Überfluss oder Überdruss?
Es musste ja so kommen. Das Auto musste ja so kommen. Norev verpasste seinem Ferrari 308 GTS den roten Anstrich und das „Robin-1“-Kennzeichen. Magnum! Schon wieder Magnum. Aber das Modellauto ist schön gemacht.
Überfluss oder Überdruss? Das ist hier die Frage – angesichts der Schwemme an Magnum-Autos. Aber zumindest Über…! Nun kommt der Norev Ferrari 308 GTS ebenfalls mit dem „Robin-1“-Kennzeichen, ein weiteres Magnum-Auto. Ja, klar, megacool und megazeitgeistig ist Magnum. Aber Magnum kann auch verheerend sein, vor allem als 357 Magnum. Auch als Eis, der Kalorien wegen. Oder als Magnum-Champagner-Flasche, des Peinlichkeitsfaktors wegen. „Magnum“ ist lateinisch und heißt nicht mehr und nicht weniger als „der Große“. Und Magnum heißt eben auch der Thomas, der Kerl aus der US-Fernsehserie, den sie alle so lieben.
Dabei ist er tatsächlich ein unsympathischer Typ, lebt auf Kosten anderer (auch „sein“ Ferrari gehört ihm nicht), lässt andere für sich arbeiten, pflegt einen hedonistischen Lebensstil, ohne groß etwas zu leisten und – vor allem – er trägt Hawaiihemden. Seinetwegen trugen so Viele in den 80ern Hawaiihemden (auch Jürgen von der Lippe trug sie), und die Ästheten unter uns mussten diese Hemden ansehen und obendrein das, was darinnen steckte, sie waren der Mode hilflos ausgesetzt und sie sind darob noch heute traumatisiert.
Jetzt also der Norev-Ferrari als Magnum-Filmauto, yeah! Ein 308 GTS Quattrovalvole in Rosso Corsa mit den Daytona-Alus von Campagnolo, fast identisches Auto zum silbernen, erst kürzlich am 22. März 2026 in Caramini-online vorgestellt. Aber es gibt, außer der Farbe, schon Unterschiede. So ist Norev halt. Der Magnum-Ferrari hat an den vorderen und hinteren Kotflügeln die Side Marker der US-Version, die Heckschürze ist modifiziert, die Stoßstangen sind weit voluminöser, der Vordergrill ohne Pferdchen, die Lufteinlässe hinter den „Klappis“ und in der vorderen Haube sind geschwärzt – der Silberne ist in München zugelassen und somit eine Europaversion, der Rote ist in Hawaii daheim und trägt also US-Spezifikationen. Ob das Ziffernblatt des Tachos in Meilen geeicht ist, können wir weder mit bloßem noch mit lupenunterstütztem Auge erkennen. Magnums Ferrari hat es nicht nötig, vorne ein Kennzeichen zu tragen, hinten genügt. Hawaii gehört somit zu den „Single-Plate-States“, denn die Rechtslage variiert je nach Bundesstaat.
Der Norev-Ferrari ist schön, und Magnum-Ignoranten werden ihn ebenfalls lieben, denn er ist außen rot und innen hellbraun („Crema“), also eine klassische Lackierung, ja die klassische Lackierung schlechthin. Auf den Herrn mit Schnauzbart deutet nur das Kennzeichen hin, und das kann man, wenn man möchte, übersehen (oder abkratzen). Generell ist der Norev-Ferrari ein Budget-Modell, also ohne zu öffnende Teile und ohne Federung, aber lenken kann er, was sein Ausstellungspotenzial in der Vitrine deutlich erhöht. Nun können die Magnum-Adepten hoffen, dass ihnen Norev auch den zweiten 308 GTS in Türkismetallic aus der TV-Serie beschert, also nicht „Robin-1“, sondern „Robin-23“.
Das originale Filmauto ist dieser Tage vom Autionshaus Barrett-Jackson auf der Palm Beach Auction angeboten worden. Genauer: Der erste der neun roten 308 GTS, die Ferrari im laufe der Zeit für den Dreh zur Verfügung stellte, ein 1979er GTS mit Vergasermotor. Experten bezweifeln die Originalität des versteigerten Wagens. Dennoch erzielte er einen Rekordpreis, und er wird künftig in Deutschland wohnen. Ein Unternehmer-Brüderpaar aus Berlin ersteigerte den Promi-Ferrari am 18. April für umgerechnet 321.932 Euro. Ohne Promo-Bonus wäre der Ferrari allenfalls um die 80.000 Euro wert. That’s Magnum!
afs




Modellfotos: bat

Foto: The Community – Pop Culture Geek

Foto: Alan Light
Steckbrief:
Norev 187930 Ferrari 308 GTS Quattrovalvole (Pininfarina) 1982 rot. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 75 Euro.