Pferdesport als Massenphänomen
Noch arbeitet sich der Maßstab 1:12 an den Mainstream-Klassikern ab. Zu ihnen gehört zweifellos der Ferrari 250 GT SWB. Seiner hat sich nun KK-Scale angenommen, übliche Machart, üblicher Effekt. Die Zeit ist längst noch nicht reif für einen Austin Allegro in 1:12.
Dass der 250 GTO für einen Modellauto-Hersteller eine sichere Bank ist, wissen wir spätestens seit den 90er Jahren, als Revell einen tapferen Ausflug in die Welt hochpreisiger Großmodelle machte und für damals knapp 200 D-Mark ebendiesen GTO im zwar bekannten, aber nicht unbedingt massentauglichen Maßstab 1:12 auf den Markt brachte. Das Modell war fast all open und ließ auch in der Linienführung nicht viel zu wünschen übrig. Sein Markterfolg war recht beachtlich, aber nicht sensationell, und so blieb die Hoffnung auf eine größere Serie mit verschiedenen Modellen ein unerfüllter Wunsch. Lediglich das Mercedes Uhlenhaut-Coupé als zweites Vorbild wurde noch in 1:12 verwirklicht.
Der große Maßstab dümpelte über Jahre dahin, nicht tot und nicht lebendig; Vorbildauswahl und Qualitätsunterschiede diverser Anbieter erschwerten strukturiertes Sammeln nach sinnvollen Kriterien. Erst seit ein paar Jahren belebt sich der Markt spürbar mit in der Regel gut proportionierten sealed-Modellen. Betreffs der Modellauswahl beschäftigen sich die Hersteller übergreifend mit dem Abarbeiten der allfälligen Klassiker. Hierbei kommen Diecast und Resine zum Einsatz. Die Preise liegen zwischen rund 150 und 200 Euro für den Mainstream, wobei die 2 vorne dran gerne vermieden wird, um den Mitnahmeeffekt nicht allzu sehr zu strapazieren.
Abgesehen von den zum Teil zurzeit nur antiquarisch erhältlichen Kyosho-Ferrari- und -Lamborghini-Modellen, die neu wie alt zu hohen Preisen von mehreren Hundert Euro gehandelt werden, ist das Markenlabel KK-Scale des Modellautogroßhändlers Modelissimo der rührigste Hersteller in diesem Maßstab. Seine Diecast-Modelle weisen allesamt zu öffnende Türen und Motorhauben auf sowie recht detaillierte Unterseiten. Die angestrebte Preisbarriere von knapp unter 200 Euro zwingt zu Kompromissen, die in der Regel wohl kalkuliert scheinen und dem Gesamtbild der Miniaturen keinen großen Abbruch tun.
Das hier beschriebene Modell zielt treffsicher auf die Begehrlichkeiten der Sammler, die sich bereits den Erstling, den 62er GTO, gegönnt haben. Den SWB gibt es in drei Farbausführungen, Rot, Blaumetallic und Gelb, der Farbe des von uns beschriebenen Musters. Der GTO existiert mittlerweile in recht vielen authentischen Rennlackierungen. Der in Caramini-online vom 1. Februar 2025 vorgestellte Siegerwagen der Tour de France 1962 präsentiert sich in Silbergrau mit einem charakteristischen gelben Querstreifen über der Motorhaube. Beide Modelle zusammen ergeben eine sehr attraktive Kombination in der Vitrine und sind ja auch markengeschichtlich eng verwandt. Der 250 „Short Wheelbase“ war ein äußerst erfolgreicher Rennsportwagen, wurde wahlweise mit einer Aluminiumkarosserie oder als Straßensportwagen mit einer Stahlblechkarosserie und Aluminiumhauben und -türen geliefert. Die Rennsportversion leistete rund 280 PS, während die zivilere Straßenvariante um 40 PS schwächer und auch etwas schwerer war. Er bildete auch die technische Basis für den nochmals extremeren GTO.
Das KK-Scale-Modell verfügt über die mittlerweile bekannten und oben bereits erwähnten Eigenschaften. Die von Pininfarina entworfene und bei Scaglietti gebaute Karosserie ist gut getroffen und weist einen schön detaillierten Motorraum auf, in dem besonders die auffällige Luftfilteranlage ein Hingucker ist. Der Innenraum profitiert vom in Wagenfarbe lackierten Armaturenbrett und dem wohl proportionierten Holzlenkrad. Die Türen bewegen sich authentisch in ihren Scharnieren und haben kleine Spaltmaße. Die nicht zu öffnende Heckklappe wird durch einen schwarzen Lackstreifen akzentuiert. Die Stoßfänger und die filigranen Borrani-Speichenräder sind verchromt, wie auch der durchbrochene Gittergrill. Hinter den Speichenrädern finden sich an allen vier Rädern Scheibenbremsen. Drehen wir das Modell auf den Kopf, offenbart sich ein detailliertes Relief des Rohrrahmengeflechts, das die Struktur ablesbar macht. Besonders im Bereich der Hinterachse ist die Radaufhängung mit Starrachse, Längsblattfedern und integrierten Längslenkern viel zu sehen. Die versteckt erkennbaren Schraubenfedern helfen den Kunststoffblattfedern dabei, langfristig in Form zu bleiben und nicht einzuknicken – ein Effekt, der beim antiquarischen Revell GTO zu unschönem Einsinken der Hinterräder führte, wenn nicht frühzeitig durch das Unterlegen von Klötzchen gegengesteuert wurde.
Der SWB ist ein Auto von historischem Kaliber, das uneingeschränkt begrüßt werden darf. Die Tatsache, dass es sich um einen erfolgreichen Motorsportler handelt, gibt der Hoffnung Nahrung, dass die eine oder andere authentische Rennversion folgen wird.
mh



Modellfotos: bat


Steckbrief:
KK-Scale 0292 Ferrari 250 GT SWB Passo Corto 1961 gelb. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 199,95€.