1/18

News 1:18 Norev Porsche 911 GT3 RS (Typ 992/I) “Tribute to Carrera RS” 2022

Erinnerungskultur

“Tribut” klingt nach “Respekt” oder “Achtung”, und Porsche zollt einem historischen Kultfahrzeug Tribut, indem es einen neuen Supersportler Anleihen an ihn tragen lässt und ihn ihm widmet: Der 911 GT3 RS Tribut to Carrera RS erinnert an den Entenbürzel-Carrera von 1973. Norev miniaturisiert die exklusiv für USA geschaffene Sonderserie.

Selbst die Wissenschaft unterliegt der Mode – was ein Nicht-Akademiker kaum glauben mag. Die Professoren machen sich dadurch in der Lehre modern vor ihren Studenten und in der Forschung folgen sie den Erfordernissen des Mainstreams, des kulturellen Kontextes, teilweise sogar der politisch gewollten Hauptrichtung. In der Geschichtswissenschaft ist momentan die Erinnerungskultur ganz oben, gepaart mit Zeitzeugenberichten. Dadurch soll das Bedürfnis befriedigt werden, den (früher nur als Nische vorhandenen) Postkolonialismus zu institutionalisieren, und nach wie vor ist die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ebenfalls Anlass für Erinnerungskultur. Die Zeitzeugen hingegen sind aufgrund der Demographie allmählich kaum mehr greifbar, dafür etabliert sich neuerdings das Genre der „Zweitzeugen“, also der Kinder der Shoah-Überlebenden, die über die Erzählungen ihrer Eltern Zeugnis ablegen. Was das allgemein mit Autos und speziell mit Porsche-Autos zu tun hat? Viel!

Kaum ein Hersteller beruft sich so sehr auf sein automobiles kulturelles Erbe wie Porsche. Dass selbiges vorhanden ist, steht außer Zweifel. Dass man sich darauf berufen kann und soll, auch. Denn Tradition wird mit Kompetenz gleichgesetzt. Aber man kann alles übertreiben. Porsche lanciert ein Sondermodell ums andere, eines limitierter als das andere (und die Limitierungszahl korrespondiert gerne mit einer Jahreszahl), eines phantasievoller als das andere – und beruft sich dabei stets mit den mittlerweile arg abgedroschenen Worten „Heritage“ und „DNA“ auf seine Vergangenheit. Fast kann man das Vorgehen von Porsche mit jenem von Wiking vergleichen, wobei Wiking mittlerweile nur noch in der Vergangenheit lebt, Porsche allerdings neu entwickelte Fahrzeuge hat. Aber diese werden „auf alt gemacht“ und der typische Porsche-Kunde soll sich in eine Vergangenheit zurückversetzen, die er selbst zumeist gar nicht oder nur als Kind erlebt hat.

Wer 1973 einen Porsche 911 Carrera RS 2.7 fuhr, dürfte, sofern er ihn sich selbst verdiente, damals über 30 gewesen sein. Somit ist er heute über 80 und kein typischer Porsche-Kunde mehr. Der „Tribut to Carrera RS“, das Sondermodell von 2022, wendet sich also an die Nachgeborenen und will mit einer Vergangenheit punkten, die fast schon in Richtung „Zweitzeugen“ geht. Denn den originalen Entenbürzel-RS erlebten heutige Porsche-Kunden tatsächlich nicht aktiv, sondern allenfalls aus kindlicher Begeisterung. Somit sind sie als Zeitzeugen nur bedingt tauglich. Wenn ihn jemand aktiv fuhr, dann der Vater des heutigen Porschisten.

