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News 1:18 Minichamps BMW i7 M70 (G70) 2023

Monochrom bicolor

Zweifarbig, aber fast unsichtbar zweifarbig – das ist die diskreteste Art der Zweifarbigkeit, bei der sich die Frage nach dem Sinn selbiger Zweifarbigkeit stellt. Minichamps bringt seinen wunderschönen BMW i7 M70 nun in zweifarbig dunkel, nämlich oben schwarzmetallic und unten dunkelblaumetallic. Ungewöhnlich, aber interessant.

Klingt schön hochgestochen, die Überschrift, nicht wahr?! Das heißt nichts anderes als „einfarbig zweifarbig“. Aber das klingt eben nicht nach Bildungs-, sondern nach Umgangssprache. Und es klingt nach einem Paradox. Denn Einfarbiges kann nicht zweifarbig sein und umgekehrt. Oder doch? Der BMW ist im oberen Karosseriebereich Schwarzmetallic und im unteren Dunkelblaumetallic gehalten, per Definition also zwei unterschiedliche Farben. Aber beide bewegen sich in derselben Farbhelligkeit, die in diesem Falle eher eine Farbdunkelheit sind, und so wirkt der Wagen einfarbig, als bestünde der Lack nur in der Schattierung einer einzigen Farbe. Es ist wie der umgekehrte Effekt der Sonneneinstrahlung: Oben, wo die Sonne am ehesten auftrifft, ist eine einfarbig lackierte Karosserie optisch heller als unten, unterhalb der so genannten Lichtkante. Beim BMW ist es umgekehrt, weil oben Schwarz und somit eine Nuance dunkler als unten, wo er dunkelblau lackiert ist. Warum lackiert man so?

Zweifarblackierungen sind schon immer in Mode gewesen, seit der Kutschenbauzeit. Dann waren die Kotflügel der Autos schwarz, während die Karosserien dunkelbunt waren, in den 50ern pastellige Zweifarblackierungen, in den 60ern seriöse Zweifarblackierungen, in den 70ern schwarze Vinyldächer – die Menschen liebten schon immer polychrome, also vielfarbige, Autos. Diese Zweifarbigkeit war ein Ausdruck des Luxus’ und kostete Aufpreis – sichtbarer als eine Zweifarblackierung kann ein aufpreispflichtiges Extra kaum sein. Die Zweifarbigkeit hat aber auch ihren Sinn und Nutzen, wenngleich er nicht technisch, sondern rein ästhetisch ist: Die Farbe hat Einfluss auf die Wirkung des Designs, kann Linien betonen und Karosseriekörper strecken. Bei besonders edlen Fahrzeugen gehörte die Zweifarbigkeit fast schon zum guten Ton, zumindest in gewissen Kulturkreisen: ein in die USA exportierter Rolls-Royce musste zweifarbig sein, das gleiche in Großbritannien zugelassene Fahrzeug war einfarbig. Beim Rolls-Royce und Bentley blieb die Zweifarbigkeit stets eine viel gewünschte Option, bei allen anderen Autos war der Trend spätestens zur Jahrtausendwende vorüber – um von anderen Trends abgelöst zu werden, die de facto das Gleiche bewirkten: Schwarz gefärbte Panoramaglasdächer, welche die komplette Dachhaut ersetzten, oder in jüngerer Vergangenheit das Sichtcarbondach, das auf den ersten Blick auch nicht anders aussieht als das selige Vinyldach.

Mercedes brachte seinen Maybach der Baureihe X222 anlässlich dessen Facelifts zum Genfer Salon 2018 in Zweifarbenlackierungen, die sich vom Stand weg bestens verkauften. Denn sie sind es, die den Mercedes-Maybach auf den ersten Blick, also schon im Vorüberfahren, von einer „profanen“ S-Klasse unterscheiden. Die Zweifarblackierung des Maybach kostete damals rund 18.000 Euro Aufpreis, was ungefähr dem Neupreis eines VW Polo oder Toyota Yaris entsprach. Da musste BMW natürlich nachziehen, wenngleich mit Verzögerung, aber als Herr im Hause Rolls-Royce konnte man diesen Trend natürlich nicht „dem Daimler“ kampflos überlassen. Den aktuellen 7er gibt es also zweifarbig. Da existieren Kombinationen, denen auf den ersten Blick die Zweifarbigkeit anzusehen ist, und solche wie diejenige der Minichamps-Neuheit, bei der man zwei Mal hinschauen muss.

Eine zweifarbigen Minichamps-7er hatten wir bereits auf dem schwarzen Schreibtisch, den elektrischen i7 in oben Saphirschwarz- und unten Aventurinrotmetallic, auch den i7 M70, jedoch einfarbig in Dravitgraumetallic (Caramini-online vom 11. Januar und 6. März 2026), und für die aktuelle Neuerscheinung gilt dasselbe wie für die bereits besprochenen Modelle. BMW bietet für „The 7“ (wie er in der Werbung genannt wird) zwei Dachfarben, Saphirschwarz- oder Oxidgraumetallic, darunter vier Lacke, Aventurinrotmetallic, Dravitgraumetallic, Saphirschwarzmetallic und eben Tansanitblaumetallic, unser Fotomuster (Aufpreis für die Zweifarbigkeit bei BMW 12.000 Euro). Die Lackierung der Miniatur ist einwandfrei hochglänzend und es gibt auch die Coachline, also den feinen Trennstreifen zwischen oberem und unterem Segment (nicht lackiert, sondern ein Decal). Aber die Linie fällt so wenig auf wie die Zweifarbigkeit an sich, denn sie ist schwarz auf dunkelblau. Die Zweifarbigkeit lässt sich nicht nur BMW, sondern auch Minichamps extra bezahlen – beim Modell allerdings nur ein Zehner Aufpreis. Für die komplette Pracht und Gloria dieses wunderschönen Modellautos verweisen wir auf das bereits Geschriebene. Wir wollen uns nicht wiederholen und das Farbband der Schreibmaschine unnötig abnutzen, denn man muss ja Ressourcen sparen. Außerdem ist unsere Work-Life-Balance wieder im Ungleichgewicht zuungunsten des Life-Bereiches. Und draußen ist so schönes Frühlingswetter: Es lächelt der See, er ladet zum Bade.

afs

Darauf, diese Farbkombination anzubieten, muss man erst mal kommen. BMW kam darauf und den Luxuskunden gefällt es. Dabei ist der Sinn der Zweifarbigkeit, einen Karosseriekörper optisch aufzulockern, dadurch ad absurdum geführt. Die Welt tickt teilweise absurd, also passt es in die Welt.
Modellfotos: bat
Zweifarbig, unten Tansanitblaumetallic, aber oben nicht Saphirschwarzmetallic, wie das Minichamps-Modell, sondern Oxidgraumetallic: i7 als Ausstellungsstück auf der Seoul Motor Show 2023.
Foto: Damian B. Oh

Steckbrief:

Minichamps 110023701 BMW i7 M70 xDrive (G70) 2023 schwarzmetallic/dunkelblaumetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 249,95 Euro.