Andere Maßstäbe

News 1:12 Norev Ferrari F 40 1987

Korrigierte Wiederauflage

Der Kultklassiker reloaded: Norev hat seinen riesigen Ferrari F40 in 1:12 korrigiert. Was vorher fehlte, ist nun da – auf Kundenwunsch, nach Kundengeschrei. Norev hatte vergessen, einen Schriftzug einzugravieren, zückte Hammer und Meißel und modifizierte das Formwerkzeug.

Selten hat ein Originalfahrzeug solch einen Hype in der Welt der Modellautos entfacht wie dieses. 1989 herrschte Goldgräberstimmung bei allen regelmäßig nach Italien Reisenden. Der Autor dieser Zeilen gehörte damals zu diesen und plötzlich gab es da einen heiligen Gral, der unverhofften Reichtum versprach. Es war der Ferrari F 40 von Bburago in 1:18, der zeitweise in Deutschland zu irren Preisen gehandelt wurde, nur weil er dort noch nicht in ausreichender Menge lieferbar war. Aus heutiger Sicht ein gut gemachtes Spielzeugauto, das millionenfach hergestellt wurde, war es damals auch bei Sammlern hoch begehrt. Wer es nicht abwarten konnte, zahlte auch das Zehnfache oder mehr des Originalverkaufspreises, der so um die 30 D-Mark herum lag. Der Autor beteiligte sich nicht. Er freute sich lediglich am frühen Besitz. Es gab den F40 in der Folge in allen Maßstäben und er wurde bis heute geschätzt so häufig miniaturisiert wie der VW Käfer.

Auch im mittlerweile an Bedeutung gewinnenden Sammlermaßstab 1:12 gab es ihn bereits. Kyosho lieferte ihn als Diecast-Fertigmodell oder Fujimi als Bausatz, interessanterweise ebenfalls aus Metall. Beide liegen in astronomischen Preisregionen, die dem normal bemittelten Sammler verschlossen bleiben dürften. Gott sei Dank gibt es aber mittlerweile Hersteller, die sich in diesem eher exklusiven Maßstab erfolgreich mit preiswerteren Modellen tummeln, die dem heutigen Anspruch an Originalitätstreue und Fertigungsqualität voll zu entsprechen in der Lage sind. Zu ihnen gehört seit längerem auch Norev. Diese Marke bringt nun in einer zweiten Auflage ihre Version des F40 heraus, was zeigt, dass dieses Auto nach wie vor eine große Anhängerschaft und ein entsprechendes Marktpotential besitzt.

Der F40 ist auf der einen Seite so etwas wie der Urvater der heute wie Pilze aus den Fabrikböden schießenden, schier unzähligen Supercars und auf der anderen Seite von einem wohltuenden Purismus, weil völlig frei von jeder Effekthascherei. Seinerzeit entstanden auf Wunsch von Enzo Ferrari anlässlich des vierzigjährigen Firmengeburtstages, war seine Basis ein Prototyp, der auf dem 1984 erschienenen GTO 288 basierte, technisch für den Rennsport konzipiert war, dort aber nie zum Einsatz kam. Wie der GTO war er formal mit dem Ferrari 308 verwandt, der 1975 von Leonardo Fioravanti bei Pininfarina entworfen worden war. Insgesamt überzeugte die Form des Prototyps im Hinblick auf seine neue Aufgabe als Geburtstagsferrari jedoch nicht, er wirkt eher plump und unharmonisch, ein klassischer Prototyp eben.

Deshalb erhielt bei Pininfarina das Designer-Urgestein Aldo Brovarone, unter anderem Schöpfer des wunderschönen Lancia Gamma Coupés, den Auftrag zur Überarbeitung. Das Ergebnis war ein auch heute noch modern wirkendes Design von spektakulärer Schlichtheit. Der Verzicht auf modische Details hat zu dieser sich nie verändernden, in sich ruhenden Identität beigetragen. Auch die erkennbare Ähnlichkeit mit dem älteren 308er hat dem ikonischen Erscheinungsbild nicht geschadet. Das Interieur besteht aus einem emotionslos funktionalen, minimalistischen Armaturenbrett ohne wirkliches Design, das lediglich durch eine Textilbeflockung auffällt und ansonsten mit den übrigen Versatzstücken zusammen reine Rennwagenatmosphäre ausstrahlt. Auch der Motorraum ist ein solches Statement. Er lässt sich durch die große, mit eingeformten Entlüftungsschlitzen versehene Heckscheibe trefflich in Augenschein nehmen.

Dies alles machte es Norev leicht, sich für ein komplett geschlossenes Modell zu entscheiden, weil eben doch alles wirklich Wesentliche zu sehen ist, inklusive des beflockten Armaturenbrettes und der filigranen Gitterstruktur des rückwärtigen Grills. Die Motorhaube ist ein separates Bauteil, ohne dass sie zu öffnen wäre. Der große Maßstab erlaubt zudem ein genaues Studieren der gestalterischen Vorgehensweise Aldo Brovarones, der ja schließlich nicht mit einem weißen Blatt Papier starten konnte, sondern vorhandene Gegebenheiten zu einem stimmigen Gesamtkonzept vereinen musste. Dies ist dem alten Meister inklusive der Umsetzung effizienter aerodynamischer Maßnahmen hervorragend gelungen.

Beschreiben wir hier also zum zweiten Male ein- und dasselbe in Wiederauflage erschienene Norev-Modell, was ja ansonsten bei uns nicht üblich ist? Die Antwort ist doppelt nein. Denn den F40 hatten wir, als er erstmals erschien, nicht auf dem Schreibtisch stehen und somit nicht beschrieben. Und am neuen, heutigen Modell ist ein wichtiges Detail geändert. Bei der Erstauflage fehlte der auf der rechten Seite des Spoilers eingeprägte Schriftzug „F40“ und sorgte damals für leicht süffisante Kommentare. Dieser Faupax wurde nun beseitigt. Dies macht nun die Modelle der ersten Auflage zu einer Art blauer Mauritius der Automodellwelt. Wohl dem, der eines davon hat. Alle anderen freuen sich über die Chance, eine weitere Ikone der Automobilgeschichte in ihre Vitrinen stellen zu können.

mh

Kaum vom Original zu unterscheiden lädt das Modell zu ausgiebiger Betrachtung ein und bietet Einblicke, die sich von Abbildungen allein nicht gewinnen lassen. Auch wenn die Motorhaube leider geschlossen bleibt, wirkt die echte Trennfuge doch viel authentischer als eine bloße Rinne.
Modellfotos: bat
Der Stein des Anstoßes: Diese Gravur fehlte bei der Erstauflage und diese Gravur existiert bei der Zweitauflage.
So schlicht, wie dieser Supersportwagen daher kommt, so gnadenlos bestraft er überforderte Fahrer, denn er ist kein Poser. Nicht alle Exemplare existieren deshalb mehr. Der selbstkritische Enthusiast sollte sich deshalb fragen, ob er den F40 im Ernstfall wohl tatsächlich mit Genuss fahren zu können glaubt. Foto auf dem Genfer Salon 2024, zusammen mit seinem damaligen Hauptkonkurrenten Porsche 959, der sein Heck zeigt.
Foto: Matti Blume

Steckbrief:

Norev 127902 Ferrari F 40 1987 rot. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 167,49 €.