Hans Hermann unterschreibt
Die Geschichte des Porsche 917 ist noch nicht auserzählt. Robert Müller, Firma AutoMobilia, hat nicht nur ein Faible für Ferrari-Rennsportwagen und ist ein Spezialist für die Gestaltung der passenden superdetaillierten Zieleinfahrts-Dioramen, wie er bereits in Caramini-online vom 27. Mai und 21. Juni 2026 bewies. Auch der Porsche 917 begeisterte ihn schon in der Jugendzeit. Die Sammelleidenschaft für diesen besonderen Rennwagen sorgte nicht nur für individuelle Modelle in der Vitrine, sondern führte auch zur Begegnung mit einem der beiden Rennfahrer, die mit dem 917 den ersten Porsche-Gesamtsieg in Le Mans einfuhren. Nach den Beiträgen zum Porsche 917 vom 12. und 13. August 2026 nun eine zusätzliche Reportage von Robert Müller.
Mein Interesse an den 917ern ist mit dem Porsche des Gesipa Racing Teams 1970 am Norisring entstanden. Ich war mit meinem Vater dort. Wir wohnten nur rund fünf Kilometer Luftlinie entfernt. Jürgen Neuhaus, den ich bis dahin mit meinen acht Jahren noch nicht kannte, war nach seinem Sieg mit dem Porsche 917 KH mein neuer Favorit und mit ihm natürlich der neue Porsche-Racer. Das nächste Weihnachtsgeschenk stand damit auch fest: Der 917er von Schuco mit echtem Motorensound beim Druck aufs Gaspedal musste es sein. Und dann habe ich auch noch den bekannten Rennsportfilm Le Mans mit Steve McQueen gesehen. „Porsche 917“ war gesetzt, in die Seele eingraviert.
Viele Jahre später entdeckte ich auf einer Börse dieses wunderschöne AUTOart-Modell in 1:18. In seiner Gulf-Lackierung unwiderstehlich, steht es seitdem im Regal. Schließlich 2008 bei der Le Mans Classic der Flashback: Endlich wieder, nach so vielen Jahren, live vor diesem Auto stehend. Unglaublich, wie klein diese Raketen waren und trotzdem extrem beeindruckend. Vor allem der akustische Genuss des echten Sounds übertraf meinen alten Schuco um Längen.
Schon frühzeitig hatte ich von Matthias Frank (ebenso ein Rennsport- und 917-Fan) erfahren, dass Brekina die Produktion aller 917er der Kurzheckversion in 1:87 plante. Er hatte dies damals bei seinem Chef Werner Hartung durchgesetzt. Ich war total begeistert und es war klar, dass ich unbedingt alle haben wollte. Alle sind es von Brekina leider nicht geworden, und so habe ich für acht Fahrzeuge die Decals entworfen und drucken lassen. Natürlich haben die beiden Straßenversionen des 917 auch ihre unterschiedlichen Schalldämpfer bekommen.
Selbstredend musste für das ganze Zeug ein standesgemäßes Diorama her. Dafür wurde noch ein originales Porsche-Emblem auf der Techno Classica gekauft, eines meiner selbstgeschossenen Fotos aus Le Mans ausgesucht und ein hübsches Artwork mit den Daten zu den Fahrzeugen gestaltet.
Das alles gepackt in einen Objektrahmen mit der entsprechenden Tiefe, alles individuell nach Maß gefertigt. Die passende LED-Beleuchtung habe ich auch noch eingebaut. Als Tüpfelchen auf dem „i“ fehlte jetzt nur noch das Autogramm eines Le-Mans-Siegers!
Irgendwann habe ich mich aufgerafft und Hans Herrmann, dem ersten Porsche Sieger in Le Mans mit dem 917, einen Elektrobrief an seine Firma geschrieben. Ich rechnete nicht mit einer Antwort. Aber sie kam. Und dann auch noch zu einem denkwürdigen Moment: Ich war dienstlich in Essen und machte auf dem Heimweg einen Abstecher in Richtung Darmstadt. Wollte schon immer einmal das Rosemeyer-Denkmal an der Autobahn besuchen, das an seinen tödlichen Unfall bei den legendären Rekordversuchen mit dem Auto Union Rekordwagen im Januar 1938 erinnert. Sitze gerade wieder im Auto, ein wenig im Gedanken versunken. Da läutet mein Telefon, am anderen Ende Herrmanns Sekretärin. Wann ich denn kommen möchte, Herr Herrmann hätte nächste Woche Zeit. Ich war völlig aus dem Häuschen, mir rutschte das Herz in die Hose, ein Wechselbad der Gefühle. Keine Frage, dass ich hinfahre!
Mit meinem Diorama unter dem Arm bin ich dann in der folgenden Woche zu Hans Herrmann ins Schwäbische gefahren. Im ersten Stock eines modernen Hauses hatte er sein Büro. Firma? Naja, er und seine Sekretärin, die Firma war wohl woanders. Aber mehr brauchte es in diesem Moment wirklich nicht. Ich saß vor einem Mann, der ein Team mit Juan Manuel Fangio und Stirling Moss bildete, an der großen Mille Miglia teilnahm, in Daytona und Le Mans gewann, unfassbar. Wir haben uns ein halbes Stündchen nett unterhalten, kein Star, einfach ein sehr netter älterer Herr. Mein 917-Buch von McKlein hat er mir auch noch signiert. Zum Abschluss wollte er wissen, ob ich das Diorama auch behalten oder nur teuer mit seinem Autogramm verkaufen würde. Als ich ihm versicherte, dass es einen Ehrenplatz in unserem Wohnzimmer erhalten werde, war er sichtlich erfreut. Scheinbar hatte er schon andere Erfahrungen gemacht. Vollends begeistert war er dann bei der Übergabe meiner Bratwürste als kleines Dankeschön. Frisch eingedost im Bratwurst-Häusle zu Nürnberg, so ziemlich die Besten. Eine Dose original Sauerkraut war auch dabei. Ich bin sicher, er hat sie sich bald nach unserem Treffen schmecken lassen…
Robert Müller

Fotos: Robert Müller







