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News 1:18 MCG Audi 80 B2 1978

Bürgers Liebling und des Autors Hochzeitstrauma

Kaum jemand der entsprechenden Kohorte hat keinen Bezug zum Audi 80 B2. Er bevölkerte ein Jahrzehnt lang die Firmenparkplätze und die Auffahrten von Vorstadt-Eigenheimen. MCG erfüllt einen Herzenswunsch vieler und bringt den Audi 80 B2, gleich in drei Ausstattungsversionen.

Es gibt bekanntlich viele Gründe, Modellautos zu sammeln. Alle haben ihre Berechtigung, seien sie automobilhistorischer, technischer oder gestalterischer Natur oder einfach in der persönlichen Historie begründet. Das kann zu stückzahlmäßig gigantischen Sammlungen führen oder aber auch mit wenigen Autos bereits komplett sein, weil jemand nur die paar Autos im Kleinen versammeln möchte, die er selber gefahren hat oder die in der Familie seit der Kindheit vorhanden waren. Meistens werden sie zunächst in Form von Fotos dokumentiert, auf denen sie mehr zufällig als Beiwerk fungieren und von lästigen Verwandten verdeckt werden.

Die eigentliche Zeitreise erlauben dagegen möglichst originalgetreue Modelle, die maßstäblich vergleichbar sind und im Idealfall auch noch die richtige Farbe aufweisen. Da haben wir heute vergleichsweise große Chancen, fündig zu werden. Waren zeitweise die Miniaturisierungen von teuren, exotischen Kultautos eher zu finden als die von Alltagsautos, sind inzwischen einige Hersteller mit Fleiß und Akribie dabei, genau diesen Bereich abzuarbeiten. Einer von ihnen ist das Label MCG des Modellautogroßhändlers Model Car World, wo immer wieder erfreulich alltägliche Vorbilder als 1:18-Modelle realisiert werden. Geschickt platziert im Preisbereich von um die 60 Euro, bekommt der Kaufinteressent ein in der Regel ziemlich „echt“ wirkendes Abbild seines Erinnerungsstückes. So auch beim Gegenstand unseres heutigen Artikels, dem Audi 80 GLS von 1978 in einer dem originalen Marsrot ziemlich nahe kommenden Farbgebung.

Genau dieses Auto war 1982 als GLE im väterlichen Besitz des Autors und wurde auch von diesem immer wieder gern bewegt, denn es war dessen 2CV in den Fahrleistungen deutlich überlegen und dank des GTI-Motors schon fast ein Sportwagen. Außerdem rühmte der Besitzer den erstaunlich geringen Benzinverbrauch von wenig mehr als acht Litern und reihte diesen Audi in der illustren Reihe seiner persönlichen Auto-Historie zeitlebens auf Rang zwei ein. Der erste Platz seines geliebten DKW 3=6 blieb jedoch immer unangetastet.

1982 sollte der Audi als Hochzeitauto des Autors und seiner Frau dienen und war eine Woche vor dem Ereignis mal gerade nicht in der Garageneinfahrt geparkt. So wurde er Opfer eines spektakulären Unfalls, den ein angetrunkener Nachbar verursachte, der mit seinem Granada quer über die Straße schoss und den Audi frontal mit Wucht auf das dahinter geparkte Auto schob. Flüssigkeit ergoss sich in großer Menge auf die Straße und nicht informierte Zeitgenossen hätten denken können, dass der Audi einen Heckmotor gehabt hätte. Es waren jedoch mehrere für den Festtag bereits im Kofferraum gelagerte Weinkisten, die dem heftigen Aufprall nicht standgehalten und ihren kompletten Inhalt auf die Straße ergossen hatten.

So musste ein anderes Auto für die Hochzeit her und auch der Weinvorrat wurde ergänzt. Und jetzt steht nach mehr als vierzig Jahren genau dieses Auto als präzises Modell auf dem Schreibtisch und mit ihm die ganze dramatische Geschichte. Kein gravierender Fehler irritiert die Erinnerung, denn MCG hat hier ein sehr präzises Abbild des seinerzeit von Giorgetto Giugiaro für Audi entworfenen Mittelklassewagens geschaffen. Giugiaro war der von Ferdinand Piëch favorisierte Designer und schaffte es immer wieder, seine in spektakulären Designstudien realisierten, scheinbar utopischen Designideen in stark abgemilderter Form in pragmatische Serienfahrzeuge einfließen zu lassen. Der lange vordere Überhang und das insgesamt kantige Erscheinungsbild mit milder Keilform, verbunden mit sauberen Detaillösungen, sind Zeugen seiner ebenso kreativen wie sorgfältigen Designsprache, die auch große technische Erfahrung im Karosseriebau erkennen lässt. Hier musste kein Ingenieur halb durchdachte Designlösungen in machbare Kompromisse verwursteln. Wie bei MCG nicht unüblich, gibt es auch von diesem Audi verschiedene Farb- und Ausstattungsvarianten, die jeweils über unterschiedliche Felgen verfügen. Topasgrünmetallic ist die zweite Version, ein CL mit einfacherer Außenausstattung ohne Seitenschutzleisten und mit komplett schwarzen Stoßfängern. Der Dritte im Bunde ist ein weißer, komplett chromloser GTE mit Spoilern vorn und hinten, der auf den auch vom Audi Coupé her bekannten, gelochten Leichtmetallfelgen steht, die ebenfalls weiß lackiert sind. Die Interieurs, und hier besonders das Armaturenbrett mit seiner eigenwilligen Schalteranordnung um den Instrumentenblock herum, und das filigrane Zweispeichenlenkrad aus der vor-Airbag-Zeit, sind sauber ausgeführt, auch wenn bis auf die asymmetrisch auf der Lenkradpolsterung angebrachten Chromringe im Innenraum keine weiteren Farbakzente zu verzeichnen sind. Die Unterseite des Modells beschränkt sich auf reliefartige Andeutungen der Technikkomponenten.

Wir halten hier also einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg der Marke Audi zum dritten anerkannten Premiumhersteller Deutschlands in Händen, der diesem Anspruch bereits in vielerlei Hinsichten gerecht wird – und das auf eine angenehm entspannte Weise, der wir heute oft nachtrauern.

mh

Ist das bieder? Ein solcherart schnell ausgesprochenes Urteil wird der anhaltenden Modernität des seinerzeit sehr fortschrittlich durchdachten Audi 80 B2 nicht gerecht. Schauen wir uns doch die heutigen Nachfolger mal in vierzig Jahren an! Wir verweisen auf die entsprechende Caramini-online– Ausgabe vom 30. Februar 2065.
Modellfotos: bat
Das ist kein Originalwerbefoto von Audi zum Thema kreatives Parken. Es fasst nur geschickt die verschiedenen Modellvarianten von MCG auf einem Foto zusammen.

Steckbrief:

MCG 526 Audi 80 B2 GLS 1978 rot, 525 dito CL grünmetallic und 527 dito GTE weiß. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 €.