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News 1:18 Norev Alfa Romeo 2000 Veloce Spider 1973

Ein absoluter Klassiker

Von der bella Signorina im Alfa-Spider-Prospekt haben wir als Jungs alle geträumt. Falls der Alfa selbst nicht schon erstrebenswert genug gewesen wäre, so hätte die Dame den Ausschlag gegeben. Norev bringt seinen gelungenen Alfa 2000 Spider Coda Tronca endlich in einer neuen Farbe, in klassischem Argento Indianapolis mit Campagnolo-Alufelgen.

Das „Graduate Car“ aus dem Film Die Reifeprüfung, also der Alfa Rundheck Spider alias Duetto, wurde nach vier Jahren Bauzeit vom Fastback Spider ersetzt. Dieser hatte eine lange Lebensdauer, 14 Jahre lang bis 1983 lief er im Alfa-Werk Arese vom Band. Diese „Fabbrica“, die Stabilimento di Arese in Mailand, wurde Anfang der 60er Jahre errichtet und war damals die modernste Produktionsanlage Italiens. 2005 war Schluss mit Arese, kurz darauf schloss auch das Firmenmuseum auf demselben Gelände. Ein Gebäude aus dem Komplex existiert noch heute, das ehemalige Verwaltungsgebäude von 1969, und hier ist seit 2014 das Werksmuseum untergebracht. In den letzten Jahren seines aktiven Lebens verfiel das Werk zusehends, die Atmosphäre war trostlos, aus Geldmangel wurde an allen Ecken und Enden improvisiert und im Museo Storico regnete es durch die Decke auf die historischen Alfas. Ein Teil des Museums hatte die alte Teststrecke als Decke, und über diese Teststrecke donnerten auch Iveco-Zugmaschinen. Das gab dem Museumskeller den Rest.

Als Arese in seiner Blüte stand, lief dort auch der Fastback Spider vom Band, und während der Vorgänger den Spitznamen Ossa di Sepia (Rückenschulp des Tintenfischs) verpasst bekam, hieß die zweite Serie Coda Tronca (abgeschnittener Schwanz). Auch nicht nett… Dabei war der „Schwanz“, also das Heck, gar nicht abgeschnitten, sondern ganz einfach anders gestaltet, im Fastback-Stil. Aber es stimmt, kürzer wurde der Spider dadurch, um optisch deutlich wahrnehmbare 13 Zentimeter. Gut tat der sportlichen Optik, dass die Windschutzscheibe stärker geneigt war und nicht mehr so steil im Wind stand, und die verstärkten Stoßstangen waren nun nicht mehr reine Zierde, aber ausgehalten haben sie dennoch nichts. Technisch tat sich nicht allzu viel, Zweikreisbremsanlage, hängende statt stehender Pedale. Der Sicherheit diente ein größeres Heckfenster im Verdeck, und der Sicherheit diente natürlich auch das Fastback: Endlich sah der Fahrer, wo sein Auto hinten aufhörte. Der Rost raffte die 70er-Jahre-Alfas reihenweise dahin, davon war der Spider nicht ausgenommen.

Vom Vorgänger erbte der Fastback Spider die Doppelnockenwellenmotoren: 1300 Junior mit 87 PS, 1600 (nun auch Junior genannt) mit 109 PS und 1750 Veloce mit 113 PS. Als Topmodell kam 1971 der 2000 Veloce mit 131 PS, ein neu konstruiertes Aggregat. Neue Abgasbestimmungen ab 1976 kastrierten die Motoren, der 1300er entschlief, der 1600er kam noch auf 103 und der 2 Liter auf 126 PS. Gebaut wurde der Fastback Spider bis 1983, dann vom Spider Aerodinamica mit unschönen Gummispoilern abgelöst.

