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News 1:18 MCG Saab 99 EMS 1977 und Turbo 1979

Der einmalige Schwung

Sixten Sasons Meisterstück. Doch der Meister erlebte die Realisierung seines Stücks nicht mehr: Der Saab 99 erschien nach seinem Tode. Bei MCG erscheint er als 1:18-Neuheit, gleich in zwei Versionen, und die Unterschiede sind detailverliebt herausgearbeitet.

Es gibt Schwünge, die gibt es nur ein Mal in der Automobilgeschichte. Sie sind so leicht dahingezeichnet, temperamentvoll, beschwingt, energisch, dass es wirkt, als seien sie lediglich passiert. Aber jeder Schwung ist das Ergebnis ausgiebiger Überlegungen. Und die Schwünge haben Langzeitwirkung, sind unnachahmlich und charakteristisch. Die Heckpartien im Profil des Saab 99 und des Peugeot 504 sind Beispiele dafür. Aber der Saab hat noch mehr zu bieten, was stilistisch einzigartig ist: Seine sich nach vorne verjüngende Frontpartie, seine extrem gebogene Panorama-Windschutzscheibe. Und ein weiteres Charakteristikum, die speziell geformte, vorne angeschlagene und den oberen Teil der Vorderkotflügel umfassende Motorhaube teilt er gerade mal mit dem zeitgenössischen BMW. Das ist eine Wilhelm-Hofmeister-Kreation für BMW, die der Saab-Langzeit-Chefdesigner Sixten Sason übernommen hat. Ansonsten ist der Saab 99 Sason pur. Das ist nicht nur ein einzigartiges Styling, sondern auch ein äußerst langlebiges. Als Saab 99 (und zuletzt als Saab 90) lebte der Wagen von 1967 bis 1987 satte 20 Jahre lang, und der Nachfolger Saab 900 transportierte die Charakteristika weiter, ebenfalls 20 Jahre lang von 1978 bis 1998. Und dessen Nachfolger, der 9-3? Er ist ebenfalls eindeutig ein Saab, trägt die stilistische DNS weiter, Sixten Sasons Kreation, die ihn, ihren Meister, so lange überlebte. Nicht ganz so lange, bis Saab nicht mehr lebte. Die erste 9-3-Generation von 1998 bis 2002 (Stilist: Einar Hareide) lässt noch Anklänge an Sasons Ur-Design zu, die zweite (gezeichnet von Michal Mauer, bevor er Harm Lagaay bei Porsche ablöste) nicht mehr, die aktuell war, bis Saab unterging.

Es ist ein Phänomen, wenn ein kreativer Geist seine Schöpfung nicht mehr erlebt und somit die Früchte seiner Arbeit nicht genießen kann. Das hat stets etwas Rührendes. Mehr als ein Beispiel dafür gibt es in der Automobilgeschichte. Pio Manzù verunglückte tödlich auf der Straße, unterwegs zur Präsentation seines „Babys“ Fiat 127 vor dem Vorstand in Turin, Malcolm Sayer zeichnete den Jaguar XJ-S und erlitt 1970 einen Herzinfarkt, fünf Jahre, bevor aus seiner Schöpfung ein Automobil aus Fleisch und Blut, also Blech und Leder, werden sollte. In diese Reihe fügt sich auch Sixten Sason ein. Ihm blieb die Präsentation des Saab 99 versagt. Er wurde fast gleich alt wie Sayer, nur 55 Jahre, und starb an Tuberkulose, bevor der erste Saab 99 vom Fließband rollte.

Erste Prototypen des Saab 99 von MCG (= Model Car Group, ein Label des Großhändlers Model Car World) standen auf der Spielwarenmesse 2025, und gut ein Jahr später erschien das Modell am Markt. Wir sind also spät dran mit unserer Vorstellung. Manchmal können wir nicht beeinflussen, wann wir ein Modell bekommen, sondern werden „von fremden Mächten“ gesteuert, und diese „fremden Mächte“ sind in diesem Falle schlichtweg die Firma Model Car World. Bisweilen klappt es einfach nicht so, wie es soll. Und, um Schiller abzuwandeln, der weite Weg entschuldigt nicht mal das Säumen. Da kommen andere Modellautos von viel weiter weg bei uns an, und die säumen lange nicht so sehr. Jedenfalls ist der Saab 99 nun endlich auf dem schwarzen Schreibtisch angekommen, ein knallig Grüner in Metallic und ein vermeintlich Dezenter in dunkelrotem Metalliclack.

