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News 1:18 Kyosho Ferrari F40 Leightweight

Prächtig phantastisch oder phantastisch prächtig

Die einzige Alternative zum Kyosho Ferrari F40 ist dessen Leightweight-Version von Kyosho. So prächtig wie das Straßenfahrzeug, aber mit anderen Details und dadurch anderem Charakter. Kyosho spricht vom „F40 Lightweight“. Doch was meint Kyosho damit eigentlich? Antwort: Ein phantastischer F40, den es in dieser Form im Original nie gab.

Nichts wird uneingeschränkt geliebt. An allem hat irgendwer irgendetwas auszusetzen. Selbst am Kyosho Ferrari F40. Einig ist sich die Sammlerszene: Der F40 ist eines der wichtigsten Modellautos für die Kohorte der Babyboomer, quasi ihre automobile Identifikation. Einig sind sie sich auch: Unter den vielen F40 in 1:18 ist die Kyosho-Interpretation die beste. Aber auch das beste hat Defizite, sonst wäre es nicht von dieser Welt. Der eine kritisiert die Linienführung des Daches (wenngleich nur ein ganz kleines bisschen), der andere sieht Schwächen in der zu flach gestalteten vorderen Haube (wenngleich nur ein bisschen), andere echauffieren sich über die Rückleuchten oder den zu hoch angesetzten Heckflügel (wenngleich nur ein bisschen). Offenbar muss man kritisieren, um sich selbst als kompetent darzustellen. Aber Kompetenz bedeutet in der Anschauung und Beurteilung einer Sache nicht, unbedingt Schwächen zu finden. Kompetenz kann auch bedeuten, eine Sache uneingeschränkt zu loben. Der Kyosho F40 ist der beste F40 in 1:18. Basta!

Er ist ein alter Hund, gehört zu den Urgesteinen. Er hat ein Leben hinter sich und wurde schon „upgegraded“, also aufgewertet. Kyosho sprach dann von der „High End“-Version, und in den vergangenen Jahren wurde nur noch sie neu aufgelegt. Die jüngsten, neuen Varianten war die „High End“-Version in Rot, Schwarz und in hellem Minzgrün vor zwei Jahren, beide mittlerweile werksseitig ausverkauft. Aktuell legte Kyosho seinen Dauerbrenner wieder neu auf, nunmehr den normalen F40 in Gelb und die Lightweight-Version mit dem Le-Mans-Heckflügel in Rot (die erstmals 2009 erschienen ist). Sie sind seit Januar 2026 in Japan am Markt und nun beim Importeur Minichamps angekommen. Den normalen Roten hatten wir bereits auf dem schwarzen Schreibtisch (Caramini-online vom 14. Dezember 2024), weshalb wir von den beiden Neuerscheinungen nicht den Gelben auswählten, weil er nur eine Farbvariante wäre, sondern die Lightweight-Version. Natürlich basiert das Leichtgewicht auf dem normalen F40 und teilt all seine Tugenden. Aber so manches ist auch anders. Darauf wollen wir uns konzentrieren.

Der Ferrari F40 ist ohne den Porsche 959 undenkbar – und umgekehrt. Diese beiden waren die ersten wahren Supersportwagen und begeisterten eine ganze Generation. Der Porsche war eher feinsinnig, ein innovatives Technikfeuerwerk, und der Ferrari ein etwas grober Brutalo, ein übermäßig leistungsstarker Motor mit vier Rädern daran. So lauteten, grob vereinfacht, damals die Einschätzungen der Fach- und sonstigen Leute, und es war auch eine Frage der persönlichen Charakteristik, zu welchem der beiden man sich mehr hingezogen fühlte. Daran mag sich zwar bis heute wenig geändert haben. Aber in der Sammlergunst überwiegt der F40 vor dem Porsche 959, was sich in vielen F40-Modellen und deutlich weniger 959-Modellen manifestiert. Aber ein Grund dafür mag auch sein, dass der Ferrari ein eigenständiges Fahrzeug ist, der 959 auf den ersten Blick aber „nur“ ein Porsche 911. Und davon gibt es wahrlich genügend.

Die Bezeichnung „Leightweight“ für die spezielle, von Kyosho produzierte Version, ist nicht eindeutig und nicht offiziell. Zehn Fahrzeuge wurden gebaut, die ersten beiden hießen offiziell F40 LM, die restlichen acht hießen F40 Competizione. Der französische Importeur Charles Pozzi S.A. wollte einen wettbewerbstauglichen, erleichterten F40 für die Teilnahme an Le Mans. Weil „LM“ als Abkürzung für „Le Mans“ einschränkend wirkte und Ferrari die Wettbewerbsversion nicht auf die Teilnahme an den 24 Stunden von Le Mans beschränkt sehen wollte, änderte Maranello den Namen der weiteren acht Kundenfahrzeuge auf „Competizione“, also „Wettbewerb“. Statt 478 leistete der 2,9-Liter-V8 im LM 720 bis 780 PS Leistung (je nach Reglement und Ladedruck) und konnte mit fast Tempo 370 rennen. Sie entsprachen weitgehend den 19 Werksrennwagen von Ferrari-France, die von Giuliano Michelotti in Padua (hat nichts mit dem Designer Giovanni Michelotti zu tun) präpariert wurden. Ihnen folgten sieben Ferrari F40 GTE (= GT Evoluzione), ebenfalls von Michelotti umgebaut, bis zu 620 PS aus 6 Litern Hubraum.

