Der Schrumpf-Mustang
Einst solch ein stolzes Fahrzeug. Das Ponycar schlechthin. Der Ford Mustang. Nach dem Höhepunkt des allgemeinen Wachstums schrumpfte er, für US-Verhältnisse und für den US-Geschmack, zu unwürdiger Größe (oder Kleinheit), weil Ford radikal gegensteuerte. Ixo bringt den kleinen Mustang II im gefährlichen Cobra-Look.
Mythos Mustang – der Wagen, der die US-Autogewohnheiten veränderte, das erste „Pony Car“. Das Rezept war so genial wie einfach: Man nehme ein unspektakuläres Mittelklassefahrzeug als Basis und schaffe darauf eine betörende Karosserie. So kreiert man einen Bestseller! Als der Tag des offiziellen Verkaufsstarts, der 17. April 1964, endete und die Ford-Autohäuser USA-weit ihre Eingangstüren schlossen, waren 22.000 Ford Mustang verkauft. Der zweite Mustang 1967/68 sieht fast so aus wie der erste, ist aber vorne herum ein wenig größer, damit größere Motoren Platz haben. 1969/70 lief die dritte Version vom Band, und von Version zu Version wuchs der Mustang, aber das Grunddesign blieb unangetastet, jeder Mustang war sofort als solcher zu erkennen.
Und dann noch Cobra, und dann noch Carroll Shelby – dieser Name klingt wie Magie. Seine Cobra ist und bleibt Kult, und seine getunten Ford Mustang mit irre großen Motoren begeistern bis heute – so sehr, dass Ford die Tradition beim aktuellen (Retro-) Mustang fortsetzt. Auf Basis des ersten Mustang, also von Modelljahr 1964 ½ bis 1966, gab es erste offizielle Shelbys, von ihm getunte Fahrzeuge, sowohl für den Racetrack als auch für die Straße. Richtig los ging es mit der zweiten Mustang-Auflage ab Modelljahr 1967. Größer, stärker, fetter: Der 1971er Mustang, die vierte Generation, war arg gewachsen. Das wurde nicht allgemein begrüßt, selbst in den USA nicht. Die Karosserie wuchtig, die Fenster klein, und die Agilität des Ur-Mustang war eine verblassende Erinnerung an bessere Tage. Gebaut wurde der vierte Mustang nur drei Jahre lang, von 1971 bis 1973.
Dann kam der Mustang II, dem seine Fans bekümmert in die Augen blickten, der das Attribut „jämmerlich“ erhielt, der 70er-Jahre-Mustang von 1973 bis 1978. Er war ein völlig neues Auto und hatte eine ganz andere Basis als bisher, keinen Mittelklasse-, sondern den Kleinwagen Ford Pinto. Er war nicht viel größer als ein Ford Capri oder Opel Manta, aber natürlich amerikanischer. Dabei aber dimensional so wenig amerikanisch, dass eben jene Klientel in Europa, die Ami-Autos liebt, ihn verschmähte. Als Ford T5 über deutsche Ford-Händler angeboten, war er der absolute Flop. Und das Allerschlimmste: Anfangs gab es für den Mustang II nicht mal einen V8. 35 cm kürzer und 12 cm schmäler als sein Vorgänger, absolut geschrumpft, und angetrieben von einem 2,3-Liter-Vierzylinder und einem 2,8-Liter-V6. Trübe Aussichten für Mustang-Fans, die Gebrauchtwagenpreise für bisherige Mustang stiegen und stiegen. Es gab den Mustang II als Stufenheck-Coupé und als Fastback mit großer Klappe, die Luxusversionen hießen Ghia, sportlich aufgemacht hörte er auf Mach I. Ab 1976 Sportfahrwerk und für den Fastback das Cobra-II-Paket, das den traditionsreichen Namen vergewaltigte. Carroll Shelby hatte damit rein gar nicht mehr zu tun. Immerhin schaffte es dieser Jammer-Mustang zum Stückzahl-Millionär. Der Mustang III mit seinem Schwestermodell Mercury Capri knüpfte ab 1979 wieder an alte Glorien an und war ein Mustang, wie er sein sollte. Dem Mustang II weinte niemand eine Träne nach.
Das automobile Jammertal schön miniaturisiert
Träne hin oder her, alt ist er geworden, und das setzt die Szene mit erhaltenswert und wertvoll gleich. Der Mustang II hat seine Freunde – und wenn es nur die alt Gewordenen sind, die ihn seinerzeit als Neu- oder Gebrauchtwagen fuhren. Außer Tomica-Dandy in Japan setzte sich kein Miniaturautohersteller zeitgenössisch mit ihm auseinander, aber das Tomica-Modell war und ist sehr gut. Nun kommt Ixo mit einem Fastback-Mustang-II mit Cobra-Paket, und das ist durchaus eine willkommene Angelegenheit. Der Wagen ist tiefschwarz lackiert, trägt Front- und Heckspoiler, dazu eine mächtige (Fake-) Lufthutze auf der Haube, Lüftungsschlitze statt hinterer Seitenscheiben und stylische Vollchromfelgen im Wolfrace-Look. Und dazu das Cobra-II-Outfit, und das hat es in sich, vor allem kombiniert mit Schwarz innen und außen: Breite rote Streifen, eingerahmt von schmalen orangefarbenen Streifen, sowohl über Motorhaube, Dach und Heckklappe als auch an den Flanken, dort mit riesigem „Cobra“-Schriftzug versehen. Das macht was her und symbolisiert das ganze Wesen des Autos: mehr scheinen als sein.
afs


Modellfotos: bat


Foto: Archiv Ford-Dearborne

Foto: Archiv Ford-Dearborne
Steckbrief:
Ixo CLC599 Ford Mustang II Cobra Fastback 1976. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP 24,95 Euro.