Spiegelei gefällig?
KK-Scale macht das Spiegelei. Eine Formneuheit ist die Generation 996 des Porsche 911, gleich als Topmodell, als Turbo. Er passt in die hausinterne Reihe. KK-Scale ist derzeit viel in Zuffenhausen unterwegs.
Wenn einem nach jahrelangem Erfolg plötzlich die Notwendigkeit zu radikaler Neuerung unter Beibehaltung alter Tugenden klar wird, dann kann es sein, dass die Kundschaft neue Lösungen mitunter derb kommentiert. „Volkes“ Stimme ist da nicht zimperlich, und wenn der gefundene Spruch trifft, dann bleibt er womöglich für immer. Ob freundlich wie Ente und Käfer oder eher hämisch wie Nasenbär, sie reichen von liebevoller Charakterisierung bis zum sprichwörtlichen Finger in der Wunde. Manchmal wäre die Marketingabteilung gern selbst darauf gekommen, aber manchmal hätte sie es auch liebend gern verhindert. Wie hier, beim „Spiegelei“.
Porsche, mit dem Selbstverständnis des Leistungssportlers unter den deutschen Automobilherstellern, war nach jahrelanger Evolution seines Klassikers 911 am Ende dessen Entwicklungspotentials angekommen und sann notgedrungen auf eine grundlegend neue Generation. Nach den nicht unumstrittenen Versuchen, Modellreihen wie dem Mittelmotormodell VW-Porsche, dem vierzylindrigen 924 und dem ebenso großen wie großartigen Achtzylinder-Coupé 928 genügend Marken-Gene einzuimpfen, hieß es Abschied nehmen vom Ur-Elfer und mit einer kompletten Neukonstruktion in die Zukunft zu streben. Dies bedeutete den Wechsel zu wassergekühlten Motoren und durch die enge technische Verwandtschaft mit dem kurz zuvor eingeführten Modell Boxster auch ein endlich wesentlich rationelleres Technikportfolio. Die Verwandtschaft ging so weit, dass auch formal prägnante Elemente wie die ungewöhnlich gestalteten Scheinwerfer des Boxster bei beiden Baureihen zum Einsatz kamen. Hier taucht der zum obigen Thema gehörende Spitzname auf, denn die Porsche Fans nannten diese wegen ihrer ungewöhnlichen Kontur spöttisch Spiegeleier. Harm Lagaay hieß zu dieser Zeit der Chefdesigner von Porsche. Der Holländer war der Nachfolger des Letten Anatole Lapine, der mit dem Design des 928 ebenfalls ein gewagtes Konzept durchgesetzt hatte. Lagaay hatte neben seiner langen Karriere bei Porsche zwischenzeitlich auch bei BMW gearbeitet und dort den Z1 mit seinen versenkbaren Türen entworfen, ein erfrischend eigenwilliger Designer. Ansonsten blieb der neue 911 immer noch erkennbar ein solcher, auch wenn man ihm ansieht, wie schwierig es ist, ein ikonisches Design neu zu erfinden. Die Baureihe 996 blieb den bekannten Proportionen des Urentwurfes letztlich treuer als seine späteren Nachfolger, die sich ja bekanntlich vor allem in ihren Dimensionen deutlich weiter entwickelten.
KK-Scale hat in letzter Zeit immer wieder 911er verschiedener Generationen im Maßstab 1:18 realisiert und ist mit seiner Modellauswahl zunächst im Umfeld der Old- und Youngtimer-Jahrgänge unterwegs. Der 2000er Turbo kommt erstaunlich schlicht und unspektakulär daher und erweckt mit seinem rational wirkenden Design den Eindruck eines sehr alltagstauglichen Autos. Richtige Proportionen, feine Details und eine sorgfältige Gesamtaufmachung ohne zu öffnende Teile ergeben ein schönes Modell, das vor allem in direkter Vitrinennachbarschaft mit Vertretern anderer Generationen seinen sammlerischen Reiz entfaltet. Erwähnenswert, wie so oft in letzter Zeit, ist wieder die gute Detaillierung der Unterseite. Vielleicht animiert die Betrachtung des Modells auch den einen oder anderen, sich mal wieder ein Spiegelei zu braten.
mh



Modellfotos: bat
Steckbrief:
KK-Scale 181474 Porsche 911 Turbo (Typ 996) 2000. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 79,95.