Andere Maßstäbe

News 1:12 KK-Scale Ferrari 250 SWB Competizione Le Mans 1961

Le Mans im Wandel der Zeiten

Unlängst war es wieder so weit. Das legendäre 24 Stunden dauernde Rennen an den Ufern der Sarthe recht mitten in Frankreich hatte seinen jährlichen Auftritt. Nach zwei erfolgreichen Jahren für Ferrari gewannen diesmal die Japaner von Toyota. Es war, wie so oft, ein spannendes Rennen bis zuletzt und die beeindruckend verschmutzten Boliden zeugten von den stundenlangen Fahrten mit höchster Geschwindigkeit, schlechten Sichtverhältnissen, riskanten Überholmanövern und dem Kampf mit der Widerspenstigkeit der hochgezüchteten Renntechnik. Das Siegerauto, eine Raumkapsel mit extremen Lösungen sowohl in fahrdynamischer als auch in motorischer und aerodynamischer Hinsicht wird immer mehr ein Geschoss von einem anderen Stern und hat keine Ähnlichkeit mehr mit einem Fahrzeug, mit dem der glückliche Gewinner seinen Pokal und den Lorbeerkranz nach dem Rennen nachhause transportieren könnte.

Da haben sich über die Jahrzehnte Renn- und Ziviltechnik weitestgehend auseinanderentwickelt. Mitte der sechziger Jahre erschienen die ersten Mittelmotorboliden und Ford gelang nach mehreren Anläufen mit dem GT40 der erste große Erfolg gegen die damaligen Dauersieger von Ferrari. Porsche erzielte 1970 den ersten Gesamtsieg mit dem Typ 917, auch er bereits weit entfernt von allem, was unter dem Namen Porsche auf öffentlichen Straßen unterwegs war. Eine Besonderheit des Rennens in Le Mans war jedoch auch immer, dass in vielen, sehr unterschiedlich definierten Klassen auch viele von Serienmobilen abgeleitete Rennwagen mit zum Teil erheblich geringerer Leistung unterwegs waren, die durch ihre großen Geschwindigkeitsunterschiede oft für gefährliche Situationen und Unfälle sorgten. Dafür waren sie viel näher mit den privaten Autos der Zuschauer verwandt, die sich daher auf dem Heimweg auch ein wenig als Rennfahrer gefühlt haben. Das war dann ebenfalls nicht viel weniger gefährlich.

Im oberen Segment dieser Spezies waren auch sehr leistungsfähige Sportwagen renommierter Hersteller beheimatet, die durchaus das Zeug hatten, in der Endabrechnung obere Plätze zu belegen und sie waren meist sehr nahe mit den Basisfahrzeugen verwandt oder gar mit ihnen identisch. So bestand die Möglichkeit, mit dem in vierundzwanzig Stunden geschundenen, oder sollte man sagenwarmgefahrenen, Boliden im Anschluss in die Heimat zu reisen.

Eine beeindruckendere Werbung für die Leistungsfähigkeit und die Ausdauerqualitäten eines teuren Sportwagens war schlicht nicht möglich. Die vertretenen Marken waren die üblichen Verdächtigen, darunter Mercedes, Jaguar, Aston Martin, Maserati und Ferrari, um nur die Platzhirsche zu nennen. Hier sind der GTO und auch der 250 SWB anzutreffen, wobei speziell der Letztere diese Doppelrolle trefflich zu erfüllen wusste. Aus der Sicht des Autohistorikers, des Designers oder einfach des von automobilen Gesamtkunstwerken faszinierten Autoliebhabers, sehen wir zweimal dasselbe Modell in leicht unterschiedlicher Livree. Das Auto, das gerade noch über die berühmte Hunaudière gestürmt ist und nach vierundzwanzig Stunden nicht nur den Klassensieg, sondern auch den dritten Gesamtrang eingefahren hat, trägt die Kampfspuren der vergangenen 24 Stunden und zeigt neben den notwendigen rennsportbedingten Attributen wie dem Verzicht auf Stoßstangen, die großflächigen Startnummern sowie die eine oder andere Markierung in Form farbiger Streifen zur Schau. Ein paar Tage später ist er dann eventuell wieder bereit das Flanieren an der Cóte d´Azur, bei dem die Fahrgeräusche sich auf das dezente markentypische Rasseln des Ferrari Zwölfzylinders und das Knirschen der fein geharkten Kieswege eines noblen Schloss- oder Hotelambientes beschränken. Er trägt wieder elegante Stoßstangen und gibt ganz den noblen Dandy. Beides steht ihm gut und beides entlockt dem Betrachter bewundernde Kommentare. Der Modellautoenthusiast will gerne beides in der Vitrine stehen haben, weil gerade in der Paarung ein hoher ästhetischer und automobilhistorischer Reiz liegt.

