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News 1:18 Minichamps Porsche 911 Carrera RS 2.7 1973

Nicht nur sauber, sondern rein

Der Kultigste aller Ur-Elfer, der Wertvollste, der Bürzeligste, der Weißeste. Minichamps legt den Porsche 911 Carrera RS 2.7 neu auf. Trotzdem – oder: gerade, weil – er bereits 15 Jahre auf dem Bürzel hat, gehört er formal und qualitativ in die Topliga. Und er ist eben aus Metall.

Die Frage klingt berechtigt: Warum lanciert Minichamps ausgerechnet jetzt einen ’73er Porsche Carrera RS 2,7, nachdem AUTOart das gleiche Modell vor gut einem Jahr in etlichen Farbvarianten auf den Markt brachte? Will da der eine den anderen ärgern? Und weil sie nicht nur berechtigt klingt, sondern dies auch ist, wollen wir die Frage gerne beantworten: Niemand will den anderen ärgern. Denn keiner kann etwas für den nahe beieinander liegenden Zeitpunkt der Marktwerfung. Es ist nichts als eine Koinzidenz der Ereignisse, also keine Absicht. AUTOart hat irgendwann beschlossen, einen Entenbürzel-Carrera zu entwickeln. AUTOart macht bekanntlich die Langsamkeit seiner Konstruktionsprozesse zur Tugend, und niemand ahnt, wann ein angekündigtes Modell tatsächlich erscheinen wird. Das ahnt nicht mal AUTOart zu dem Zeitpunkt, wenn die Entscheidung fällt. Und Minichamps gibt seinem Produzenten Sum’s Models den Auftrag, eben diesen Kult-Carrera wiederaufzulegen und legt das Schicksal der Entstehung damit in fremde Hände. Sum’s produziert stoisch seine Aufträge ab; wenn der Carrera an der Reihe ist, dann ist der Carrera an der Reihe. Und wenn er produziert und in Aachen angekommen ist, wird er eben ausgeliefert.

Während das AUTOart-Modell eine Neuschöpfung in Composite ist (es gab ihn bereits in Diecast, aber AUTOart produziert seit rund zehn Jahren keine Zinkdruckgussmodelle mehr), ist die Minichamps-Interpretation eine Wiederauflage. Deren Bürzelporsche erschien erstmals im Oktober 2011. Das ist nicht negativ, sondern, im Gegenteil, positiv zu bewerten. Denn das Modell stammt aus den goldenen Minichamps-Tagen und könnte heute nicht besser sein. Es war damals hervorragend, und daran hat sich nichts geändert. Es ist für jene eine Freude, die damals, vor 15 Jahren, noch nicht sammelten und heute keine Mondpreise für ein antiquarisches Modell zahlen wollen. Auch für jene, die Gebrauchtware ablehnen. Und für jene, die sagen, ein wertiges 1:18-Modell muss aus Metall sein. So gesehen treten die Brüder nicht mal in Konkurrenz zueinander. Sie ergänzen sich, weil sie eine unterschiedliche Klientel ansprechen. Außerdem gibt es noch jene Fraktion, die einen Porsche ausschließlich dann kauft, wenn er von Minichamps ist. Etwas anders kommt für diese Puristen weder in Frage noch in die Tüte.

Noch netter (und unterschiedlicher) wäre es natürlich, wenn Beide unterschiedliche Versionen darstellen würden, wenn der Sammler also zwischen der Sport- beim einen und der Touring-Version beim anderen Hersteller wählen könnte. Dem ist leider nicht so. Sowohl Minichamps als auch AUTOart machen die Sport-Version. Die Unterschiede: Der Touring ähnelt in der Ausstattung dem (gewichtserleichterten) 911 S. Die Sport-Version ist noch leichter: Bei ihr ist sogar die hintere Stoßstange aus Kunststoff, und Klebestreifen ersetzen hinten und vorne die Gummi-Stoßleisten. Zudem verzichtet die Sport-Version auf den Türschwellerchrom à la 911 S. Innen orientiert sich der Touring am 911 S, die Innenausstattung des Sportmodells ist Marke Spartakus: Schalensitze, nahezu keine Garnitur für die Türverkleidungen (Öffnerschlaufe, Zuziehgriff, Fensterkurbel), keine hinteren Sitze, keine hintere Innenraumverkleidung – nicht mal ein Deckel für das Handschuhfach (hat Minichamps gut recherchiert: kein Deckel vorhanden!), und die Uhrzeit erfährt der Pilot auch nur durch seine Armbanduhr. Dieses leichte und nackte Modell kostete 34.000 D-Mark, der komfortabler ausgestattete Touring kam auf 36.500 D-Mark. Die meisten Kunden wollten ein Minimum an Komfort und votierten für den Touring (1308 Exemplare); der Sportler wurde 272 Mal gebaut. Heute, 53 Jahre später, dürften davon mehr existieren als jemals gebaut wurden. Denn wer seinen 911 S im Zuge der Restaurierung als Carrera RS neu aufbauen lässt, hat nicht nur ein höheres Prestige, sondern verspricht sich auch einen exorbitant hohen Sammlerwert. Ein sehr guter 911 S rangiert heute zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Ein Carrera RS in der Touring-Version geht genau dort los und endet bei 600.000 Euro, und ein originaler und lückenlos dokumentierter Carrera RS in Sport-Version bringt bis zu einer Million. Der teuerste und begehrteste Ur-Elfer! Nicht umsonst bringt ihn Minichamps erneut.

