1/18

News 1:18 Norev Volvo P221 Amazon Kombi 1966 und 1968

Amazonengeschwader mit Osterei

Die absolute Konsequenz: Nach der Volvo Amazon Limousine bringt Norev den Kombi. Und Caramini-intern hat er bereits eine (nie und nirgends ausgeschriebene) Auszeichnung erworben: Im Amazon Kombi ist der schnuckeligste Verbandkasten in 1:18 untergebracht, den wir je gesehen haben.

Der Volvo Amazon hat ein serienmäßiges Feature, das er mit wenigen anderen Autos teilt: Unsterblichkeit. Fabrikneu lebte er 14 Jahre lang, und ausgestorben ist er bis heute nicht. Mit dem Kombi dürfte Norev offene Türen einrennen. Vielleicht hierzulande nicht so sehr (aber auch!). Doch die skandinavischen Sammler singen (das tun sie immer), trinken einen Akvavit (tun sie auch häufig) und richten drei Dankesgebete, an Odin, Thor und Freyja.

Der Kombi basiert strukturell auf der Norev-Limousine, in Caramini-online am 9. Juli 2026 präsentiert, wurde parallel entwickelt, hat das gleiche Layout: sealed, lenkbar. Ursprünglich war Modelissimo der Auftraggeber für die Limousine, Norev entwickelte auf eigene Faust den Kombi. Die Modelissimo-Connection zerschlug sich, die Amazone ist nun in beiden Karosserieversionen ein reines Norev-Fachhandelsprodukt. Wie bei der Limousine, entwickelte Norev den Kombi so, dass unterschiedliche Jahrgänge realisierbar sind, was sich hauptsächlich im Grill-Design äußert. Der Wagen in Perlweiß (Pärlvit 79) ist ein ’68er Kombi, jener in Graphitgrau (Grafitgrå 80) ein ’66er. Der Wagen besticht durch viele separate Anbauteile, die verchromt sind, silbernes Druckwerk beschränkt sich auf die Zierleisten an der Flanke, unterhalb der Seitenscheiben und an der Regenrinne. Die Fensterumrandungen sind chromgeprägt, sehr hübsch sind die glänzenden Heckklappenscharniere und der gut strukturierte Tankverschluss. Der Volvo trägt vier Schmutzlappen, die hinteren mit Volvo-Logo bedruckt, vorne riesige Zusatzscheinwerfer. Hinten ist besonders viel zu entdecken: Neben den Scharnieren der Griff für die obere Hälfte der Heckklappe, zusätzlich garniert mit einem Innengriff. Darunter der Drehgriff für den unteren Teil, ebenfalls separat und verchromt, und darunter die in Wagenfarbe lackierte Kennzeichenbeleuchtung mit „Volvo“-Schriftzug. Obendrein tragen beide Kombis eine Anhängekupplung. Warum Norev diesen Modellen kein konkretes Kennzeichen spendiert, sondern einfach „Volvo“ aufs Nummernschild schreibt, erschließt sich uns nicht. Überhaupt würden wir uns gerade für dieses Auto mal ein skandinavisches oder niederländisches oder belgisches Kennzeichen wünschen.

Besonders begeistert sind wir vom Verbandkasten. Es ist der schönste, den wir je in einem Achtzehner gesehen haben. Doch während wir diesen Satz nonchalant in die Tastatur hacken, schießt die Überlegung in den Kopf: Haben wir überhaupt jemals einen Verbandkasten in einem Modellauto bewusst wahr genommen? Tatsächlich muss in jedem Auto einer sein, aber er ist zumeist gut versteckt, wie das Warndreieck oder der Wagenheber auch. Warndreiecke werden von Modellautoproduzenten nur dann wiedergegeben, wenn sie vom Autohersteller sichtbar platziert sind (Stichwort: Kofferraumdeckel-Innenseite beim Mercedes), Wagenheber sehen wir manchmal, wenn es entnehmbare Reserveräder gibt und der Wagenheber seine Heimat in der Reserveradmulde hat (beispielsweise Minichamps Mercedes 300 SL Roadster). Aber welcher Achtzehner fährt schon einen Verbandkasten spazieren?

In Westdeutschland ist der Verbandkasten im Auto seit 1972 Pflicht (in Schweden ist das bis heute freiwillig). Norev bildet einen Verbandkasten des Herstellers Ruhrtaler Verbandstoff-Fabrik Paul Danz aus Wetter an der Ruhr nach, eine himmelblaue Kunststoffschachtel mit weißem Deckel und farbiger Beschriftung, die so exakt ausgeführt ist, dass unter der Lupe alles lesbar ist: „Kraftwagen-Einheitsverbandkasten“, „Berufsgenossenschaften“ sowie der Herstellernachweis. Befestigt ist der Verbandkasten am Laderaum-Seitenteil rechts mit angedeuteten, schwarzen Kreppbändern. Wir gehen davon aus, dass der konkrete Volvo Kombi, den Norev vermessen und fotografiert hat, ein derartiges, zeitgenössisches Teil trägt. Das ist ein wahres Easter Egg, eine versteckte Besonderheit, die man suchen und finden muss.

Ein Schwede. Oder doch ein Belgier?

