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News 1:18 NZG Mercedes-AMG Purespeed 2025

Die reine Geschwindigkeit

Kontrollverlust, Ekstase, Raserei – klingt nicht gut, klingt nach Dopaminüberschuss und Drogenmissbrauch. Ist es nicht. Es ist das Gefühl, das ein Mercedes-AMG Purespeed auslöst bei jenen, die ihn erleben. Wer das will, aber nicht kann, bekommt von NZG die Kompensation (oder: Alternative) in 1:18.

Schon der italienische Renaissancetheoretiker Cesare Ripa unterschied in seinem ikonographischen Wörterbuch Iconologia von 1593 zwei Formen von Geschwindigkeit: „celeritas“ als die kontrollierte, dem Fortschritt dienliche Beschleunigung des Körpers und „velocitas“ als die Raserei, die zu Ekstase und Kontrollverlust führt. Das Latein-Wörterbuch übersetzt beide Begriffe, „celeritas“ wie „velocitas“, banal mit „Geschwindigkeit“. Aber Alfa Romeo wusste schon, warum die schnellen Alfas „Veloce“ heißen sollten und nicht „Celere“ – zumal letzteres fast schon nach Cerealien und damit nach Frühstücksmüsli klingt. Purespeed, die reine Geschwindigkeit, ist nichts als velocitas, ganz im Sinne von Ripa: Raserei, Ekstase, Kontrollverlust – nicht über das Auto, sondern über die Emotionen, die es auslöst. Und, so subversiv es erscheinen mag: Genau das ist der Sinn des Mercedes-AMG Purespeed, genau das wollen der Hersteller und der Wagen selbst dem Fahrer desselben vermitteln. Darf man das? Ja, das darf man!

Das Auto hat weder Dach noch Windschutzscheibe. Es ist der absolute Radikalinski. Man fährt ihn mit Helm. Man muss ihn mit Helm fahren. Eine stylische Frisur zu haben, ist dieser Grenzerfahrung eher hinderlich. Glatzköpfe sind eindeutig im Vorteil. Weil das so ist, legt Mercedes-AMG dem Neuwagen zwei farblich zur Karosserielackierung passende Helme bei, samt Blootooth-Wechselsprechanlage, damit der Fahrer die Gemütslage und körperliche Verfassung des Copiloten eins zu eins oral mitbekommt. Der Wagen bollert und brüllt, wummert und stürmt, 3,6 Sekunden nullhundert dank 585 PS, und die Topspeed von 316 km/h dürfte körperlich weh tun. Die Basis ist der SL 63 AMG, das wohlhabende-ältere-Herren-Auto für den Bestager ab 55, aber von AMG radikalkuriert zum Extremsportler. Gezeichnet wurde er von Sebastian Baudy, weiland AMG-Designchef und seit Februar 2026 Nachfolger Gorden Wageners als Mercedes-Chefdesigner, und Baudy übte sich in der Kunst des Weglassens von Grundsätzlichem (Windschutzscheibe, Seitenfenster) und des Hinzufügens von Ikonischem (zwei Höcker, Mercedes spricht von „Scoops“, hinter den Sitzen wie weiland in den 50er Jahren beim 300 SLR). Und dann noch der Halo. Nur blutige Amateure denken dabei an Halogenscheinwerfer. Der Halo kommt aus der Formel 1, ein Stahlbügel längs über das Cockpit, und unter dem englischen Begriff „Halo“ versteht man den „Heiligenschein“, der symbolisch über dem Kopf des Piloten schwebt und ihn schützt. Das Halo-System wurde von Mercedes entwickelt, von der FIA für die Formel 1 übernommen und ist seit der Saison 2018 Pflicht.

250 Stück werden gebaut. Nur ein Millionärsspielzeug? Mercedes sieht das anders, betrachtet den Purespeed als Auftakt einer Serie exklusiver Nischenfahrzeuge, die als „Mythos-Serie“ bezeichnet werden, also exklusive Sammlerstücke. 1,1 Millionen Euro kostet ein Purespeed, und alle 250 sind, obgleich noch gar nicht gebaut, bereits verteilt. Derartige „Few-Offs“ sind bei den Luxusautoherstellern in Mode, eine Art Kaufkraftabschöpfung mit großer Öffentlichkeitswirkung. Sie sind gut für’s Image und erzielen eine ordentliche Marge. Präsentiert wurde der Purespeed folgerichtig im Rahmen des Großen Preises von Abu Dhabi im Dezember 2024, Auslieferung der ersten Fahrzeuge seit 2025.