Phantastisch. Im wahren Sinne des Wortes

Der F40 LM/Competizione unterscheidet sich nicht nur durch die enorme Mehrleistung vom Straßen-F40. Seine 200 Kilo Gewichtserleichterung resultieren durch das Weglassen jeglichen Komforts und durch Lexanscheiben, die Frontpartie wurde aerodynamisch optimiert, der fest stehende Heckspoiler wich einem massiven, verstellbaren und schwarz carbonisierten Heckflügel (der sogenannte LM-Flügel). Der Kyosho-LM bildet nicht alle Spezifikationen des Werksrennwagens nach, so trägt er weiterhin Klappscheinwerfer und nicht feststehende Augen unter Glas und auch nicht die zusätzlichen Kühlauslässe. Aber Kyosho hat die Form sehr wohl modifiziert und den spezifischen, verstellbaren und mit einer zweiten Lippe versehenen LM-Flügel nachgebildet. Dazu spezielle, mattschwarze OZ-Felgen mit rotem „OZ“-Aufdruck und wenig profilierten Reifen (aber noch lange keine Slicks), das Modell verfügt über die offene Rennsport-Auspuffanlage. Innen orangefarbene Schalensitze (im Original mit Stoffa Virgogna bezogen) mit Stoffgurten, nahezu keine Türinnenverkleidungen (alles sehr rudimentär gehalten), der Fußboden nicht beflockt, aber von Kyosho schön rau dargestellt. Die charakteristischen roten Stoffe fehlen hingegen völlig. Da das Kyosho-Modell auf der „High End“-Version des F40 aufbaut, sind die Sonnenblenden beweglich und sogar die beiden runden Tankklappen in Höhe der hinteren Seitenscheiben gehen auf. An beiden Vordertüren verbaute Kyosho neue Scheiben, sie stellen transparentes Lexan mit Ticketfenstern dar, die sich aber leider nicht bewegen lassen. Die Farbe: ganz klassisch, Rosso Corsa.

Darüber hinaus gleicht der Leightweight dem Straßen-F40, ist eine absolute Turbo-Diva, der Motor ist in seiner ganzen Komplexität schlichtweg ein Traum. Doch auch der Blick unter die vordere Haube lohnt. Nicht nur wegen der Infrastruktur und der Carbonnachbildung, sondern auch wegen des neckischen, schwarzen Ledertäschchens, in dem sich das Bordwerkzeug befindet.

Nun haben wir uns also ausgiebig mit den Unterschieden des originalen Straßen-F40 und des F40 LM respektive Competizione beschäftigt und sind auch in das Kyosho-Modell eingetaucht. Etliche LM/Competizione-Features hat Kyosho umgesetzt, aber nicht alle. Was bedeutet dies? Dass es bei derartigen Manufaktur-Autos eben stets Versionen gibt, die „man“ nicht kennt, die Kyosho aber sehr wohl kennt? Mitnichten! Es bedeutet, dass Kyosho Kompromisse einging. Den hier vorliegenden F40 LM/Competizione hat es in dieser Form, wie ihn Kyosho darstellt, nie gegeben. Deswegen spricht Kyosho auch vom „F40 Lightweight“. Einen Ferrari mit dieser Bezeichnung hat es offiziell ebenfalls nie gegeben. Somit ist die Kyosho-Miniatur im doppelten Sinne phantastisch – weil sie ungemein schön ist und weil sie keinem konkreten Vorbild entspricht. Das alles tut dem Modell keinen Abbruch, es ist und bleibt berauschend herrlich. Aber wem Originalität über alles geht, muss dies berücksichtigen. Der ist mit dem „normalen“ Kyosho-F40 besser bedient, denn der macht keine Abstriche an die Vorbildtreue.

Was war, ist und bleibt, ist die Tatsache, dass ein Kyosho F40 in keiner guten Sportwagensammlung fehlen sollte und dass es zu ihm als all-open-Modell eigentlich keine Alternative gibt. Was aber auch war, ist und bleibt, ist die Tatsache, dass sich Kyosho bei der Bepreisung seiner Neuauflagen an den teils exorbitanten Secondhand-Preisen für ausgelaufene Versionen orientiert und das Modell sehr optimistisch einpreist. Allerdings: Einen Kyosho F40 kauft man eben ein Mal. Dann hat man ihn und ist mit ihm glücklich. Es sei denn, man möchte einen Normalen und einen Leightweight haben. Dann muss man zwei kaufen, um glücklich zu sein.

afs

Phantastischer F40: Tatsächlich ist das Kyosho-Modell ein normaler F40 mit OZ-Felgen, Le-Mans-Heckflügel, Ticketfenstern, Rennauspuffanlage und erleichterter Innenausstattung. Ein F40 LM respektive Competizione ist er nicht.
Modellfotos: bat
Völlig andere Türinnenverkleidung als im Serien-F40, aber sonst keine Unterschiede zu ihm.
Unglaublich schöne Carbonwanne ohne Reserverad, ganz reizendes Ledertäschchen für das Bordwerkzeug.
Die Endrohre, die aus der Karosserie ragen, sind identisch zum Serienmodell. Aber die Auspuffanlage unter der Haube ist anders, ist offen, verfügt über keinen Schalldämpfer. Und der Motor selbst ist nichts als prächtig.
F40 Competizione vor Alfa Romeo 33 TT 12 im Automobilmuseum von Turin, Aufnahme 2011.
Foto: Pava

Steckbrief:

Kyosho KS08416RLM Ferrari F40 Leightweight. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP des Importeurs Minichamps 439,95 Euro.