Privilegierte Amerikaner

Der „Tribute to Carrera RS“ ist ein ausschließlich in den USA angebotenes Sondermodell auf Basis des aktuellen 911 GT3 RS mit Weissach-Paket von 2022, international ziemlich heiß begehrt und wahrscheinlich mehrheitlich ungefahren und in beheizten Garagen aufbewahrt, um seinen Wert zu mehren – Investment statt Fahrfreude. Er greift die Optik des legendären Entenbürzel-Carrera von 1973 auf, der in der Farbe Grandprixweiß mit Füchsen und Donauwellen in Orange oder eben in Knallgrün in Erinnerung blieb (es gab sie auch anders, aber mehrheitlich waren sie Weiß mit bunt lackiert). Im Oktober 2022 in Pebble Beach angekündigt, 2023 ausgeliefert, also zum 50sten Jubiläum des Originals, gab es den GT3 RS nur in der Farbe Weiß mit Akzenten in Pythongrün und Bremssätteln in Hochglanzschwarz. Zum Auslieferungsbestandteil gehörten eine Porsche-Design-Armbanduhr und verschiedene Accessoires: Spiegelkappen in Pythongrün, ein spezielles RS-Logo auf den Kotflügelendplatten mit der US-Flagge, der Heckschriftzug ebenfalls froschig, ebenso wie jener auf den Heckflügelseitenblenden. dann hier und da noch ein paar Akzente im Innenraum, grüne Nähte, beleuchtete Einstiegsleisten. Darüber hinaus bekamen die US-Kunden noch Nettigkeiten überreicht, eine maßgefertigte Stoffabdeckung fürs Auto, spezielle Radventildeckelchen, Schlüsselkappen, spezielle Nummernschildrahmen (alles Pythongrün) sowie ein exklusives Set mit zwei 1/43er-Modellen von Minichamps, einem originalen Carrera RS von 1973 und dem aktuellen Tribut-GT3. Obendrein durften die VIP-Kunden an speziellen Porsche-Veranstaltungen teilnehmen – so wird die Seele des US-Porschisten erfolgreich gestreichelt. Voraussetzung für den Erwerb des Schätzchens: Man musste bereits einen 911 GT3 RS besitzen und man musste 312.550 US-Dollar bezahlen, zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 1450 Dollar – also rund 90.000 Dollar mehr als ein „normaler“ GT3 RS mit Weissach-Paket kostet. 150 Amerikaner kamen in diesen Genuss. Vielleicht auch 158. Denn das wären genau zehn Prozent der Zahl, in welcher seinerzeit der Carrera RS 2.7 gebaut wurde, 1580 Exemplare.

Für 250 Euro hat GT Spirit diesen Porsche als Zwölfer in Resine gegossen. Wer ein Billigmodell des „Tribute“-GT3 RS in 1:18 möchte, wird bei Solido für 50 Euro fündig und bekommt dann eben einen Solido für 50 Euro. Weit ernsthafter ist die Norev-Interpretation, ein herrliches Modell, das wir längst kennen und lieben und dass nun tributalisiert wurde. Alles korrekt recherchiert und detailgetreu nachempfunden, und immer wieder fasziniert sind wir davon, wie akkurat es Norev schafft, das Stitching der Innenausstattungs-Nähte zu bedrucken: wirklich jeder Nadelstich! Gut sieht er aus, „outstanding“, wie die anglophilen Kollegen sagen würden, also hervorragend. Ein spezielles Flair mag ihm verleihen, dass der Tribut to Carrera RS in Europa zwar bekannt und als Modellauto gut vertreten ist, aber kaum jemand ihn jemals live zu sehen bekommen hat. Das verleiht ihm eine besondere Exklusivität, fast schon etwas Magisches.

afs

Viel Grün, nicht mal die Rückleuchten sind rot. Und ganz klasse Stitchings im Inneren: Der „Tribute“-GT3 RS von Norev ist schon ein außergewöhnliches Modell.
Modellfotos: bat
Nur in den USA zu sehen, hier in am Flughafen von New York: GT3 RS Tribute to Carrera RS nebst 911 Dakar Roughroads.
Foto: Charles

Steckbrief:

Norev 187372 Porsche 911 GT3 RS (Typ 992/I) „Tribute to Carrera RS” 2022 weiß/knallgrün. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 125 Euro.