Andere Maßstäbe

News 1:45 Märklin Krupp LF501 Lastzug mit Plane (Replika)

Echter und guter Stoff

Echter Stoff, ja echt guter Stoff: Eine Stoffplane auf dem Lastzug. Das sieht hübsch aus und ist bei Miniaturautos ungewöhnlich. Märklin bringt seinen Krupp LF501 aus den 60er Jahren als Lastzug mit Plane in seiner Replika-Serie in attraktiver Farbgebung. Und eben mit Stoffplanen.

Plastik kann jeder. Seit 75 Jahren. Plastik ist allgegenwärtig an Miniaturautos. Plastik muss aber nicht sein. Nicht an einem Märklin-Modell aus der 8000er-Serie. Ja, zugegeben, die Windschutzscheibe des Mercedes 190 SL ist aus Zellon und Märklin wusste in den 50ern, was Plastik ist. Und dennoch: Ein Märklin-Modell der 80000er-Serie wird mit gutem Zinkdruckguss, einer Blechbodenplatte und mit aus Aluminium gedrehten Felgen assoziiert, so muss es sein. Und wenn eine Plane auf eine Lkw-Pritsche muss, bei einem Replika-Modell, so wäre Plastik schnöde, banal, trivial, ja erbärmlich und wertlos. Das muss nicht sein (so wenig, wie klumpiger, peppiger Reis – der muss auch nicht sein). Und so entschied sich Märklin, die Chinesen eine Stoffplane für den Laster und seinen Hänger produzieren zu lassen. Nicht das erste Mal, wie überhaupt der Krupp LF501 nicht das erste Mal als Replika-Modell erscheint. Es gab ihn bereits als Solo-Lastwagen in hellem Grauweiß, ebenfalls mit Stoffplane, Türen und Plane mit „Märklin“ rot beschriftet (Nr. 18036 von 2020), als roten Lastzug mit schwarzem Chassis und ohne Plane (Nr. 18035 von 2017), sowie, weit zurückliegend im Jahre 2009, als hellgrauen Solo-Lastwagen, ganz so wie das zeitgenössische Original. Und nun erscheint er als unbeschrifteter Lastzug in dunklem Blau mit rotem Chassis und grauer Stoffplane als Märklin-Insider-Jahresmodell 2025.

(Nicht) nur für Insider

Der Krupp ist das Märklin-Insider-Jahresmodell 2025. Was bedeutet das? Er ist reserviert für Märklin-Insider-Club-Mitglieder, aber viele engagierte Händler bringen ihn auch in den allgemeinen Verkauf. Es sollte kein Problem für Outsider sein, das Insider-Modell zu bekommen, aber eher beim Modellbahn- als beim Modellauto-Fachhändler. Der Insider-Club ist ein Werksclub zur Kundenbindung und beinhaltet regelmäßige Magazine, Clubmodelle, Rabatte und Sonderaktionen für derzeit 89,95 Euro Jahresbeitrag.

Krupp erlebte nach dem Krieg, zunächst unter der Marke „Südwerke“ im oberfränkischen Kulmbach, später wieder in Essen angesiedelt, denselben Aufschwung wie alle anderen Lastwagenproduzenten. Die erste Nachkriegsneukonstruktion, der Titan (den es auch als Märklin 8000er gab) erregte wegen seiner majestätischen Erscheinung großes Aufsehen, aber die Krupp-Eigenheit der Zweitakt-Doppelkolben-Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und lautem Laufgeräusch war nicht unbedingt eine Freude für die Fuhrleute. 1957 fiel der Lastwagenverkauf drastisch ab, was dem Krupp-Konzern nicht zu sehr weh tat, ihn aber motivierte, zur IAA 1959 ein völlig neues Programm zu präsentieren, die mittelschweren Typen 401, 501 und 601 als Hauber und Frontlenker. Das rundlich gestaltete Frontlenker-Fahrerhaus mit Panorama-Windschutzscheibe stellt, zusammen mit der MAN-„Pausbacke“, quasi den Übergang vom Nachkriegsdesign zu den kubischen Fahrerhäusern der 60er Jahre dar. Damit anheim gingen neu konstruierte Motoren, aus Leichtmetall gefertigte Zweitakt-Diesel, die sich als recht unbrauchbar erwiesen und nach nur zwei Jahren durch in Lizenz gebaute Viertakt-Cummins-Diesel ersetzt wurden. So richtig brachte die Krupp-Lastwagensparte keinen Fuß mehr auf den Boden und stellte am 30. Juni 1968 nach 49 Jahren die Lastwagenproduktion ein. Daimler-Benz übernahm die Verkaufsniederlassungen, Faun die auf Halde stehenden Muldenkipper; nur die Autokrane aus dem Werk Wilhelmshaven wurden weitergebaut und trugen nach wie vor die berühmten drei Ringe im Grill. Von den mittelschweren Pritschen-Frontlenkern LF 501 (5,5 to) und LF601 (6,5 to) mit 120 PS wurden zwischen 1959 und 1961 insgesamt 310 Exemplare gebaut. Das Frontlenker-Fahrerhaus trugen auch viele Baustellenfahrzeuge, Sattelzugmaschinen und, meist als Fernverkehrskabine, auch die schweren Krupp-Typen. Es wurde bis zum Krupp-Produktionsende 1968 verwendet und war zuletzt wegen seiner Panorama-Windschutzscheibe im verflossenen US-Traumwagenstil ziemlich altmodisch.

