Bochumer Kult-Karre
Treffsicher schließt MCG wieder eine Lücke und bringt das CQP, wie die Fans das Opel Kadett C Coupé nennen – und zwar als GT/E Rallyewagen im Werkslivrée und grün-gelb als Irmscher-Fahrzeug.
Das CQP gibt es von Minichamps, ein traumhaftes Modell, all open, höchst detailliert. Als gelb-schwarzer GT/E erschien er Ende 2003, ein knappes Jahr später kam die brave Version, ein normales Kadett C Coupé. Vor allem der GT/E ist heute ein sehr begehrter Gebrauchtwagen, für den teils vulgär hohe Summen verlangt werden. MCG bietet seit 2023 die Alternative, für je 65 Euro das normale Coupé in unterschiedlichen Farben und Ausstattungen, auch als GT/E, und neuerdings für je 70 Euro zwei scharf gewürzte Rallyeversionen, die wir frisch auf dem schwarzen Schreibtisch haben – wenngleich sie seit Frühjahr lieferbar sind. Ein MCG-Modell, nichts zu öffnen, nichts zu lenken – aber eben zum Budgetpreis und somit das Richtige für jenen, der eben diese Rallye-Versionen haben möchte oder alles von Röhrl haben muss oder schlichtweg keine Minichamps-Interpretation hat. BoS machte ebenfalls einen Irmscher-Kadett (Hessen-Rallye 1976), ein Resinemodell mit Kotflügelverbreiterungen. Das gleichsam aktuelle Norev-Modell stellt das CQP nach dem 1977er Facelift dar, Blinker nicht in den Stoßstangen, sondern neben den Scheinwerfern.
Wer die Proportionen des Kadett nicht hundertprozentig vor dem geistigen Auge hat oder schlichtweg nicht abstrahieren kann, ist mit dem MCG-Modell glücklich. Es hat einige formale Fehler, vor allem im Bereich des „Greenhouse“: die A-Säulen haben eine ungesunde Form, sie verdicken sich nach unten, die Dachpartie ist zu flach. Das sind die Zugeständnisse, die machen muss, wer kein Minichamps-Kadett-Coupé hat – und wer auf die Rallyeversionen scharf ist, die im Minichamps-Programm kein Äquivalent fanden. Der Rest des Autos passt gut, schöne Fuchs-Alus, innen korrekt dekoriert mit bunten Hosenträgergurten und Überrollbügel statt Rücksitzbank, auf dem Flachdach eine zarte Funkantenne, der Irmscher mit vier großen Zusatzscheinwerfern und mehr Chrom, der Gelb-Schwarze völlig chromlos. Lackierung und Dekoration sind gut. Lustig am Rande ist, dass sich der Sponsor Mobil-Öl bei beiden Autos, unabhängig vom Team, genau die gleichen Stellen ausgesucht hat, wo seine Aufkleber platziert wurden.
Schön ist, dass MCG sich zwei Rallyes ausgesucht hat, die keinen Weltrang, sondern eher regionale Bedeutung haben. Monte Carlo ist weltklasse, aber Monte Carlo ist eben auch ein wenig ausgelutscht. Von der Westfalen-Lippe-Rallye oder der Sachs-Winterrallye hat so mancher vielleicht noch nie gehört. Das ist Salz in der zwar populären, aber doch ein wenig eintönigen Monte-Suppe! Die Westfalen-Lippe-Rallye geht auf die Zuverlässigkeitsfahrten „Rund ums Hermannsdenkmal“ zurück, 1925 erstmals abgehalten, und gilt als drittälteste, heute noch abgehaltene Motorsportveranstaltung. In den 70ern starteten echte Größen des Rallyesports wie Walter Röhrl, und heute ist die Rallye keine solche mehr, sondern eher eine touristisch-sportliche Ausfahrt für Klassiker. Die Sachs Winter-Rallye mit Start und Ziel in Wolfsburg diente als Auftakt zur Deutschen-Rallyemeisterschafts-Saison und war in den 70er und 80er Jahren recht bekannt. Sie wurde bis ungefähr 1990 ausgetragen. Einzelne Streckenabschnitte werden heute noch manchmal für regionale Rallyes genutzt.
Bilanz: durchschnittlich, eher mau
Der gelb-schwarze Kadett ist ein Werkswagen des damaligen Opel-Euro-Händlerteams, der gelb-grüne fuhr für das Team Irmscher. Nach der Rallye-Europameisterschaft auf Ascona A wollte Opel mit dem Kadett GT/E den Weltmeisterschaftstitel nach Rüsselsheim holen – vergeblich. Ihn konnte Opel erst 1982 mit dem Ascona B einfahren. Noch bevor Opel ein Werksteam hatte (das Opel-Eurohändler-Team ab 1974) etablierte Tuner Irmscher 1973 sein eigenes Rallyeteam und verpflichtete den Nachwuchsstar Walter Röhrl. Ab Herbst 1975 war der Kadett GT/E der Nachfolger des Ascona A als offizielles Opel-Rallyeauto, anfangs mit 205 PS der Konkurrenz hoffnungslos unterlegen. Viel mehr waren es in der Saison 1976 auch nicht, nämlich 212, und der Kadett glänzte allenfalls durch unzuverlässige Elektronik und technische Defekte. Eine maue Bilanz. 1977 neuer 16V-Motor mit 225 PS, eine durchwachsene Saison für das Werksteam. In der letzten Kadett-C-Saison 1977 baute Opel wieder den alten Zweiventiler-Querstrom-Motor ein, mit 160 PS genau halb so stark wie ein Lancia Stratos, sogar weniger, als der gute, alte Ascona A seinerzeit hatte. Frustriert kehrte Röhrl dem Opel-Werksteam den Rücken und heuerte bei Fiat an. Jedoch hatte damals jedes Land seine eigenen Opel-Teams, Team Opel-Austria, Team Belgien, Greder-Racing in Frankreich, Conrero in Italien, auch einige Tuner unterhielten eigene Teams. Sie alle sammelten Punkte auf Kadett GT/E, und auch Privatfahrer hielten die Opel-Flagge hoch (obgleich sie eigentlich nie richtig in die Punkte kamen), und sicherten den Rüsselsheimern 1976 immerhin den zweiten Platz in der Marken-WM hinter Lancia. Dennoch blieb der Kadett C GT/E als eher erfolgloser Rallye-Opel in Erinnerung – verglichen mit dem Ascona A und Ascona B 400, die ihn chronologisch einrahmen.
afs





Modellfotos: bat
Steckbrief:
MCG 18651R Opel Kadett C GT/E Coupé Westfalen-Lippe-Rallye 1977 (# 1, Walter Röhrl, Hanno Menne) und 18650R dito Internationale Sachs-Winter-Rallye 1976 (# 5, Walter Smolej/Christian Geistdörfer). Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 69,95 Euro.