Aus der Zeit gefallen
Ein orangefarbener Riese, schwülstig, blechern, schwer. Und herrlich aus der Zeit gefallen. Ixo macht den ’72 Ford Gran Torino als Fastback-Coupé. Der ist so groß, dass er sogar eine spezielle Verpackung benötigt.
Wir wollten das Filmauto rezensieren. Den ’72er Ford Gran Torino Sport aus dem gleichnamigen Film Gran Torino mit Clint Eastwood aus dem Jahre 2008. Das war der Erstling, den Ixo aus seiner Formneuheit schuf. Aber Filmautos sind schneller ausverkauft, als der Film im Kino dauert. Wir gingen leer aus. Den Gran Torino bekamen wir, aber nicht die Film-Version in sehr dunklem Grünmetallic mit schwarzem Vinyldach und Mag’-500-Felgen. Statt seiner erreichte uns die Zweitauflage in Orangemetallic mit mattschwarzer Motorhaube, Heckflügel und verchromten Tuningfelgen. Auch gut. Das Auto an sich ist das gleiche. Die Ausführung anders. Ixo weiß, dass sich der Wagen gut verkauft und hat deswegen gleich noch weitere Versionen angekündigt: Grünmetallic mit weißem Go-Faster-Streifen an den Flanken sowie Rot mit schwarzem Vinyldach, beide Male ohne Heckflügel, der Rote mit Mag’-500-Stahlsportfelgen, der Grüne mit denselben after-market-Alus wie unser orangemetallicfarbenes Muster.
Das Auto, der Gran Torino generell und speziell das ’72er-Baujahr, avancierte vom ungeliebten Mauerblümchen zum Star der Klassikerszene. Zum Einen, weil der TV-Episodenkrimi Starsky & Hutch ein Revival erlebt im Zuge der Verklärung der „good old times“ in den USA, ein Ausdruck des derzeitig dort vorherrschenden Eskapismus’ (warum wohl?), und die beiden Polizisten einen ’74er Gran Torino in auffälliger Lackierung fahren. Zum Anderen durch den Clint-Eastwood-Film Gran Torino von 2008, welcher den Aufschwung des Ford Gran Torino überhaupt erst in Gang brachte. In Gran Torino wird die Uncle-Scrooge-Thematik variiert, ein vielfach angewandtes Thema zur Erziehung der Bevölkerung: ein verbitterter, militaristischer, rassistischer, weißer, alter Mann nähert sich langsam aber sicher emotional einem Einwandererjungen aus Indochina an und wird vom negativen Paria zum sympathischen, guten Menschen. Ganz einfach, das! Es entspricht dem politischen Willen sowie dem Massengeschmack und widerspiegelt die gesellschaftliche Meinung – zumindest jene bis zur zweiten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.
Der Ford Gran Torino verkörpert eben jenes Amerika, das Walt Kowalski alias Clint Eastwood in Gran Torino gefährdet sah, die gestrigen US-Ideale. Kowalski fährt einen alten Gran Torino, den nach seinem Tod im Kugelhagel der Einwandererjunge Thao erbt, der ihn ursprünglich hatte stehlen wollen. Ein pathetisches Ende, wie es die US-Amerikaner lieben. Und seither lieben sie auch den alten Ford. Der repräsentiert in seiner Generation 1972 bis 1976 das gestrige oder gar vorgestrige Layout amerikanischer Full-Size-Cars: Im Gegensatz zu seinem selbsttragenden Vorgänger setzte er auf das Vorkriegskonzept eines separaten Chassis’ mit aufgeschraubter Karosserie; er war groß und schwer (bis zu 1,8 Tonnen Leergewicht), blechern, schwülstig und ausladend, ein Symbol des Überflusses vor dem Ölpreisschock, als Sprit in den USA nahezu nichts kostete und Effizienz und Ökonomie Fremdwörter waren. Er ist also die rein gusseiserne Interpretation des american Way of driving und somit die Inkarnation dessen, was für viele Amerikaner als „good old Days“ gilt und was sie als nicht erneuerbare Vergangenheit betrauern. Jack Telnack zeichnete den Gran Torino als Viertürer-Limousine, als Station Wagon, als Zweitürer-Stufenheck-Coupé und als Zweitürer-Fastback-Coupé (das Ixo-Modell und mithin der Filmstar) im besten Coke-Bottle-Style der ausgehenden 60er Jahre, kombiniert mit der Ford-typischen Knudsen-Nase, und somit war das Auto bereits bei seinem Debüt 1972 optisch etwas veraltet. Und schon damals, als er aktuell war, galt der Gran Torino als verschwenderisch, unökonomisch und schwerfällig. Man mochte ihn zeitgenössisch nicht besonders – umso mehr mag man ihn heute als Klassiker.
