1/18

News 1:18 MCG Volkswagen Polo II (Typ 86C)

Der coupégewordene Kleinwagen

Damit macht MCG vielen eine Freude: Der Volkswagen Polo II ist da. Und dank intelligentem Baukastensystem kommt das erste Trio in drei unterschiedlichen Varianten, als roter Fox, als GT und als potenter G40. Alle Drei sind schön. Aber der Fox ist ganz einfach der Lustigste.

Es ist schon erstaunlich, wie Autos ihre Karosseriebezeichnung ändern müssen, nur weil sie Brüder bekommen. Da war der Dreier BMW, eine zweitürige Limousine (sagen die Deutschen), eine Berlina a due porte (sagen die Italiener), die Franzosen nennen es Berline deux portes, die Briten sagen dazu two-door Saloon und für die Amerikaner ist das ein Sedan. Gemeint ist mit diesen Worten stets das Gleiche. Dann kam der Dreier-E30, und ihn gab es optional als Viertürer. Und bei seinem Nachfolger E36 war der Viertürer das Volumenmodell. Der Zweitürer, nach wie vor erhältlich, war dann aber keine zweitürige Limousine mehr, wie zuvor, sondern wurde zum Coupé befördert. Ebenso erging es dem VW Polo, als typischer Schrägheck-Kleinwagen geboren. Der zweite Polo hatte ein kombihaftes Steilheck. Das gefiel nicht jedem, und so kam auch ein „normaler“ Polo mit schrägem Heck. Und der wurde auch „Coupé“ genannt. Das mag gemäß allgemeiner Coupé-Definition sogar zutreffen. Aber für das Empfinden des Betrachters trifft es nicht zu.

Diesen zweiten Polo mit schrägem Heck, also das Polo Coupé, macht nun MCG. Ein ungemein populäres Auto zu seiner Zeit, das man damals lieb hatte. Heute ausgestorben. Es weiß noch nicht so genau, ob es ein Young- oder ein Oldtimer sein soll (obgleich es natürlich auch dafür eine Definition gibt), und so sonderlich viele Überlebende existieren gar nicht. Wer hat schon einen Polo aufgehoben, des Aufhebens wegen? Wohl kaum jemand. Die paar Exemplare, die noch unter uns sind, haben allenfalls durch Zufall überlebt, weil sie behutsam bewegt wurden. Oder gar nicht bewegt, sondern in einer Garage in Vergessenheit gerieten. Jedenfalls sind die kleinen Dinger selten. Umso erfreulicher, dass MCG sich und uns ihrer erinnert – und das gleich in drei Versionen (und – Achtung Spoiler! – auch der Vorgänger ist in der MCG-Pipeline, der Ur-Polo mit seinem edlen Audi-Brüderchen. Auf der Spielwarenmesse waren Gräulinge, also Modellauto-Prototypen, zu sehen).

Für Hausfrauen, Halbstarke und gehobene Töchter

Die jungen Wilden liebten den Polo G40, die Hausfrauen den Standard-Polo, die gehobenen Töchter bekamen einen Polo Fox zum Abitur. Die Zeugen Jehovas verteilten ihre Zeitschrift Der Wachtturm aus dem Kofferraum eines Stufenheck-Polo, der sich Derby nannte, und generell hatte man im Steilheck-Polo hinten mehr Kopffreiheit als im Schrägheck, aber mehr Platz für Rumpf und Beine hatte man dennoch nicht. Das Kofferraumvolumen war im Schrägheck kleiner als im Steilheck, was sich durch darstellende Geometrie leicht erklären lässt. Welcher schöner war, ist Geschmackssache, bis heute. Ob ein VW Polo überhaupt hübsch war, ist ebenfalls umstritten. Ein typisch deutscher Kleinwagen eben, streng, vernünftig, kantig. Wer für sein Design verantwortlich ist, ist nur bruchstückhaft überliefert. Das Styling entstand unter der Ägide des Designchefs Herbert Schäfer, und konkret gezeichnet hat den Polo II wohl Luca Rezzonico. Ein Italiener, der ganz im deutschen Stil zeichnete.

Rotfuchs, schwarzer G40 und blauer GT

MCG widmet sich also des Schrägheck-Polos, des Polo Coupé, und variiert das Thema durch unterschiedliche Anbauteile. Es gibt drei Felgenarten sowie den Grill mit Einzel- und mit Zusatzscheinwerfern. Das Modell ist gut getroffen, passt von vorne bis hinten, unten und oben, rechts und links – ein fein gestalteter Polo mit ein paar sehr netten Details wie vordere und hintere Abschleppösen oder separat eingesetztes Kofferraumschloss. Auch die unterschiedlichen Felgen sind prima umgesetzt, die Standard-Stahlfelgen beim blaumetallicfarbenen GT (Kometenblaumetallic LB5V), die zweifarbig rot-weißen Plastikradkappen beim roten Fox (Tornadorot LY3D) und wieder andere Stahlfelgen mit kleinen Kappen beim schwarzen G40, der bei genauer Betrachtung gar nicht schwarz ist, sondern tiefstes Dunkelblau. Je nach Version sind die Modelle unterschiedlich dekoriert, der Blaue mit einem roten Streifen entlang der Seitenscheiben, der Fox mit einem weißen Doppelstreifen plus „Fox“-Schriftzug an den Flanken – sein „GT“-Schriftzug hinten ist passiert, hätte nicht sein sollen. Da war der Eigentümer besonders stolz auf sein Füchslein und machte selbständig einen Fox GT daraus. Der Clou ist aber die Innenausstattung beim Fox, zwar hellgrau gehalten, die Sitzflächen aber vorwiegend rot. So waren sie, die Füchslein! Und genau das gefiel den jungen Damen. Ihre Väter hingegen schwadronierten von „Roten Socken“. Der G40 ist der absolute Muskelpolo, 116 PS stark, und der Fox ist der schwächste mit 40 Pferdchen – ein breitres Spektrum deckt MCG ab.

Das sind wirklich schön getroffene Modelle, und sie zielen genau ins Herz derjenigen Kohorte, die mit diesen Autos groß geworden sind, deren Mütter sie als Zweitwagen fuhren und sie durften sie nach bestandenem Führerschein nutzen. Was den Älteren der Käfer war, ist den Jüngeren der Polo: oftmals das erste Auto. Und wir können Rod Stewart nur recht geben: „The first Cut is the deepest.“

afs

Die bunte Vielfalt des zweiten Volkswagen Polo: rotes Füchslein, kometenblauer GT und schwarzer G40, unterschiedlich begrillt und berädert, auch unterschiedlich dekoriert – einfach sympathische Modellautos.
Modellfotos: bat
Vorbild und Modell aus gleicher Perspektive, nämlich aus der ersten Etage herab fotografiert: VW Polo II als Sondermodell Fox, das später zum Serien- und Einstiegsmodell wurde.
Foto: Archiv afs
Schwarzweiß-Werbefoto des Topmodells, des GT G40 mit knackigen 116 PS und stilistisch etwas umstrittenem Felgendesign.
Foto: Volkswagen/Archiv afs

Steckbrief:

MCG 523 Volkswagen Polo II Coupé Fox 1985/86 (1985 Sondermodell, ab 1986 Serienmodell) rot, 522 Polo II Coupé GT 1985 blaumetallic, 524 Polo II GT G40 1987 schwarz. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 Euro.