Torino-Mania
Ixo legt nach. Ixo schlachtet seinen Gran Torino unerbittlich aus. Nun kommt der mächtige Achtzehner bereits in der dritten und vierten Farbvariante innerhalb eines halben Jahres. Er ist aber auch ein beeindruckender Ami, ganz die alte Schule des US-Fahrzeugbaus.
Natürlich ist der Clint-Eastwood-Film schuld an der Torino-Mania. Sie überschwemmt geradezu die USA – nicht zuletzt, weil sie in die aktuelle, weltanschauliche Strömung dortselbst wunderbar passt: Ein old-school-american-Car, das die alte Herrlichkeit glorifiziert, als alles besser war. Der Film Gran Torino fügt sich in dieses Narrativ. aber nur halbwegs. Er verherrlicht anfangs den knurrigen, alten, weißen Amerikaner, den eben Clint Eastwood in seiner Rolle als Walt Kowalski verkörpert. So weit stimmt der Inhalt mit dem „Neuen Amerika“ überein. Aber er ändert im Fortgang seine Tendenz, und der militaristisch-rassistisch eingestellte Kowalski wird quasi woke, also er erwacht (nichts anderes bedeutet das Schlagwort „woke“), und er nähert sich peu-à-peu einem indonesischen Einwandererjungen an, der ursprünglich seinen Ford Gran Torino stehlen wollte. Die beiden werden Freunde, aus dem Kotzbrocken wird ein Gutmensch. Zuletzt stirbt er im Kugelhagel den Heldentod, und der junge Indonesier erbt Kowalskis geliebten Ford Gran Torino. Insofern widerspiegelt der Film eher das bisherige Amerika, und er stammt auch aus dem Jahre 2008, somit aus der ausgehenden Bush-Ära (Barack Obama wurde im November 2008 gewählt). Nevertheless erhoben die Amerikaner anlässlich dieses Filmes den ’72er Ford Gran Torino zum Nationalautomobil als Repräsentant der Ära vor dem Ölpreisschock, vor dem Umdenken vom Automobil als Spaßfaktor zum Vernunftgegenstand. Dieser Film-Torino in Dunkelgrünmetallic mit schwarzem Vinyldach erschien von Ixo Anfang 2026 und wurde von einer orangefarbenen, leicht getunten Version mit After-Market-Felgen und Heckspoiler begleitet (Caramini-online vom 20. März 2026). Und nun ist er in zwei weiteren Versionen erschienen.
Budgetmodell mit überraschenden Gimmicks
Neu sind nun die beiden Varianten in Rot mit schwarzem Vinyldach und Stahlsportfelgen à la Rostyle sowie ein grünmetallicfarbener Wagen mit weißen Go-faster-Streifen an den Flanken und verchromten Tuningfelgen. Die Details variiert Ixo ohne Veränderungen in der Substanz. So sind die Außenspiegelgehäuse mal in Wagenfarbe, mal in mattem Schwarz lackiert, was auch für den Lufteinlass an der Motorhaubenhutze gilt. Am Roten ist der seitliche Rennstreifen verlaufend von Weiß über Gelb und Orange hin zu Schwarz bedruckt (klasse gemacht!), am Grünen ist er von vorne bis hinten Reinweiß. Die vorderen und hinteren Stoßfänger entspringen unterschiedlichen Formwerkzeugen, der Rote trägt Hörner und ein Emblem im Grill, der Grüne nicht, dafür ist sein Grill komplett gemattschwärzt. Innen sind sie beide schwarz, der Grünling freut sich über ein Lenkrad mit Holzkranz.
Spannend ist die Peripetie, die der Wagen im Laufe seines Lebens erleben durfte. Diese Torino-Generation wurde von 1972 bis 1976 gebaut, und genau zu ihrer Halbzeit kam der Ölschock. Doch der Wagen war zuvor schon ein wenig altmodisch, ziemlich schwer, schwülstig, sehr ausgeprägte Coke-Bottle-Form, überdies nicht selbsttragend konstruiert, sondern mit separatem Chassis. Der Gran Torino war kein sonderlicher Erfolg, er galt bereits 1972 als rückständig, gusseisern, als Symbol der Opulenz. Und nach der Ölkrise, als auch die US-Amerikaner die verbrauchten Gallonen zählen mussten, war er völlig aus der Zeit gefallen – trotz des Erfolges der seichten TV-Krimiserie Starsky & Hutch, in der ein 1974er Gran Torino eine markante Rolle spielt. Er geriet nach Produktionsauslauf rasch in Vergessenheit, starb aus, wurde nicht vermisst. Und dann kam der Clint-Eastwood-Film und die alten Starsky & Hutch-Folgen wurden wiederholt. Der Ford Gran Torino kämpfte sich zurück ins allgemeine Bewusstsein und wurde geadelt zum Symbol des alten Amerika. Heute, als Klassiker, wird der einst Geschmähte verehrt. Das weiß Ixo, und dementsprechend werden die beiden aktuellen Modelle wahrscheinlich nicht die letzten bleiben.
Der Rote mit Vinyldach ist ein Fließband-Fahrzeug in der Ausstattung Gran Torino Sport. Der Grüne erinnert an ein Filmauto aus einer Fast & Furious-Episode (und Fast & Furious ist momentan ein absolutes Trendthema in der Modellautobranche), er trägt Coy’s C-67 Gun Metal-Felgen, große 18-Zöller im Gegensatz zu den 14-Zöllern der Serienversion, und außerdem ragen bei ihm zwei Auspuffendrohre seitlich ins Freie, beim Roten pusten sie konventionell nach hinten. Trotz des Budgetpreises gönnte Ixo dem Modell einige „Goodies“, die in der Preisklasse nicht selbstverständlich sind: separat eingesetzte Türgriffe und Side Marker, Radioantenne. Zu kritisieren haben wir nur, dass die Abschlusszierleiste des Vinyldaches nicht graviert, sondern nur ein Druck und somit zweidimensional ist. Aber es ist verständlich, weil das Modell eben mit und ohne Vinyldach produziert wird.
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Ixo 18CMC263 Ford (USA) Gran Torino Sport Fastback-Coupé 1972 rot/mattschwarz und 18CMC264 dito grünmetallic. FertigmodelleZinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 67,95 Euro.