Preisanstieg von 4,20 auf 5,90 D-Mark

Die Märklin-8000er-Serie ist für deutsche Sammler absoluter Kult. Ein herrlicher Formenbau, eine einfache Konstruktion, und eben die heute populärsten Vertreter ihrer Zeit, der Goldenen Fünfziger. Märklin begann damit 1950, die letzte Neuheit im Personenwagenbereich erschien 1958 (der Ford Barock-Taunus 17m P2), gleichzeitig erfolgte die letzte Formüberarbeitung (der VW Käfer mit ovalem Rückfenster erhielt die große Heckscheibe). Bis 1968 waren die Personenwagen im Programm. Die Lastwagen hingegen wurden länger gepflegt, bis 1973. Zuletzt wollte sie kein Kind mehr, die Konkurrenz hatte viel schönere und modernere Lastwagen zu bieten. Neue Laster schuf Märklin, nachdem die Pkw-Serie längst nichts Neues mehr sah, sogar mit Verglasung. Die letzten Lkw-Neuheiten waren der Kaelble Muldenkipper und der Krupp LF501, beide 1960 erschienen. Der Krupp hatte die Verglasung nötig, denn er trug eine modische, um die Ecken gezogene Panorama-Windschutzscheibe. Märklin erkannte, dass es seltsam aussehen würde, wenn er keine Verglasung trüge und schuf für ihn und den Kaelble einen transparenten Kunststoffeinsatz. Mehr Kunststoff gab es nicht an den 8000ern, sie blieben ihrer DNA treu: Die Karosserie aus Zinkdruckguss, die Bodenplatte aus brüniertem Blech, die Achsen und Schrauben aus Stahl und die Felgen aus gedrehtem Aluminium. Klar, die Reifen aus Gummi, und Gummi ist Kunststoff. Das Original war von 1961 bis 1973 lieferbar, die Farbe, das helle Mausgrau, variierte nie, auch preislich gab es kaum eine Verteuerung während der 14 Jahre. Los ging es mit 4,20 D-Mark, zuletzt 1973 waren es 5,90 D-Mark.

Einige Exemplare, bislang nur Nutzfahrzeuge, lässt Märklin als Insider-Modelle in loser Folge und mit einigem zeitlichem Abstand neu aufleben. Da stellt sich dem Sammler natürlich die Frage, ob diese aus den originalen Werkzeugen geschaffen werden oder ob Märklin völlige Neukonstruktionen mit neuen Werkzeugformen schafft, die den Originalen so nah wie möglich kommen, also exakte Repliken sind. Märklin selbst spricht in eigenen Verlautbarungen davon, die Modelle stammten „teilweise aus originalen Formen“. Beim Vergleich vergangener Repliken entdeckten wir bislang keinerlei Originalwerkzeugformen (beispielsweise beim Kaelble und beim Tempo Hochlader – eindeutig neue Formwerkzeuge). Das soll uns aber nicht davon abhalten, auch den neuen Krupp direkt neben seinen Ahn zu stellen.

