Il Mostro
Il Mostro, das Monster. So wurde das doch relativ überraschend auf dem Genfer Salon 1989 präsentierte Coupé charakterisierend tituliert. Eine aus heutiger Sicht übertriebene Bezeichnung, haben wir uns doch inzwischen an groß und auch klobig wirkende Autodesigns gewöhnt. Schlank und filigran war einmal. Laudoracing schuf ein Monster.
Die Dimensionierung war gar nicht das eigentlich Ungewöhnliche an diesem in einer tausend Stück großen Serie geplanten Auto. Es basierte auf dem gekürzten Chassis des Alfa 75 und war das Ergebnis eines Joint Ventures von bekannten Protagonisten der traditionellen italienischen Automobilwelt. Neben der Carrozzeria Zagato, die vor allem als Hersteller fungierte, waren die Entwicklungsabteilungen von Alfa Romeo und im besonderen Robert Opron als externer Designer intensiv an der Entwicklung beteiligt. Vor allem die Rolle Oprons ist interessant, weil der Franzose bereits im Ruhestand war und auf eine erfolgreiche Tätigkeit als Chefdesigner bei Citroën und Renault zurückblicken konnte, in der er jeweils richtungsweisende Modelle für diese Hersteller, aber auch für die gesamte Autoindustrie jener Epoche realisieren konnte. Der SZ war sicherlich eine willkommene Spielwiese für jemanden wie ihn, der sich und anderen nichts mehr beweisen musste.
Diese Voraussetzungen lassen sich am Design des Autos ablesen, denn Kompromisse und allzu gefällige Schönheitsgeschenke finden sich an diesem mit konsequent eingesetzten, originellen Details brillierenden Entwurf nirgends. Alles hat Sinn und Absicht und das lässt sich auch erkennen. Bei aller durchdachten konzeptionellen Vielfalt ist er so ein ehrliches und einfaches Auto – und das macht ihn auch nach vielen Jahren noch frisch, aktuell und faszinierend. Das, was der Betrachter damals als ungewöhnlich empfand, ordnet er heute als Charakterlinien ein und der dahinter steckende Sinn rechtfertigt die gewählten Lösungen, so die sechs winzigen, eckigen Frontscheinwerfer oder die merkwürdig gebogene Linie der A Säulen, die der Einpassung der hohen Windschutzscheibe geschuldet ist. So wundert es uns auch nicht zu erfahren, dass der cw-Wert des Gefährtes offenbar unter 0,30 zu liegen scheint, ein Wert, den zumindest die Optik nicht nahe legt. Stilistisch erkennen wir die Konsequenz in der Abstimmung einzelner Linien und Themen wie der Übernahme der Blinkerkonturen für vorne und hinten, der auf die Umgebung abgestimmten Trennfugen und des schlanken, aber effizienten Heckspoilers, der sich ebenso zurückhaltend wie dienstbar um die Heckscheibe schmiegt, ohne die Sicht unnötig zu versperren. Im Inneren finden sich nützliche Dinge ohne den Anspruch, hier galaktische Welten zu inszenieren. Wie wohltuend!
Die tausend anvisierten Exemplare ließen sich jedoch nur mit Mühe annähernd realisieren und die fehlende Perfektion eines Serienwagens hielt sicher manchen Interessenten vom Kauf ab. Auch die später nachgeschobene Spider-Version änderte dies nicht grundsätzlich. Außerdem kostete das Auto rund 100.000 D-Mark und das war manchem vielleicht zu viel für die Technik eines Mittelklassewagens als Basis. So eigenwillig der SZ auch ist, in zeitgenössischen Tests wird er immer als wunderbare, entspannte Fahrmaschine geschildert. Wohl dem, der sich rechtzeitig einen gesichert hat.
Für uns Modellautosammler gibt es zum Glück nun auch wieder ein Angebot. Nachdem vor einigen Jahren ein zwar gutes, aber auch rares und teures Modell von Topmarques auf den Markt kam und kleinseriengemäß auch wieder verschwand, herrschte Funkstille in Sachen SZ. Nun hat sich Laudoracing dieser Pretiose angenommen und tut dies mit der dem Hersteller eigenen Präzision und Detailliebe. Das Modell lässt dementsprechend an Realitätsnähe nichts zu wünschen übrig und ermöglicht eine eingehende Betrachtung dieses seltenen Automobils, die der eines Originalexemplars kaum nachsteht. Da die Designer des SZ dankenswerterweise für einen großzügigen Einblick ins Wageninnere gesorgt haben, können dort auch im Modell alle Details inklusive der Sicherheitsgurte für Passagiere und Gepäck genauestens studiert werden. Die äußere Form und die Proportionen sind perfekt und der kleinere Maßstab lässt das Auto keineswegs so wuchtig erscheinen wie das Original. Wenn das Modell sich dann zu seinen Kollegen in der Vitrine gesellt, erschließt sich seine markenhistorische Bedeutung deutlich. Wir merken: Es hat gefehlt.
mh




Modellfotos: bat

Foto: Clemens Vasters
Steckbrief:
Laudoracing LM197A Alfa Romeo SZ Zagato (ES 30) 1989 rot (Rosso Alfa). Fertigmodell Resine, Maßstab 1:18. Auflage 999 Exemplare. Preis 121,90 € bei Laudoracing (ebenfalls lieferbar in Schwarz, Auflage 199 Exemplare).