Aber dezent ist da gar nichts, bei beiden nicht, denn sie sind Kinder der 70er Jahre und kombinieren ihr äußeres Kleid mit inneren Werten in derselben Grundfarbe, aber in anderem Ton. Das war schon damals citroënig-mutig und wenige Hersteller getrauten es sich, derartige Kombinationen anzubieten, die sich eigentlich in ihrer Harmonie beißen. Dass Außenlack und Innenausstattung im selben Ton gehalten sind, war nichts allzu Außergewöhnliches, eine amerikanische Mode, die auf jene Europäer überschwappte, die amerikanische Eltern haben. So konnte man einen Ford 20m P7a beispielsweise in Türkismetallic ordern, Innenraum auch türkis, Armaturenbrett auch, sogar das Lenkrad in Türkis. Aber dunkelroten Außenlack mit mittelroten Sitzen zu kombinieren, oder eben Knallgrünmetallic mit hellem Pastellgrün im Inneren (wie im Falle unserer beider Saab) – da gerieten die selbst ernannten und die echten Ästheten miteinander in den Clinch: Die einen rannten kreischend davon, als hätte sie der Leibhaftige angeschaut, während die anderen die Kopf schräg hielten und jenen Blick aufsetzten, der in Galerien opportun ist, wenn man wissend und nickend anblickt, was man nicht begreift.

Der Saab 99 war zu seiner zeit höchst modern, äußerst stabil und rostresistent, eine aufwendig konstruierte und ebenfalls aufwendig zu montierende Konstruktion, dadurch teurer als die Konkurrenz. Ein Individualistenfahrzeug für Kenner. Und er hatte durch diese Konstruktion von Anfang an sportliches Potenzial, das aber erst in den 70er Jahren ausgeschöpft wurde. Mit der Beteiligung am Rallyesport anheim gingen deutlich höher motorisierte Versionen, zunächst der Saab 99 EMS mit Benzineinspritzung (Bosch D-Jetronic) ab 1973, ab 1977/78 der 145 PS starke Turbo, zunächst nur in der Karosserieform Combi-Coupé, ab 1979 auch als Zweitürer-Limousine (insofern ist die Baujahresbezeichnung „1977“ von MCG für das Modellauto falsch). Das MCG-Modell stellt die Karosserieform ab Modelljahr 1977 mit vergrößerten Heckleuchten dar, dergestalt gebaut bis 1980, dann kamen veränderte Stoßfänger. Der EMS ist also, wie angegeben, ein 1977er Modell, der Turbo ein 1979er. Die Farbenbezeichnungen lauten Kardinalröd R06 mit Innenraum in Coloradorot beim EMS und beim Turbo Akaciagrön 148B mit Resedagrün innen. Der Turbo hatte Scheinwerferwischer serienmäßig, was MCG nicht berücksichtigt, aber damit kann man leben (vielleicht gab es Exportmärkte, die nicht mit den kleinen Wischern beglückt wurden).

Das Felgendesign von Saab ist und bleibt legendär. Kaum ein Hersteller gab sich damit so viel Mühe. Und ein Modellhersteller muss kongenial sein. MCG hat das geschafft. Vor allem die Inca-Felgen des Turbo im Design von Schaufelrädern früher Flugzeugturbinen sind klasse reproduziert, aber auch die zweifarbigen „Fußballfelgen“ des EMS gefallen uns gut. Generell gilt diese Beurteilung für das ganze Auto, das formal einwandfrei und in Details fein gearbeitet und korrekt ist. Die Unterschiede wurden gut herausgearbeitet, Silberdruck, wo Chrom dargestellt werden soll, mattschwarzer Druck, wo Sportlichkeit angesagt ist, die bedruckten Schriftzüge entsprechen dem Vorbild, Schmutzlappen, hinten mit Markenlogo, auch, der Innenraum ist ebenfalls sauber gestaltet und fein dekoriert (ein bisschen Holz, Logo auf der Lenkradprallplatte, Sicherheitsgurte erwarten wir in dieser Preisklasse nicht). Dieser Saab macht den fast drei Mal so teuren Saab 99 von Cult Scale aus Resine mehr als überflüssig, der dem MCG allenfalls die Lenkfunktion voraus hat.

afs

Akaciagrön mit innen grün sowie Kardinalröd mit innen rot – das sind Farben, wie sie nur in der zweiten Hälfte der 70er Jahre vom Band rollen konnten. Farben, die laut waren, die geschrieen haben. Und genau so reagierten die Käufer: Entweder schrieen sie vor Begeisterung oder sie rannten schreiend davon. Heute, in der Vitrine, ist das der pure Zeitgeist und ein Schwelgen in der Vergangenheit. Laut sind die Farben nach wie vor.
Modellfotos: bat
Unterschiede im Detail: Felgen, Schriftzüge, Farbe der Belüftungsöffnung und natürlich ein Spoiler nur beim Turbo.
Der Schöpfer der Linie: Saab-Chefdesigner Sixten Sason.
Quelle: Svensk Flyghistoria, Fotograf unbekannt
Genau das MCG-Modell, nur 18 Mal größer und mit britischer Zulassung.
Foto: nakhon100

Steckbrief:

MCG 18441 Saab 99 EMS 1977 dunkelrot und 18440 Saab 99 Turbo 1979 grünmetallic. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 Euro.