Andere Maßstäbe

News 1:12 KK-Scale Ferrari 308 GTS QV (US Version) 1982

Das Genie aus der zweiten Reihe

Vor einigen Jahren gelangte er fast in die Reichweiten normalsterblicher Autofans. Inzwischen schafft es der Ferrari 308 GTS nicht mehr. Wohl dem, der so kompromissfähig ist, sich mit einem Exemplar in kleinerem Maßstab trösten zu können. Im Großmaßstab 1:12 liefert ihn nun KK-Scale. Dimensional ist er dem Original so nah wie möglich.

Gibt es so etwas wie einen Volks-Ferrari? Ein Auto, das in großer Stückzahl gebaut und zu einigermaßen volkstümlichen Preisen an den Fan gebracht wurde? Nun ja, 3219 Spider und 2897 geschlossene Exemplare stellen keine wirkliche Massenproduktion dar, sind aber doch eine erkleckliche Stückzahl für einen Vertreter dieser Fahrzeugkategorie.

Der 308 war das dritte Mittelmotormodell des Modeneser Herstellers. Zwischen dem direkten Vorgänger, dem sechszylindrigen Dino, der zunächst noch nicht den Markennamen Ferrari tragen durfte, und dem Berlinetta Boxer, dem Vorläufermodell des Testarossa, war er angesiedelt und wurde quasi zum „Brot-und-Butter-Modell“ von Ferrari, was auf keinen Fall mit „Modello di Pane e Burro“ übersetzt werden darf, auch wenn es sich für deutsche Ohren noch so vermeintlich italienisch anhören mag.

Zur damaligen Zeit trugen nahezu alle Ferraris die stilistische Handschrift des Hauses Pininfarina, und der 308 bündelte eine ganze Reihe von Designelementen, die in früheren Studien und Serienvorläufern zur Anwendung kamen zu einem unverkennbaren Gesamtdesign, das dem damaligen Chefdesigner von Pininfarina, Leonardo Fioravanti zugeschrieben wird. Aber wie so oft stammt es von einem Genius aus der zweiten Reihe, der sich frei von Managementaufgaben ganz seiner Kunst hingeben konnte. Aldo Brovarone hieß der glückliche Mann und wir haben ihn schon öfters in unseren Artikeln erwähnt. Er war neben exklusiven Designs und Einzelanfertigungen auch für Großserienautos verantwortlich wie den Peugeot 504 und das ebenso großartige wie unterbewertete Lancia Gamma Coupé, um hier nur zwei markante Beispiele zu nennen.

Der von KK-Scale nun im Sammlermaßstab 1:12 realisierte Spider der ersten Generation wurde auch dadurch berühmt, dass er eine zentrale Rolle in der amerikanischen Fernsehserie Magnum mit dem Hauptdarsteller Tom Selleck spielte und interessanterweise gleich in doppelter Ausführung vorkam. Auch der skurrile Sidekick Jonathan Higgins, so eine Art pingeliger englischer Butler, fuhr das baugleiche Modell, jedoch in Grünmetallic. Beide Autos realisiert KK-Scale nunmehr in seiner Filmautoreihe. Die formale Wiedergabe ist ohne Tadel und auch die Detaillierung entspricht dem mittlerweile gewohnten Niveau. So lassen sich die Türen und die Motorhaube öffnen und der Innenraum nach der Herausnahme des schwarzen Daches betrachten. Hier wird unter anderem eine dreiteilige Türverkleidung verbaut, damit die markant verlaufende schwarze Armlehne realisiert werden kann. Auch Bedienelemente und eine vollständig bestückte, wenn auch zeitgenössisch spartanisch ausgeführte Mittelkonsole erfreut das Auge des Betrachters. Der Motorraum zeigt eine genügende Anzahl Details, die auch farblich und mit originalgetreuen Aufklebern authentisch gestaltet sind. Wer will, kann sich ein Kofferset für den gar nicht mal so kleinen Kofferraum basteln. Die Klappscheinwerfer sind ausfahrbar.

Wer den europäischen Serienwagen kennt, wird sich über die schwarz eingefärbten Grillelemente auf der Fronthaube wundern. Diese entsprechen so den Filmautos, die die amerikanische Ausführung abbilden. KK-Scale bietet in einer Ergänzung des Angebotes inzwischen auch eine rote Variante mit ebenso eingefärbten Gittern an. Das ist eine gute Idee, denn so kennen wir das Auto und es prägt den Eindruck, dass hier sorgfältig auf die Originale geschaut wird. Während die vorderen Gitter nicht durchbrochen sind, ist dies bei denen in der Motorhaube der Fall. Da gibt es auch mehr zu sehen. Dafür bedruckt KK-Scale die Rinne der geschlossenen Fronthaube mit einer schwarzen Linie und erweckt so den Eindruck eines separaten Bauteiles. Das macht nicht jeder Hersteller bei geschlossenen Modellen dieser Größe, worunter mitunter der Originalitätseindruck unnötig leidet. Ein nettes Feature in punkto Detaillierung ist der Grünkeil auf der Windschutzscheibe. Die nur hinten montierten Nummernschilder zeigen die aus der Fernsehserie bekannten Ziffern. Das Modell fügt sich gut in die wachsende Produktpalette ein und weitere sinnvolle Ergänzungen in Sachen Ferrari kündigen sich ja bereits an.

mh

Tom Selleck gibt es als sitzende Figur für seinen roten Magnum-Ferrari. Sein Schauspiel-Kollege John Hillerman alias Higgins lässt sich dagegen entschuldigen. Mit dem Bullit-Mustang, dem weißen Miami Vice-Testarossa, Bobby Ewings rotem SL und nun den beiden Magnum-Ferraris ergibt sich schon eine hübsche kleine Serie automobiler TV- und Kino-Stars in 1:12.
Modellfotos: bat
Der derzeitigen 308-Flut sei dieses Foto geschuldet, denn gerade stehen zwei 308 GTS auf dem Redaktionsparkplatz, KK-Scale in 1:12 und Norev in 1:18.
Im Großmaßstab ist etwas zu sehen. Klar, Amalgam kann es besser. Aber wer hat schon Amalgam im Mund oder in der Vitrine?
Lange nach seiner 308-Großtat: Aldo Brovarone (1926 bis 2020) beim großen Lancia-Gamma-Treffen in Turin im April 2009.
Foto: Gammadriversholland

Steckbrief:

KK-Scale KKDC120274 Ferrari 308 GTS QV (US Version) 1982 „Magnum“ grünmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 199,95 €.