Erst ohne, jetzt mit Tankdeckel
Eine Neuauflage des Mercedes R230, des SL 500, bringt Norev in Beigemetallic. Nicht nur die Farbe ist neu. Auch der Tankdeckel, dessen Gravur bei der Erstauflage schlichtweg vergessen wurde. Das Travertinbeige Metallic in Kombination mit hellstbraunem Leder und fein gemasertem Holz verleiht ihm einen sehr edlen Auftritt.
Wer sich Mühe gibt und auf permanent hohem Niveau arbeitet, genießt Kredit bei der Sammlercommunity. Norev unterlaufen nicht viele Fehler. Wenn, dann werden sie im Laufe der Zeit korrigiert. Andere greifen häufiger in die Kloschüssel, sind beratungsresistent, setzen entweder auf Schönrednerei oder auf beredtes Schweigen und greifen nicht erneut in die Substanz ein. Wenn Norev mal danebengreift, so wird das konstatiert, kommuniziert und korrigiert. Auch hier war es so: Im Sommer 2022 erschien der Mercedes SL R230, als 500er und als SL 55 AMG. Ohne Tankdeckel. Einfach vergessen. Das erzeugte Schmunzeln, keinen Shitstorm. Schon damals kommunizierte Norev: Tut uns leid, Shit happens, wird bei einer Neuauflage des Modells geändert.
Auf diese Neuauflage mussten wir warten. Das liegt wohl daran, dass der R230 kein Bestseller ist und im Schatten seiner sehr populären Vorgänger steht. Jetzt kommt er wieder, in Beigemetallic. Und hat einen Tankdeckel am rechten Seitenblech zwischen Tür und Radausschnitt. So soll es sein. Die Rückleuchtendekoration wurde damals auch kritisiert. Das klare Mittelteil der Rückleuchten charakterisiert die gemopfte Version, aber Norev macht den Ur-R230. Warum Norev dieses Manko nicht beseitigte (was im Vergleich zum Tankdeckel mit viel weniger Aufwand verbunden gewesen wäre), erschließt sich uns nicht. Aber vielleicht möchte sich Norev lediglich ein weiteres Verbesserungspotential für künftige Auflagen aufheben. Denn außer den Rückleuchten (und dem Hardtop, siehe weiter unten im Text) gibt es nichts zu beanstanden. Tolles Modell!
Gleichzeitig mit dem unlimitierten SL 500 in Beigemetallic ist, exklusiv im Norev-Online-Shop, ein auf 200 Exemplare beschränkter SL 55 AMG in Tektitgrau Metallic erhältlich, mit all den Unterschieden, die den AMG im Gegensatz zum SL 500 charakterisieren: modifizierte Front- und Heckschürze, Seitenschweller, vierflutige Abgasanlage, Vielspieichenfelgen.
Bekanntlich ist der R230 ein Automodell, das es sowohl von Minichamps gab als auch von Norev gibt. Die Minichamps-Interpretation erschien 2009 und besticht durch ein voll funktionsfähiges Variodach (längst nicht mehr lieferbar, für Gebrauchte werden teils exorbitante Preise gefordert). Das hat das Norev-Modell nicht. Außer der Pflicht (all open, lenkbar, gefedert, Teppichboden, auch im Kofferraum) hat es als Kür ein klappbares Windschott. Das ist auch nett. Und es hat ein Kunststoffhardtop zum Aufstecken. Der Beigeton des Kunststoffteils weicht leicht vom Karosserielack ab und das ganze Ding verhält sich widerspenstig. Entweder passt es vorne an der Windschutzscheibe nicht richtig oder es liegt hinten nicht korrekt auf der Karosserie auf. Ganz einfacher Ratschlag: Man stelle den SL gefälligst offen in die Vitrine und belasse das Hardtop in der Verpackung.
Es finden sich wirklich schöne Details am SL: Das Navi ist mit eingeschaltetem Bildschirm umgesetzt. Der Bedruckungskomfort bei Norev ist immer wieder erwähnenswert – vor allem dort, wo er von der allgemeinen Norm abweicht. So trägt der SL im rechten Türbett bedruckte Aufkleber unterhalb der Türschlossplatte, und auf der Kofferrauminnenseite ist „Tirefit“ zu lesen. An dieser Stelle ist beim Original das Reifendichtmittel-Set (Fläschchen mit Dichtmittel und Mini-Kompressor) untergebracht, das als Ersatz für ein konventionelles fünftes Rad im Kofferraum dient. Der Motorraum ist auch schön detailliert, trägt Serviceaufkleber, einzelne Aggregate sind farblich hervorgehoben, die Haubeninnenseiten sind mattschwarz, der Öffnungswinkel der vorderen passt, mit den Doglegs kann und muss man leben.
Lackiert ist der SL 500 in Travertinbeige Metallic 693, auf der Mercedes-Palette ab dem Jahr 2000 verfügbar, um 2005 ausgelaufen, aber weiterhin als Manufaktur-Sonderlackierung für die G-Klasse lieferbar. Innen helles Beige, gepaart mit schön dargestelltem Holz, auch partiell am Lenkrad, Gurte sind vorhanden, fallen aber nicht auf, weil in Interieurfarbe. Dafür glitzern die fotogeätzten Gurtschnallen und die Gurtschlösser sind rot.
Erschienen ist der R230 im September 2000, gezeichnet von Steve Mattin (der auch die E-Klasse mit den vier Augen gestaltete) unter Bruno Sacco, gefertigt im Werk Bremen. Er wurde bis Dezember 2011 gebaut und erfuhr zwei Modellpflegen, Ende 2005 und im Frühjahr 2008. Das Norev-Modell stellt den Ur-R230 dar (bis auf die Rückleuchten, die gehören zur ersten Mopf). Der Norev R230 ist ein schönes Modell, vor allem mit Tankdeckel, und es ist ihm zu wünschen, dass er, parallel zum Original, endlich mehr Wertschätzung erfährt, sich vom R107 und R129 emanzipiert, quasi ein eigenes Profil gewinnt. Und dem Modell ist zu wünschen, dass es in der nächsten Auflage auch noch richtig dekorierte Rückleuchten erhält.
afs





Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 183843 Mercedes SL 500 R230 2001 beigemetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 99,95 Euro.