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News 1:43 Ixo Tatra T600 Tatraplan 1948

Von Kopf bis Fuß auf Tatra eingestellt

Ixos neuer Tatraplan ist ein automobiler Narziss im Balzmodus, auf die Spitze getriebene Buntheit – aber edel, stolz, selbstbewusst. Vom Tatraplan sind wir rundweg begeistert – in 1:echt wie in 1:43.

Faszination Tatra. Mindestens so ungewöhnlich wie der große Citroën. Und die Klientel der Tatra- und der Citroën-Liebhaber ist auch ähnlich. Sie schlagen sich auf die Seite des automobil Ungewöhnlichen, weitab vom Mainstream, und ihr Enthusiasmus geht keine Kompromisse ein. Wer dem Tatra oder dem Citroën verfallen ist, landet nicht zufällig beim Opel oder Mercedes oder Lada. Nein, sie sind von Kopf bis Fuß auf Tatra oder Citroën eingestellt. Das ist ihre Welt. Und sonst gar nichts.

Hans Ledwinka, der geistige und konstruktive Vater des Stromlinien-Tatra der 30er Jahre, des legendären Heckmotor-V8-Konzepts, des Zentralrohrrahmens, war nicht mehr da, als der Neubeginn nach dem Krieg anstand. Ihn hatten die Kommunisten enteignet und in einem Schauprozess verurteilt, weil er es versäumte, rechtzeitig zu fliehen. Und doch war er noch da. Bei der Konstruktion der ersten Nachkriegs-Neukonstruktion von Tatra, dem T600 Tatraplan, konnte man nicht auf ihn verzichten, und aus dem Gefängnis heraus, während seiner Haft, half er seinem staatlich eingesetzten Nachfolger Julius Mackerle bei der Konstruktion. Nach seiner Zeit im Gefängnis verließ er 1954 die ČSSR in Richtung München, wo er 1967 starb. Nach der Sanften Revolution, also dem Systemwechsel, wurde Ledwinka 1992 vom Obersten Gericht der ČSFR vollständig rehabilitiert. Nur hatte er davon nichts.

Der Tatraplan galt als Nachfolger der 1939 eingestellten Typen Tatra 97 und seiner 1946 modernisierten Version Tatra 107, quasi der kleinere Bruder des legendären Tatra 87 mit seinem Achtzylinder im Heck. Der 97/107 war nach demselben Muster gestrickt, aber ein Mittelklassewagen mit Vierzylinder-Boxermotor mit 1,8 Litern Hubraum und 40 PS, konstruktiv eindeutig das Vorbild von Ferdinand Porsches Volkswagen. Der Typ 107 nach dem Krieg war im selben Design gehalten, aber etwas länger, der neu konstruierte Vierzylinder-Boxer hatte 1,8 Liter und 48 PS.

1947/48 entstand dann der T600 alias Tatraplan, ebenfalls im Vorkriegs-Aerodynamik-Stil, alles fließend, vollständig ausgeprägte Pontonform, 6342 Exemplare zwischen 1948 und 1952, ein Exporterfolg, vor allem in Österreich. Der Name „Tatraplan“ ist doppeldeutig und erinnert einerseits an die in der ČSSR nun vorherrschende Planwirtschaft, andererseits an die karosseriemäßigen Ähnlichkeiten zum Flugzeug, das im Englischen „Airplane“ oder „Aeroplane“ heißt. Der Tatraplan war eine völlige Neukonstruktion im bisherigen Stil, aber weit moderner mit neuem Motor, Einzelradaufhängung vorne, hinten Pendelachse mit Drehstabfederung und eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit einem sensationell günstigen cw-Wert von 0,32 – somit gut für Tempo 140 auf der Autobahn. Tatra verdiente gut an ihm, die hohe Exportquote sorgte für notwenige Devisen, Sporterfolge erhöhten das ohnehin gute Image. 1951 erfolgte eine planwirtschaftliche Fehlentscheidung, nämlich die Verlegung der Tatraplan-Produktion weg vom Tatra-Werk in Koprivnice, wo nur noch LKW hatten gebaut werden sollen, hin ins Škoda-Werk nach Mladá Boleslav. Die dortigen Werker allerdings, stolz auf das eigene Produkt, sabotierten den Tatra, was für erhebliche Qualitätsmängel sorgte, ja es gab sogar Murren und Unruhen im Škoda-Werk. Deshalb wurde beschlossen, den Tatraplan nach nur einem Produktionsjahr in Mladá Boleslav einzustellen – obgleich er noch eine glückliche und fruchtbare Zukunft vor sich gehabt hätte.

Schuppen im Lack

Der Ixo-Tatraplan ist ein alter Bekannter, bekannt aus Kioskserien, bekannt als Fachhandelsmodell. Neu ist seine Farbe, ein helles Blaumetallic. Metalliclacke werden gemeinhin als Produkt der (amerikanischen) 60er Jahre gesehen und seither sind sie populär. Aber gegeben hatte es sie bereits in den 30ern. Damals wurden Unilacken gemahlene Fischschuppen beigemischt, die für den Effekt sorgten, und man sprach damals französisch von Métalliséelacken, nicht englisch von Metalliclacken. Aus dieser schuppigen Ära rühren Farbnamen wie Fischsilbermetallic. Bereits in den 50er Jahren werteten auch deutsche Allerweltshersteller wie Volkswagen und Ford ihre Käfer und Weltkugeln mit Metalliclacken auf. Einschichtlacke waren das damals, die jeden Samstag eine aufwendige Politur einforderten, um so schön glänzig zu bleiben. Spätestens in dritter Hand, wenn der Eigentümer mehr fahren als polieren wollte, verstumpften und ermatteten die Metalliclacke. Am Ixo-Tatra sieht der Metalliclack hervorragend aus – ein richtig prächtiges Modell mit edlen Weißwandreifen, ein leuchtender Pfau, selbstbewusst bis zur Selbstverliebtheit, ein automobiler Narziss im Balzmodus. Ganz klasse! Und er unterscheidet sich vom Original. Denn man muss ihn dank Klarlacküberzuges nie polieren.

afs

Eine Form wie ein Regentropfen, geteiltes Rückfenster und Aerodynamik-Finne am Heck: Ixo hat die charakteristische Tatra-Form vorbildlich wiedergegeben.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Ixo CLC594 Tatra T600 Tatraplan 1948. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. Preis 24,95 Euro.