cabriolet einfallslos wirken. Aber auch VW-Kunstleder kann Farbe tragen, sogar schöne Farbe, Bordeauxrot oder Lapisblau beispielsweise. Die drei Innenraum-Braun von Volkswagen zu dieser Zeit, das dunklere Mocca, das mittlere Bambus und das hellere Lederbeige, atmeten jedoch nichts als „Bonjour Tristesse“. Norev setzte sich darüber hinweg und gab sich farbkreativ (vielleicht auch der französische Eigentümer, der das konkrete Norev-Cabriolet hatte restaurieren lassen) und schuf ein helles Braun mit leicht rötlichem Touch, das gar wundervoll mit der Außenfarbe harmoniert.
„La Coccinelle“ nennen die Franzosen den Käfer. La Coccinelle ist der Marienkäfer, also ein eher sympathisches Wesen, während der allgemeine Begriff „Käfer“ immerhin auch gefräßige Unsympathlinge wie den Mistkäfer oder Kartoffelkäfer oder Borkenkäfer beinhaltet. Fast scheint es, die Franzosen seien dem VW Käfer zumindest sprachlich gewogener als die Deutschen. Sonst hätten sie den Volkswagen „Scarabée“ genannt. Norev macht einen französischen Käfer, einen in Frankreich zugelassenen Käfer aus dem Département 83. Das ist Var im französischen Südosten, an der Côte d’Azur, also an der französischen Riviera. Da kann man sich mit etwas Phantasie eine französische Mademoiselle mit neckischem Kopftüchlein zum Schutze der blonden Haartracht vor dem Küstenwind vorstellen, die von der Sonne verwöhnte Corniche mit Boxersound entlang rauschend, vielleicht am Grenzübergang Menton nach Italien. Dazwischen schneeweiße Yachten, Strandcafés, der ein oder andere Rolls-Royce oder Maserati, wohlhabende, schöne Menschen, die sich vielleicht sogar nach Mademoiselle im Coccinelle Cabriolet umdrehen… eine reizende Vorstellung!
Das Volkswagen 1303 LS Cabriolet von Norev in sealed-Bauweise mit lenkbaren Vorderrädern kennen wir seit acht Jahren, und seither ist es ein Publikumsliebling, denn es ist formal hervorragend getroffen und äußerst charmant. Es ist ein frühes Modell zwischen 1972 und 1975, als die Vorderblinker, bis dato auf den Kotflügeln positioniert, in die Stoßstangen wanderten. Im Laufe der Zeit bekam das Norev-Modell auch die optionalen Lemmerz-Stahlsportfelgen spendiert. Es trägt einen rechten Außenspiegel, der auch bitter nötig ist, denn das zusammengefaltete VW-Verdeck baut so hoch, dass der Innenrückspiegel kaum mehr als eine Farce ist. Sportsitze und ein optionales Sportlenkrad runden den Werkszubehörreigen ab. Am Norev-Käferchen passt alles, selbst kleinste Details wie der runde Handschuhfachdeckelverschluss als Charakteristik der Jahrgänge 1972/73, ebenso die länglichen Öffnungen in den Kotflügeln, in welchen die Stoßstangenhalterungen stecken. Nur eines kritisieren wir an diesem Modell seit seiner Erstausgabe (und Norev will einfach nicht auf uns hören): Der Heckschriftzug ist falsch, war bei allen Modellen falsch und ist an diesem erneut falsch. Dort steht nur „VW 1303“, was für Fahrzeuge nach 1975 stimmt. Aber zuvor bedeutete „VW 1303“ auf dem Motordeckel das 44-PS-Grundmodell und „VW 1303 S“ wies auf den 50-PS-1600er hin. Ein vorangestellte „L“ verwies auf das Luxuspaket. Das Cabriolet trug dieses stets, gepaart mit dem 1600er-Big-Block-Boxer. Somit muss auf einem Käfer Cabriolet vor 1975 schlichtweg „VW 1303 LS“ und nicht nur „VW 1303“ stehen. Nietenzählerei? Mag sein! Aber Fehler sind dazu da, ausgemerzt zu werden – vor allem dann, wenn man von ihnen weiß. Ein Wort noch zum beflockten Teppichboden: Sieht edel aus, stimmt aber auch nicht mit dem Originalzustand überein. Jedes Käfer Cabriolet hatte lediglich Gummimatten auf dem Boden. Restaurierte Cabriolets hingegen trägen häufig und gerne Teppichboden.
Nichtsdestomehroderwenigertrotz ist das neue Käfer Cabriolet in Hellelfenbein mit der schicken Innenausstattung sicherlich eine der attraktivsten Versionen, die Norev von diesem Modell je realisiert hat. Und obendrein ist es eine zwar vorbildgetreue, aber eher seltene Farbe auf dem VW Cabrio. Gleichzeitig bietet Norev exklusiv in seinem Onlineshop das gleiche Auto, aber mit Serienfelgen mit Radkappen, in zartem Rosa mit fast weißer Innenausstattung an. Dieses Barbie-Auto mag zuckersüß aussehen, hat aber mit Originalität so viel zu tun wie die lila Milka-Kuh mit einer echten Kuh. Norev vermarktet es auch weniger als Sammlerstück, sondern eher als Dekorationsartikel. Vom Rosé-Coccinelle gibt es nur 300 Exemplare, der Hellelfenbeinfarbene ist ein unlimitiertes Fachhandelsmodell.
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 188535 Volkswagen 1303 LS Cabriolet (Karmann) 1972 cremeweiß. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 69,95 Euro.