NZG hat bereits den Mercedes-AMG One miniaturisiert, und der Purespeed sieht ihm von vorne ziemlich ähnlich. Innen ist der Purespeed zweifarbig Kristallweiß/Schwarz gehalten, viel AMG-Performance und gefeierte Ziernähte, progressives Design – NZG setzte das brillant um. Das ist auch nötig, denn besseren Einblick ins Interieur als beim Purespeed ist kaum möglich. NZG vergaß innen kein Jota, jede Carbon-Applikation, jedes beschriftete Schalterchen, und als Gimmick gibt es sogar längsverschiebbare Sitze. Der Halo übrigens ist nicht aus Kunststoff, sondern aus Zinkdruckguss gefertigt. Man kann das Modell guten Gewissens daran anfassen und in die Höhe heben.

Von außen ist ebenfalls alles 1A gemacht inklusive der Lackierung, die (von AMG nicht übertriebenen) Carbon-Bereiche sind hervorragend wiedergegeben, auch die spezifischen Felgen, die ebenfalls Carbonpartien aufweisen. Das Modell ist all-open, gelenkt und gefedert, und hervorzuheben sind die feinen Haubenscharniere vorne und hinten, vorne unterstützt von Gasdruckdämpfern. Abgerundet wird das gute Paket von meshed Grills und Teppichboden, auch im Kofferraum, und einem Druckknopf vorne unten, der dem Finger erleichtert, die Motorhaube zu öffnen. Um nicht nur zu loben: Die vier Auspuffendrohre sind zwar vorbildlich geformt, aber sie hätten ruhig aufgebohrt dargestellt werden können.

Bislang bekannt ist der Purespeed in zwei Farben. Das NZG-Fachhandelsmodell trägt die eine, nämlich Mystic Silber Magno, was an die legendäre Silberpfeil-Lackierung des 300 SLR erinnert, mit dem Stirling Moss und Denis Jenkinson 1955 die Mille Miglia gewannen. Und dann gibt es das Motorsport-Styling-Paket mit Lackierung in Le Mans Rot, nach hinten verlaufend in Graphitrau und mit schwarzen AMG-Pattern versehen. Das erinnert an den roten Mercedes-Kompressor-Siegerwagen bei der Targa Florio 1924, pilotiert von Christian Werner. Der Wagen mit der Startnummer 10 war deshalb entgegen aller Gepflogenheiten rot lackiert, damit er von aufgewühlten, italienischen Motorsport-Tifosi nicht auf den ersten Blick als „Ausländer“ identifiziert und behindert werden konnte. Als Mercedes-Industriemodell gab es den NZG Purespeed in Le Mans Rot (Mercedes-Bestellnummer B66 960 669), limitiert auf 2000 Exemplare, zum selben Preis wie das Fachhandelsmodell. Direkt bei Mercedes ist der Rote ausverkauft, obgleich er erst im Dezember 2025 erschien. Einige Händler, auch Mercedes-Händler, die das Modell auf Ebay anbieten, schreiben es Norev zu. Das ist falsch. Norev hat keine Lizenz, aktuelle AMG-Modelle zu fertigen. Diese Lizenz hat NZG exklusiv.

afs

Das ist das automobile Halleluja, die absolute Rakete, die Inkarnation des Boliden. Und NZG durfte ihn klein machen. Nur NZG darf AMG klein machen: Exklusivvertrag.
Modellfotos: bat
Eine in Carbon eingefasste Analoguhr von IWC Schaffhausen dürfte das optische Hailait sein (beleuchtetes Ziffernblatt mit AMG-Rauten und die charakteristische Lünette, welche die optische Nähe zur IWC Ingenieur-Linie herstellt). Ansonsten kennt man vieles aus dem SL, auch das Hochkant-Display. Angesichts der Art des Fahrerlebnisses ist das Burmester-Soundsystem mit 15 Lautsprechern und 1170 Watt Leistung eigentlich nur Alibi.
Mit fein gearbeiteten Scharnieren macht man dem Modellautosammler uneingeschränkte Freude – vor allem, wenn sie es sogar vermögen, die Öffnungskinematik des Originals funktional nachzubilden.
So sieht er in Le Mans Rot aus, der Farbe, die das Mercedes-Industriemodell von NZG trägt. Das Motorsport-Styling-Paket umfasst den Farbverlauf von Rot nach Graphitgrau mit schwarzen AMG-Pattern.
Foto: Alexandre Prevot
Stolz auf die erfolgreiche Verhandlungsführung: Auf der Spielwarenmesse präsentierte NZG eine ganze Vitrine voller AMG-Mercedesse in 1:18. Und einen Echten obendrein: NZG-Geschäftsführer Mark Ludwig vor einem Mercedes-AMG GT in den Farben des Petronas-Rennteams, ein auf 200 Exemplare limitiertes Sondermodell.
Foto: afs

Steckbrief:

NZG 111100055 Mercedes-AMG Purespeed 2025 silber. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 180,00 Euro.