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News 1:18 Norev Volkswagen T5 California Comfortline

Hotel California

Es gibt den T4 von Schuco und den T6 sowie T6.1 von NZG und dazwischen klaffte eine Lücke. Norev schließt sie mit dem VW Bulli T5. Sehr löblich! Er ist bereits als Lieferwagen und Multivan erschienen, nun steht er als Campingwagen California auf dem schwarzen Schreibtisch.

Bulli-Fans sind verwöhnte Leute. In 1:18 gibt es kaum etwas, das es nicht gibt. Die Heckmotorigen sind sowieso inflationär verbreitet, weil jeder von ihnen das Zeug zum Bestseller hat, und die Frontmotorigen sind gewaltig im Kommen. Schuco hat sich in 1:18 des T4 angenommen, dessen California hat ein aufstellbares Dach. Den T6 und T6.1 macht NZG als Modell für den gehobenen Anspruch, mit vielen innerlichen beweglichen Teilen zur Befriedigung des Spieltriebs. Die Lücke dazwischen hat nun Norev geschossen mit einem äußerst professionell konstruierten Modell, das aber keine konstruktiven Höhepunkte bietet. Was kann es nicht? Es federt nicht, es gibt keinen Blick in den Motorraum preis und die Innenausstattung ist starr, Sitze und Armlehnen unbeweglich.

Sehr schön ist, dass Norev am California die zweite, linksseitige Schiebetüre weggelassen hat, die der Multivan aufwies und die dadurch bestach, dass sie sich im Gegensatz zur rechten nicht öffnen ließ. Überhaupt ist der California nicht nur innen ein anderes Modell als der Multivan. Angedeutet wurde auch das aufstellbare Dach – wenngleich nicht aufstellbar umgesetzt. Die Tatsache, dass der Norev California innen starr ist, mag zwar dem Spieltrieb zuwiderlaufen. Dafür ist er rundweg schön umgesetzt, und das viele Gelb im Inneren (plus ein wenig ich-bin-hochwertig-Holz am Armaturenbrett und an den Türverkleidungen, verbunden mit der damaligen Trendfarbe Ravennablau Metallic A5W, transportiert viel Jahrtausendwende-Zeitgeist in die Gegenwart. Und auch wenn man die mangelnde Öffnung der Motorhaube beklagen mag (Hand aufs Herz: Wer will schon den verkapselten Fünfzylinder-Diesel sehen, den VW darunter gepackt hat?), so sind jene Teile, die funktionieren, gut durchdacht: Die Schiebetüre wird durch kleine Magnete gehalten (Achtung: Kobalt, Mangan, menschenverachtender Abbau!). Funktioniert sehr gut, ohne dass die Optik leidet. Natürlich sieht man die beiden kleinen, runden Magnete bei geöffneter Schiebetüre. Das ist aber tausendmal besser, als eine labbrige, lotterige, schief sitzende Schiebetüre. Und dann erneut der Widerspruch: Die Schiebetüre klasse umgesetzt, aber die Seitenblinker nur als Druckwerk…

Norev macht den T5, der eine 21jährige Karriere erlebte, bis er 2024 als T6.1 nach diversen Facelifts entschlief, in der 2003er Ursprungsversion. Die Campingversion California stammt nicht von einem externen Campingausstatter à la Westfalia, sondern wurde vom Werk in Eigenregie ausgebaut, und zwar von der Volkswagen Group Services im Hannoveraner Stadtteil Limmer. Ein riesiger Erfolg, für eine breite Mehrheit der ideale Camper, alltags- und freizeitgeeignet, eine Kreuzung aus Van und Camper, ein Multitalent und meist geordert mit dem 2,5-Liter-Turbodiesel mit 130 oder 174 PS (anfangs stand für den California kein Benzinmotor zur Verfügung, erst nach der 2009er Modellpflege). Obendrein sein Image: Kaum ein Volkswagen hat solch ein gutes wie der „Cali“ – wie ihn seine Fans liebevoll nennen. Und obgleich er stets sündhaft teuer war, auch als Gebrauchtwagen, erregt man mit einem VW Bulli Camper kurioserweise keinen Sozialneid. Es gab zwei California-Ausstattungslinien, Beach und Comfortline, letzterer mit Küche und Geschränk komplett als Camper eingerichtet und das Vorbild für das Norev-Modell.

Alleine schon die Farbe und die aus heutiger Sicht etwas exotische Inneneinrichtung in Hellgrau mit gelben Möbeln und Sitzflächen machen den Norev California attraktiv. Das ist die luxuriöseste Version eines Volkswagen T5, die personenwagenartigste. Es ist gut, sogar sehr gut, dass Norev sich des VW T5 angenommen hat und eine wichtige Lücke schließt. Daraus wird eine ganze Modellfamilie, vom Standard-Transporter über den Multivan bis hin zum Camper, und gerade der Transporter lässt eine Menge schöner und zeitgenössischer Werbebeschriftungen zu. Als nächstes kommt er erst mal als Kommunalfahrzeug und als gelbes Postauto.

afs

Der „Cali“ ist nicht nur ein Camper, sondern eine Lebenseinstellung. Er war und ist teuer, aber mit dem Erwerb kauft man sich quasi zwei Autos, ein Alltags- und ein Freizeitfahrzeug. Und der geringverdienende Nachbar ist nicht mal neidig.
Modellfotos: bat
Blicke ins Hotelzimmer. Nein, keine Toilette, nein, keine Nasszelle. Es ist und bleibt ein VW Bulli! Aber sonst alles, was man sich wünscht, in qualitativ sehr guter, weil serieller Fertigung. Da knarzt nichts. Auch beim Modell nicht.

Steckbrief:

Norev 188607 Volkswagen T5 California Comfortline 2003 dunkelblaumetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 109,95 Euro.