Indischrot und Luganoblau
Klug ist, bei einer Neuheit zuerst den Massengeschmack zu bedienen und mit den Leckerlis zu warten. Minichamps eröffnet den Reigen der aktuellen Elfer-Generation 992/II mit dem Cabriolet in eher unspektakulären Farben. Und doch ist die Porsche-Farbe schlechthin darunter: Indischrot. Das kostet „in echt“ mittlerweile sogar Aufpreis.
Minichamps-Neuheiten in 1:43: früher eine nicht erwähnenswerte Selbstverständlichkeit, heute fast schon eine Sensation – wenn es kein Porsche wäre. Porsche in 1:43 sind bei Minichamps nach wie vor präsent. Andere Dreiundvierziger? Keine Neuentwicklung im Jahre 2025, die bis dato letzten Formneuheiten kamen 2024 (BMW E3 Limousine, aktueller BMW M3 und M4, Audi RS6 Avant). Die letzten Wiederbelebungen früherer Modelle unter dem Maxichamps-Label erschienen im Hochsommer, also vor einem halben Jahr. Auch wenn die Modellautoproduzenten unisono behaupten, 1:43 sei nicht mehr nachgefragt und ein Auslaufmodell, so lehrt die empirische Evidenz etwas anderes. Ein Blick auf Ebay genügt, um zu sehen, wie stark der Maßstab nachgefragt ist und wie teuer manche noch gar nicht so alte, jüngst ausverkaufte Modelle sind. Nein, der Grund liegt wo anders, aber das wird so nicht kommuniziert: An einem sealed 1:18er verdienen die Hersteller schlichtweg mehr als an einem 43er, und er macht optisch wegen seiner schieren Größe mehr her. Der Konstruktionsaufwand bei einem rundum geschlossenen Modell ist bei einem 18er nicht viel höher als bei einem 43er, die Mehrkosten beim Material halten sich in Grenzen, diejenigen bei der Verschiffung auch. Aber der Verkaufspreis ist mindestens doppelt so hoch, und damit auch der Gewinn. So einfach ist das.
Jedenfalls kommen nun wieder neue Elfer von Minichamps, logische Modelle, auf die man hätte wetten können in der Gewissheit, die Wette zu gewinnen. Wenn Porsche eine neue Generation Elfer oder auch ein Facelift einer bestehenden Generation bringt, so folgt Minichamps gleichzeitig oder zeitnah in 1:18 und in 1:43. Nun wurde 2024 aus dem Typ 992 der modifizierte Typ 992/II, was Minichamps im Porsche-Auftrag nachvollzieht, und nach den Industriemodellen folgen die Fachhandelsversionen. Als erste Version ist das 911 Carrera GTS Cabriolet an der Reihe, eben erschienen in Indischrot und in Luganoblau, beides Unilacke (trotzdem jeweils 1975 Euro Aufpreis), beide innen schwarz, unterschiedliche Felgen in unterschiedlichen Farben. Der Rote trägt die Carrera-GTS-Serienfelgen in seidenmattem Schwarz, der Blaue die Carrera-S-Räder in Silber, dahinter jeweils rote Bremssättel. Das Interieur ist rein schwarz, also absolute Serienausstattung, und leider von Minichamps in „Naturplastik“ gehalten, also nicht lackiert. Aber da werden sicherlich ganz andere Farbkaliber noch erscheinen, es gibt mehrfarbige Interieurs und faszinierende Innenausstattungspakete (Exclusive Manufaktur, Pascha), dazu Sitzakzentuierungen.
Die Beiden sind der Vorgeschmack, weitgehend serienmäßig, unspektakulär. Wichtig sind sie für jenen Sammler, der nicht warten kann und alles Neue sofort braucht. Mit Sicherheit wird Minichamps auch beim 992/II ein Farbfeuerwerk zünden und so manche Paint-to-Sample-Lackierung bringen. Das Cabriolet ist eben der Schrittmacher für die neue Generation, die peu-à-peu in weiteren Karosserie- und Ausstattungsversionen kommen wird.
afs


Modellfotos: bat
Steckbrief:
Minichamps 64130 Porsche 911 Carrera GTS (Typ 992/II) Cabriolet 2025 rot und 64131 dito dunkelblaumetallic. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. Auflage je 336 Exemplare. Preis je 59,95 Euro.