KK Scale hat die Vorbilder schon vor einiger Zeit in 1:18 realisiert und den SWB aktuell auch in 1:12 im Programm. Die Straßenversion haben wir bereits vor kurzem vorgestellt, ein schönes Modell mit zu öffnenden Türen und einer ebensolchen Motorhaube. Der Motorraum und auch der Fahrgastraum sind liebevoll und ausreichend ausdetailliert. Sie erlauben einen realistischen Eindruck der zeitgenössischen schönen Details und verführen zu nostalgischem Träumen von mediterranem Luxus und entspanntem Laisser faire.

Das nunmehr in mehreren authentischen Rennversionen erhältliche Coupé unterscheidet sich in der oben bereits beschriebenen Weise durch realistische Details von der Straßenausführung. Neben den fehlenden Stoßstangen gibt es geänderte Auspuffblenden und eine kleine Plexiglasscheibe auf der Motorhaube, die übermäßige Insektenverschmutzung des Fahrersichtfeldes verhindern sollte. Die Tankdeckelklappe wich einem großen Schnelltankstutzen und im Motorraum änderte sich die Ausführung der Vergaser- und Ansaugbatterie. Im Inneren identifiziert der aufmerksame Betrachter einen schwarzen Überrollbügel. Unser Exemplar zeigt das drittplatzierte Fahrzeug des Teams Noblet mit Pierre Noblet und Jean Guichet, die als Privatteam starteten und sich der Verfolgung durch eine ganze Reihe illustrer Rennfahrerkollegen zu erwehren wussten, wie der Liste der Ankunftsreihenfolge zu entnehmen ist. Ihr Rennwagen war silbergrau lackiert und trug einen blauen Mittelstreifen zur besseren Identifizierbarkeit durch die Servicemannschaft. Das Ergebnis ist ein sehr schöner zeitgenössischer Rennsportwagen, der sich in der Vitrine trefflich neben der in unserem Falle gelben Serienausführung zu präsentieren weiß. Liebhaber der klassischen Ferrari Farbe Rot können noch zwischen zwei weiteren Wettbewerbsausführungen wählen, dem Wagen von Maurice Trintignant und Carlo Mario Abate, der leider mit Getriebeschaden aufgeben musste und dem identischen Auto von der Scuderia SSS aus Venedig, mit dem Abate im Jahr zuvor in Monza gewonnen hatte. Mit diesen Modellen lässt es sich herrlich in alten Zeiten schwelgen.

mh

Das große Modell entwickelt eine schöne Präsenz und lädt zu eingehender Betrachtung ein. Wer sich nicht scheut, kann mit entsprechendem Geschick eine originalgetreue Verschmutzung applizieren und so den Kontrast im Vergleich zu der blitzenden Serienausführung auf die Spitze treiben. Einschlägige Publikationen liefern dafür viele Anregungen.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

KKDC120322 KK-Scale Ferrari 250 SWB Competizione 24h Le Mans 1961 (# 14, Nobler/Guichet). Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 199,95 €.