Andere Maßstäbe

News 1:12 Norev Porsche 911 GT3 RS (Typ 992/I) “Tribute to Carrera RS” 2023

Jenseits des Teiches

Riesenporsche im Kaisermaßstab 1:12, Sonderserie ausschließlich für die USA. Der Porsche 911 GT3 RS „Tribute to Carrera RS“ ist in Europa als Modell wohl bekannt, in 1:43, 1:18 und 1:12, aber das Vorbild hat kaum jemand live gesehen. Norev beteiligt sich am Reigen mit seiner eigenen 1:12-Interpretation.

Alles wächst im Laufe der Zeit. Vor allem die Autos sind gewachsen. Auch diejenigen – nein: gerade diejenigen -, die durch ihren symbolträchtigen Namen vermeintliche Kontinuität beschwören. Der Golf ist gewachsen, die S-Klasse ist gewachsen und – vor allem – der Elfer ist gewachsen. Als er 1963 zur Welt kam, maß er 4,29 Längenmeter, war 1,65 breit und 1,31 hoch. Ein aktueller Elfer, die Baureihe 992/II. ist bis zu 4,57 Meter lang (plus 28 cm), bis zu 1,9 Meter breit (plus 25 cm) und bis zu 1,38 Meter hoch (plus 7 cm). Beim GT3 RS ist der Heckflügel höher als die Dachlinie, ein Novum bei Porsche. Angesichts dieses ungestümen Wachstums verwundert es nicht, dass auch die Modellautos wachsen. Von 1:43 oder allenfalls 1:24 haben sie spätestens seit der Jahrtausendwende den Maßstab 1:18 erreicht, und nunmehr ist – nicht allgemein gültig, aber für gewisse Sammler in bestimmten Kreisen – 1:12 der Maßstab aller Maßstäbe.

Da spielt Norev wacker mit und hat mittlerweile mehr als ein Dutzend Grundmodelle in 1:12 miniaturisiert, französische Ikonen (Citroën ID/DS und SM, Bugatti T35), Amerikaner, deutsche Klassiker mit dem Stern (Flügeltüren-SL, Pagoden-SL), alte und moderne Porsche 911 und weiteres. Der Trend geht in Richtung XXL, größer, mehr, dicker, fetter, repräsentativer. Tatsächlich bietet ein Zwölfer nominal nicht mehr als ein Achtzehner, eher weniger, weil er weniger Funktionen hat. Aber durch die schiere Größe repräsentiert er. Er sieht nach mehr aus, als er ist. Das brauchen manche Menschen. Und de facto macht Norev die Zwölfer auch weniger für die ernsthaften Sammler, sondern eher als Dekorationsstücke, also eben zum Repräsentieren (wobei dieses Wort überhaupt nichts Negatives hat und nicht mit Angeberei verwechselt werden darf). Die Norev-Zwölfer sind weniger für die Sammlervitrine gemacht. Sie repräsentieren eher in einer angesagte Lounge oder im Ausstellungsraum eines Autohauses oder in einer Hotellobby oder auch im privaten, aber nicht automobil geprägten Umfeld als Dekoration auf dem gemauerten Kamin. Und sie machen sich natürlich ganz fein in einer stilvoll eingerichteten Automobilgarage oder gar -halle, ein paar Norev-Porsche in 1:12 in der natürlichen Umgebung von ein paar echten Porsche in 1:1.

Ende 2024 lancierte Norev den aktuellen 911 GT3 RS im Kaisermaßstab, der Erstling war Weiß mit pyroroten Streifen und Akzenten (Caramini-online vom 20. Februar 2025), es folgten weitere Farbvarianten, auch mit Weissach-Paket. Mit dem GT3 RS ging Norev neue Wege in 1:12, das Modell ist lenkbar und sieht, obgleich sealed, so aus, als ließen sich Türen und Haube öffnen. Denn das sind extra Formteile, wodurch die Spalte echte Spalte sind und nicht nur lackierte Vertiefungen. Zudem verfügt das Modell über durchbrochene Gitter in der Fronthaube und -schürze und über eine überaus filigrane Aufhängung des Schwanenhals-Heckflügels.

Nun kommt eine erneute Version, eine ganz besondere, das Sondermodell Tribute to Carrera RS von 2023 – das gleiche Fahrzeug, das Norev vor knapp einem halben Jahr in 1:18 brachte und das wir ausgiebig vorstellten (Caramini-online vom 4. Mai 2026). Daher die Besonderheiten dieses Sondermodells in stichpunktartiger Kürze: ein Tribut an den Entenbürzel-Carrera von 1973, Sonderserie mit Weissach-Paket exklusiv für die USA, weiß mit Felgen, Akzenten und Schriftzügen in Pythongrün, Bremssättel in Hochglanzschwarz, innen schwarz mit ebenfalls grünen Akzenten. Kaufberechtigt waren volljährige US-Amerikaner, die bereits einen 911 GT3 RS besaßen und 312.550 Dollar plus 1450 Dollar Bearbeitungsgebühr über den Tresen schoben. Man spricht von 158 Exemplaren, was genau zehn Prozent der Zahl im Jahre 1973 gebauter Carrera RS 2.7 entspricht.

In 1:12 gab es dieses Modell, den weißen Tribute-GT3 RS, bereits von GT Spirit, 250 Euro teuer und ohne jegliche Funktion, nicht mal rollfähig. Nun Norev mit einem lenkbaren und rollbaren Diecast-Zwölfer für 180 Euro – das ist eine Ansage, und so mancher GT-Spirit-Käufer mag sich ärgern. Dafür hatte er weit früher das Privileg, dieses Auto zu besitzen, denn die Resine-Gießer sind nun mal schneller als die Diecast-Konstrukteure. Der Norev-18er ist all open, der Norev-12er hingegen all closed, aber größer und eindrucksvoller. Besser detailliert ist der 18er, wenn man in ihn hineinkriecht. Das ist beim Zwölfer nicht möglich, und darum müssen wir auch kein Wort über solche Dinge wie „Stitching“ im Innenraum verlieren. Von außen macht er schwer was her, viel Weiß, viel Carbon, das froschige Moment verleiht im etwas Frühlingshaftes, das aus dem weißen Eis sprießt. Man bekommt viel Zinkdruckguss und viel Plastik fürs Geld, man hat etwas Schönes vorzuzeigen. Und dafür ist das Modell auch gemacht: zum Vorzeigen. Zeigen, was man Tolles hat und was man Tolles kaufen kann. Diesen Porsche kauft man weniger für sich selbst, sondern um sich selbst vor anderen ins rechte Licht zu rücken. So gesehen, kauft man ihn also für andere.

afs

Mehr Material und mehr Effekt als in 1:18, aber weniger Funktionen und weniger Sammlerfreude bietet der Norev Porsche 911 GT3 RS im Kaisermaßstab 1:12. In Europa kennt man ihn, hat ihn aber selten live gesehen. Denn die 158 Exemplare des Vorbildes „Tribute to Carrera RS“ wurden ausschließlich über den Großen Teich exportiert.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Norev 127535 Porsche 911 GT3 RS (Typ 992/I) “Tribute to Carrera RS” 2023. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 179,95 Euro.