Zu ausladend für die Standard-Ixo-Box
Das Modell ist so groß, dass es nicht in die Ixo-Standardverpackung passt. Ixo verwendet die Box, die sonst den Rallyeservice-Transportern dienen. Das sagt viel über die Maße des Modells. Die Farbe identifizieren wir (ohne Gewähr!) als Medium Yellow Gold Metallic 6C, könnte aber auch Gold Glow 6F sein… ein schwieriges Thema! Die Ausstattung ist Gran Torino Sport, kenntlich an der Hood Scoop auf der Motorhaube und sportliche Außenspiegel, und darüber hinaus trägt er die Option „Rallye Equipment Group Package“ mit Zusatzinstrumenten, Hurst-Shifter für das Viergang-Getriebe, etwas straffere Abstimmung und mattschwarze Motorhaube, dazu verchromte after-market-Alufelgen mit weißer Reifenbeschriftung „BF Goodrich Radial T/A“, was Ixo ganz fein umgesetzt hat, und einen Heckflügel, der alles andere als original ist. Generell sieht der Wagen ähnlich zu jenem aus, der in Fast & Furious in Grün über die Leinwand flimmert, die Felgen sind die gleichen: Coy’s C-67 Gun Metal-18-Zöller (der Wagen wird im Film übrigens geschrottet). Nachdem Ixo genau diese Felgen geschaffen hat, ist naheliegend, dass der Gran Torino auch noch in einer Fast & Furious-Version erscheinen wird.
Motorisierungen: Standard war der 302-2V-Small-Block-Windsor-V8 (5 oder 5,7 Liter), darüber hinaus Windsor- und Cleveland-Doppelvergaser-Aggregate (5,7 Liter), der „Cobra-Jet“ (Cleveland Vierfach-Vergaser), 400cu-Doppelvergaser und 429er Vierfach-Vergaser (6,5 oder 7 Liter), ein PS-Spektrum zwischen 140 und 248 Pferden. Das Fastback-Coupé ist in Hardtop-Bauweise umgesetzt, verfügt also über keine durchgehende B-Säule, dafür rahmenlose Seitenscheiben. Natürlich kommt das bei einem Modellauto erst dann zur Geltung, wenn die Scheiben geöffnet dargestellt sind. Ixo macht das nicht, leider, aber wohl verständlich, denn die rabenschwarze Innenausstattung bietet keine visuellen Höhepunkte – sowenig wie das Chassis. Es weist zwar eine separat eingesetzte Auspuffanlage mit verchromten Endrohren auf, aber sonst nichts Sehenswertes. Dafür brilliert der Gran Torino mit eingesetzten Side Markers und einer Radioantenne, auch die Embleme und Türgriffe sind extra eingesetzte Chromteile, recht nett ist das blaue Kennzeichen aus Kalifornien, und die Schriftzüge sind silberne Drucke. Für ein Budget-Modell – und dazu zählt dieser Gran Torino – ist er ziemlich aufwendig gemacht. Und vor allem: Er ist professionell konstruiert und muss nicht mit Optikkompromissen à la nicht eingezogener Türschweller leben, was uns so manch anderer Hersteller in diesem Preissegment zumutet. Ixo hat seinen Job gut gemacht, und die Sammler wissen das zu schätzen. Sonst wäre der Erstling nicht ruckzuck ausverkauft gewesen.
afs




Modellfotos: bat

Foto: Irumiha
Steckbrief:
Ixo 18CMC188 Ford (USA) Gran Torino Sport Fastback-Coupé 1972 orangemetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 67,95 Euro.