Auto-Katalog 2026. Stuttgart (Motorpresse-Verlag) 2025, 258 Seiten. Keine ISBN, weil Zeitschrift. Im Zeitschriftenhandel erhältlich. Preis 12,90 Euro.
Die Vielfalt in der Autowelt schwindet – zumindest bei den traditionellen Herstellern. Jene aus China nimmt zu, auch auf unseren Straßen. Das ist die Quintessenz des Auto-Kataloges 2026, dem alljährlichen Opus aus dem Motorpresse-Verlag in Stuttgart. Natürlich die Krise, die politisch gewollte Forderung nach Transformation zum E-Auto, die dadurch resultierende Bedrängnis der traditionellen Autoindustrie, daraus folgend die Entlassungen in der Branche… aber die Krise ist weniger Thema im Katalog, der das Angebot beleuchtet und nicht dessen industriellen und sozialen Begleiterscheinungen. Der Katalog demonstriert das Artensterben deutlich, den Wegfall ertragsschwacher Klein- und Kleinstwagen, von Cabriolets und Vans, des Ford Focus – aber auch, dass selbst bei hochwertigen Fahrzeugen an der Materialqualität, vor allem im Innenraum, gespart wird. Und nicht mehr nur Diesel und dicke V8-Benziner werden gestrichen, nunmehr auch mittlere Verbrennermotoren. Statt ihrer: (Mild-) Hybride mit kleinstvolumigen Verbrennern, denen niemand eine lange Lebensdauer und hohe Kilometerleistung zutraut – so wenig wie den Batterien. BMW baut seine Verbrenner nun im Ausland, unter Mercedes-Hauben werkeln Geely-Aggregate, um CO²-Strafsteuern an die EU zu vermeiden.
Die wenigen bedeutsamen Neuerscheinungen von Mercedes (GLA), BMW (Neue Klasse) oder gar Concept Cars (VW) werden gefeiert – um wenigstens ein bisschen feiern zu können. Richtig faszinierende Autos, die noch über eine Motorhaube mit etwas darunter aufwarten können, kann der Katalog wenige bieten (Aston Martin zum Beispiel), gesichtslose SUVs dagegen zuhauf: Gebaut wird, was gekauft wird. Teilweise auch, was nicht gekauft wird. Manche Firmen scheinen sich selbst Stillstand verordnet zu haben (Audi) oder ziehen den Selbstmord auf Raten vor (Ford-Europa). Dass der Katalog viele China-Marken beinhaltet, ist normal, denn er will ja das Weltspektrum abbilden. Dass bei sehr vielen aber eine deutsche Vertriebsadresse steht und ein (wenn auch marginaler) Marktanteil angegeben wird, erschreckt. Europäische Kunden kaufen chinesische Autos, und wenn man sie fassungslos nach dem Grund fragt, stammeln sie zwar, finden aber Worte. Leapmotor hat mit 0,2 % den gleichen Marktanteil wie beispielsweise Lexus, MG aus China bringt es bereits auf 0,9 % und hat damit Mitsubishi und Suzuki überholt. Auch Tesla kämpft gewaltig, aber das hat mit der Person des Eigentümers zu tun, der Absatz schrumpfte bis September 2025 um genau die Hälfte des Vorjahres. Selber schuld!
Viel mehr Spaß als Brot und Butter macht die süße Marmelade der Außenseiter, Kleinmarken und Exoten. Nachdem Burkhard Bovensiepens Söhne den Markennamen Alpina an BMW verscherbelten, machen sie nun unter eigenem Namen und mit Zagato-Design weiter. Spannend ist der Kosmos in China gebauter Autos deutscher Firmen, die zum Teil nichts mit ihren Mutterprodukten zu tun haben, Audi verzichtet dort sogar auf die vier Ringe. Für uns unverständlich mag beispielsweise ein Dreier-BMW mit verlängertem Radstand sein, obgleich es dort auch einen Fünfer gibt (das gleiche gilt für Mercedes mit langer C-Klasse), und anders als in den USA behauptet sich Buick in China bestens. Und die China-VWs legen mittlerweile sogar ihre angestammten Namen ab und heißen Tharu, Magotan und Talagon. Was es nirgends mehr gibt, nicht mal in Indien, sind lange ausgelaufene, europäische oder amerikanische Modelle, die der dortigen Bevölkerung quasi als Resteverwertung angedreht werden. Einen fabrikneuen Oldtimer finden wir allenfalls im Iran mit dem Peykan Samand alias Peugeot 406. Aber den haben wir im Auto-Katalog nicht gefunden. Und überhaupt gibt es so manches Kuriosum in so manchem Zipfel der Welt, das für den Auto-Katalog Terra Incognita bleibt. Aber wahrscheinlich interessiert das eben nur die Spezialisten.
Erwähnen wir noch, dass auch Statistik interessant sein kann. Der Golf bleibt das best verkaufte Auto in Deutschland, das meist verkaufte Elektroauto ist der VW ID.7, und diese vier Marken hatte 2025 Neuzulassungen im nur einstelligen Bereich: Fisker, Lancia, Lada und Omoda. Kennen wir alle, bis auf Omoda: Exportmarke von Chery aus China, startet erst jetzt (Ende 2025) mit dem Deutschland-Verkauf. Und wer, bitteschön, war es, der einen Lada in Deutschland neu zuließ? Und woher hatte der seinen Lada? Und warum erzählt uns der Katalog nichts über russische Autos? Politik hin, Politik her – sie werden gebaut und sollten Bestandteil eines Kataloges sein. Immerhin wurde die Marke Moskvitch mit China-Technologie im ehemaligen Renault-Werk wiederbelebt – das will der Leser eines Auto-Kataloges doch wissen! Oder nicht?
afs