Volvo nannte seinen Mittelklassewagen von 1957, neben dem Buckelvolvo der Archetypus des Volvo-Klassikers, Amazon. Offiziell hieß er nur in Skandinavien so, weil sich der Mopedhersteller Kreidler den Namen hatte schützen lassen. Im Export sprach Volvo von der Serie 120/130. Und anfangs schrieb Volvo sogar „Amason“, was schwedisch ist, schwenkte aber schon 1958 auf das international verständlichere Amazon um. Von Februar 1962 bis Mai 1969 gab es die Amazone auch als fünftürigen Kombi namens P 221. Dass am Modell auf dem Typenschild an den Vorderkotflügeln „121“ steht, ist ein Lapsus. Diese Ziffer bezeichnet die Viertürer-Limousine mit Einvergasermotor. „221“ müsste aufgedruckt sein.

Die Amazone war so gut etabliert, dass sie ihr 50er-Jahre-Design bis in die frühen 70er Jahre hinüberrettete. Zuletzt optisch zwar total veraltet, aber ein gewohnter Anblick in Skandinavien und auch im Rest der Welt, und der Status der Volvo Amazonen verlief nahtlos vom Gebrauchtwagen zum Liebhaberfahrzeug. Dieser Volvo gehört zu jenen Wagen, die früh als Alltagsklassiker entdeckt wurden. Denn die letzten Exemplare verbinden den Look der Fifties mit Ausgereiftheit, bester Ersatzteilversorgung, dickem und robustem Schwedenstahl und relativ jungen Baujahren. Der Kombi, gebaut in 73.200 Exemplaren, hat als Besonderheit eine horizontal zweigeteilte Heckklappe, ganz nach dem US-amerikanischen Geschmack und überhaupt sehr praktisch. Der untere Teil, unten angeschlagen, dient nicht nur als Laderaumverlängerung. Man kann ihn beim Picknick auch prima als Sitzbank benutzen. In seiner langen Bauzeit veränderte sich der Volvo Amazon ausschließlich in Details, nur ein Kenner kann das genaue Baujahr an Winzigkeiten definieren. Im Groben ist es nur die Form des Kühlergrills, die sich 1962 grundlegend veränderte – gleichzeitig mit Einführung des Kombis. Danach Modifikationen im Grill, die Anzahl der Stäbe variierte. Am Grill ist zu erkennen, dass die Norev Volvos (Norev schickt ihn gleich im Doppelpack ins Rennen) ein Modell 1966/67 (drei senkrechte und zehn waagerechte Streben pro Grillöffnung) und 1968 (vier waagerechte Doppelstreben plus eine breite Mittelstrebe pro Grillöffnung) darstellt, und die Felgen passen auch dazu: Statt in Wagenfarbe lackierter Felgen nun silbern lackierte mit großen Kühlöffnungen ab Modelljahr 1965, denn der Amazon trug nun vordere Scheibenbremsen. Gebaut wurde der Wagen im Stammwerk Göteborg, zuletzt im Zweigwerk Torslanda. Auslandsmontagewerke waren Kanada, Südafrika und Chile. Und die in Westeuropa verkauften Fahrzeuge kamen ab 1965 aus dem belgischen Volvo-Werk in Gent. Das hatte mit den Einfuhrabgaben zu tun, denn Schweden gehörte der Zollassoziation EFTA an. Wenn Produkte aus EFTA-Ländern in die EWG (West-Deutschland, Frankreich, Italien, Benelux-Staaten) importiert wurden, fiel Zoll an. Darum ließ Volvo im EWG-Land Belgien produzieren. Später erübrigte sich das, die EFTA wurde unattraktiver, immer mehr Länder schlossen sich der EWG an, und die heutige EU machte derartige Abkommen ohnehin überflüssig.

afs

Die Skandinavier bekamen den Volvo Amazon Kombi aus Schweden, viele Europäer aus Belgien, die US-Amerikaner aus Kanada, aber sein Flair war stets nordisch-kühl. Norev gönnt dem Kombi jahrgangsspezifische Kühlergrills.
Modellfotos: bat
Hat man jemals einen aufwendiger und liebevoller gestalteten Verbandkasten in einem Achtzehner gesehen als diesen hier? Sagenhaft bedruckt, zeitgenössisch koloriert, gut sichtbar im Laderaum platziert. Chapeau, Norev!
Vor dem Norev existierte in 1:18 bereits das BoS-Resinemodell, einen 1966er Kombi nachbildend. Es gab ihn in drei Farben, Pärlvit 79, Ljusblå 89 und Körsbärsröd 46. Der Letzte erschien Ende 2022. Auf dem Gebrauchwagenmarkt waren die BoS-Kombis sehr begehrt. Das dürfte nun zu Ende sein.
Als Tekno die Limousine lancierte, gab es noch keine Innenausstattung und zu öffnende Teile. Der später erschienene Kombi hat ein Interieur, eine Federung und eine horizontal geteilte, zu öffnende Heckklappe. Tekno-Modelle zeichneten sich von Anfang an durch Solidität und einen hohen Spielwert aus. Sie waren schon als Neuware teurer als andere Spielzeugautos. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Viertüriger Kombi mit zweigeteilter Heckklappe von Minichamps, 2001 erschienen. Ein vorbildgetreues Modellauto in 1:43, aber keinerlei Spielfunktion.
Jan Wilsgaard ist der legendäre Volvo-Designer, aktiv ab früher Nachkriegszeit bis 1991. Alle Volvo-Klassiker (außer dem „Buckel“) entstammen seiner Feder.
Foto: Archiv Volvo
Ein ganz früher P221 Kombi, noch mit Scheibenfelgen in Karosseriefarbe und Radkappen mit rotem Logo.
Foto: Archiv Volvo

Steckbrief:

Norev 188751 Volvo P221 Amazon Kombi 1966 graphitgrau und 188750 dito 1968 perlweiß. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 69,95 Euro.