Der direkte Vergleich von mausgrauem Original und dunkelblauem Replikat offenbart die neue Machart. Der erste Eindruck ist identisch, auch die Dimensionen stimmen überein. Natürlich hat das Original eine Göppinger Spritzlackierung mit schabloniert gespritzten Silberungen an Grill und Scheinwerfern, während das neue Modell eine typische China-Hochglanz-Lackierung trägt, die Silberungen als akkurates Druckwerk (nicht nur Grill und Leuchten, auch Zierleisten und Türgriffe), und überhaupt ist die Lackierung beim Replikat zweifarbig ausgeführt: Fahrerhaus und Pritsche blau, die komplette Unterseite inklusive Kotflügeln und Stoßstange rot, auch die Pritschenunterseite rot, auch die beim Original brünierte Blechbodenplatte. dasselbe gilt für den Anhänger, der sich obendrein nicht ohne weiteres abkuppeln lässt. Während bei bisherigen Jahresmodellen, etwa dem Kaelble Muldenkipper und dem Tempo Hochlader, an den Replikaten die Markenzeichen und -schriftzüge eliminiert wurden, trägt der Dunkelblaue mit Stolz die drei Ringe im Grill und darunter den „Krupp“-Schriftzug. Nach genauer Untersuchung, auch mit der Lupe, stimmen wir somit Märklin zu: Der Neue ist denselben Formwerkzeugen entsprungen wie das Original, ist also eine Wiederauflage und gar kein Replikat im eigentlichen Sinn. Natürlich gibt es Modifikationen im Werkzeug: Statt „Made in Germany“ lesen wir „Replika“, aus den in Blech eingestanzten Nummer 8034 wurde 18040, die Aluminiumfelgen scheinen an einer anderen Drehmaschine entstanden zu sein als früher (kein Wunder!) und die Gummireifen sind anders, breiter, stärker profiliert. Völlig neu sind die vier Spriegel auf der Pritsche, die einer Plane aus Stoff Halt vermitteln. Inwieweit Stoff das richtige Material für eine Plane ist, sei dahingestellt. Und ob ein Material wie Stoff die Optik und Haptik einer Plane wiedergeben kann, auch. Auf jeden Fall ist es eine nette Idee. Die Bodenplatte ist mit zwei Kreuzschlitzschrauben befestigt, nicht mehr genietet. Der Anhänger trägt an seiner Unterseite den neuen Märklin-Schriftzug mit kleinem „m“ statt „Märklin Made in Germany“ – denn in Germany ist nichts gemadet, das Modell stammt aus – ja, woher denn? Kein Herkunftsverweis, weder auf dem Modell noch auf der Verpackung.

Die Schachtel ist im ehemaligen Stil gehalten, recht hübsche Graphik, keine Verwechslungsgefahr mit dem Original. Denn das gab es nie als Lastzug, nur als Solo-Laster und einem dazu gekauften Hänger. Das beiliegende Zertifikat, von zwei Märklin-Geschäftsführern unterschrieben, bescheinigt die einmalige Serie im Jahre 2025, eine Auflagenhöhe wird nicht kommuniziert, und es wird erwähnt, das Modelle stamme „größtenteils aus den Original-Werkzeugen“, was sich mit unserem Eindruck deckt.

afs

Hochglanz-Krupp aus alten Werkzeugen: Formenbau made in Göppingen, dort viele Jahre in Produktion, und nun wiederauferstanden nach Auswanderung ins Reich der Mitte. Hervorragende China-Machart mit westdeutschem Nachkriegs-Charme. Ersetzt er ein Original in der Sammlung? Nein, aber er ergänzt es bestens.
Modellfotos: bat
Mittelding zwischen Original und Wiederauflage: Nicht vorbildkonform restaurierter, zeitgenössischer Krupp, dessen Chassis ebenfalls rot lackiert ist und der überdies mit Strasssteinen als Scheinwerfer aufgewertet wurde. Und dazu, selbstverständlich, das mausgraue Original.
Beim restaurierten Modell ist tatsächlich nur das Fahrgestell rot lackiert. Märklin lackierte bei der Widerauflage die komplette Fahrzeugunterseite rot, also auch die Kotflügel und die Pritschenunterseiten, sogar das Blechchassis.
1962 zusammen mit seinem Vorgänger, dem Krupp Titan, auf einer Katalogseite im Märklin-Druckwerk.
Quelle: Archiv afs
Titelheld: Der Krupp LF501 auf dem Cover des 1963er Märklin-Kataloges, beladen vom Fuch-Bagger.
Quelle: Archiv afs
Aus der Zeit gefallen: Im Jahre 1971 war das Märklin-Autoprogramm längst von den rak-Modellen bestimmt, die 8000er-Serie überlebte im Nutzfahrzeugsektor und wurde ebenso dynamisch gestaltet wie eine Corvette oder ein Porsche 911.
Das Fernfahrerhaus auf einem späteren Krupp, bereits mit Cummins-Diesel. Der Pritschensattelauflieger stammt von Kögel in Neu-Ulm.
Foto: Archiv afs

Steckbrief:

Märklin 18040 Krupp LF501 Lastzug mit Plane (Replika). Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab ~ 1:50. UVP 79,99 Euro.