Die Signorina im Prospekt…

Der Fastback Spider war einer unserer Jugendwünsche, im Verkaufsprospekt in betörendem Dunkelbraunmetallic mit hellbeigefarbener Innenausstattung und ebensolchem Verdeck abgebildet, als Fotomodell eine dunkelhaarige Signorina, die uns noch mehr träumen ließ. Man blätterte und blätterte, man begleitete die Lady bei ihrer Freizeitbeschäftigung, beim Reiten, beim Tennisspielen, sie golfte und sie fuhr natürlich Alfa Spider. Ach…! Bis zuletzt bot der Alfa Spider völlige oben-ohne-Freiheit, unberührt von jeglichem Überrollbügel, und spätestens Ende der 70er Jahre hatte er ein nostalgisches Flair. Der Motorsound ist Legende, der Alfa ist ungemein fahraktiv und sein Fünfganggetriebe schaltet sich präzise, ein Alfa Spider hat absolutes Suchtpotenzial. Zischen 1969 und 1983 wurden 31.000 Exemplare in Arese gebaut.

Mitten in der ungemütlichen Jahreszeit, wenn alle großen Spider in ihren Garagen überwintern, erfreut uns Norev mit einer Farbvariante seines Coda Tronca. Den kennen wir seit Ende 2023, sealed, lenkbar. Norev hat von Anfang an zwei Felgentypen angeboten, die Serien-Stahlfelgen mit kleinen Chromradkappen oder die Campagnolo-Alus, die es als Werksoption gab, außerdem variiert Norev die Scheinwerfer, mal mit, mal ohne Plexiglasabdeckung. Der Neue in Silbermetallic (Argento Indianapolis AR 737) mit schwarzem Interieur trägt seine Campagnolos mit Stolz, und die Scheinwerferabdeckungen definieren ihn als Baujahr vor 1976. Das Interieur offenbart alles, auch wenn es schwarz ist. Das Schwarz ist leider plastikschwarz, nicht lackiertes Schwarz. Doch die Bedruckung verleiht Wertigkeit, die Gurtschnallen tragen ein rotes Pünktchen, die gut skalierten Armaturen sind „hinter Glas“, schönes Dreispeichenlenkrad mit dunkelbraunem Holzkranz, und immer wieder klasse ist die Anordnung des Schalthebels an einer Position, die man bei Jahrzehnten später erschienen Vans und Transportern „Joy Stick“ nennt. Die Form ist einwandfrei getroffen, doch manche Details sind einfacher, als man sich das wünschen mag, was dem Preis geschuldet ist. Dennoch sind angegossene vordere Seitenblinker mit einem orangefarbenen Tüpfelchen oder formintegrierte, lediglich gesilberte Türgriffe nicht gerade State of the Art. Und die Pins in den Rückleuchten können wir auch nur mit viel gutem Willen als Glühlampen schönreden. Aber das sind Details. Auf das große Ganze kommt es an, auf Dimensionen und Proportionen. Die stimmen alle. Außerdem sind den vereinfachten Details auch schön gemachte entgegenzusetzen, so die perfekten Alus, der Scudetto mit feinem Alfa-Logo, die chromgeprägten Schriftzüge, die von Glas bedeckten Armaturen, die akkurat geschwärzten Luftschlitze vor der Windschutzscheibe.

Der Norev Coda Tronca ist ein schönes Modell. Wem er zu einfach ist, der möge zum antiquarischen Minichamps-Modell greifen, 2002 erschienen, all open, geht antiquarisch bei rund 200 Euro los. Den Norev gibt es für deren 70.

afs

Benvenuto Coda Tronca! Er begleitete Generationen träumender Jugendlicher, fahraktiver Jungmänner und die Herzallerliebsten wohlhabender Herren im Straßenbild und betörte durch Optik und Sound.
Modellfotos: bat
Weit gereist: Alfa 2000 Spider Coda Tronca in Argento Indianapolis, aufgenommen im Oktober 2023 in Japan beim Classic Car Meeting in Ibigawa, mit japanischer Zulassung.
Foto: 先従隗始
Diese junge Dame begleitet uns beim Durchblättern des 1981er Spider-Prospektes über 20 Seiten. Sicher ist sie nicht alleine für die Popularität des Autos verantwortlich Aber sie hat ihren guten Teil dazu beigetragen.
Quelle: Archiv afs

Steckbrief:

Norev 187884 Alfa Romeo 2000 Veloce Spider 1973 silber. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. Geschlossenes Verdeck beiliegend. UVP 69,95 Euro.