Der Carrera besteht auch nach 15 Jahren noch bestens

Die Machart des weißen Bürzelcarrera ähnelt sehr dem 1984er 911 Carrera 3.2, von Minichamps 2007 erstmals auf den Markt gebracht und Ende 2024/Anfang 2025 in allen drei Versionen Coupé, Targa und Cabriolet erneut aufgelegt (und damals ausgiebig und mehrmals caraminisiert): Das Modell ist hoch detailliert, all open und lenkt, Federung war damals offenbar weder gefragt noch angesagt (es gibt Sammler, die das als Spielerei betrachten). Die Form eines frühen Porsche 911 absolut perfekt zu treffen, ist offensichtlich gar nicht zu einfach, und vor allem die Dachlinie scheint es in sich zu haben – daran kranken manche Modelle, auch hochpreisige. Minichamps ist es damals gelungen, den absoluten Carrera RS zu schaffen, und das gilt noch heute: besser als das seinerzeitige AUTOart-Modell aus Diecast, und nur der aktuelle AUTOart-Composite-Bürzel kann mit dem „alten Knochen“ mithalten. Von der allgemeinen Formgebung abgesehen, ist das Minichamps-Modell in jeder Hinsicht bestens detailliert und dekoriert: ein separates Motorwunder mit hinreichend Farbe, Serviceaufkleber, verchromte Fensterumrandungen, die vorderen Haubenöffnung selbst für heutige Verhältnisse vorbildlich scharniert (hinten Doglegs), ein hervorragender Unterboden in Karosseriefarbe, die Abgasanlage in seidenmatten Graumetallic, prima Radaufhängungen, und Minichamps dachte sogar 2011 bereits an Ventile an den Füchsen. Das ist ein Modell, das uneingeschränkt empfohlen werden kann und ist ein Highlight jeder Porsche-1:18-Sammlung.

Minichamps wählte als Farbe das populäre Grandprixweiß, mit je nach Wunsch bunten Aufklebern und Felgen meist geordert – obgleich es etliche andere Farben gab, sämtliche Standard- und Sonderfarben mit Ausnahme von Metallictönen – dann aber ohne den stylishen Schriftzug und die bunten Felgen. Die seitlichen Schriftzüge „Carrera“, also die Donauwellen, gab es in Rot, Blau, Grün, Weiß und Schwarz. Die Füchse lackierte Porsche allerdings nur in Rot, Blau und Grün. Aber auf Wunsch und gegen Bezahlung gab und gibt es bei Porsche bekanntlich alles. Auch einen Teppichboden, den die Minichamps-Miniatur trägt, der aber im puristischen Carrera RS 2.7 nicht serienmäßig war (im Touring allerdings schon). Schön beflockt ist auch die Auslegware im vorderen Kofferraum, aufgelockert durch die karosseriestabilisierende Querstrebe. Das neue Minichamps-Modell trägt Knallgrün zu Grandprixweiß, die Füchse, die Donauwellen, die Beschriftung des Bürzeldeckels und die Klebestreifen auf den Stoßfängern. Das ist nur der Anfang. Angekündigt sind zwei weitere Versionen in Grandprixweiß, die Dekoration in Blau oder Orange, sowie ein orangefarbener RS mit schwarzen Füchsen und Donauwellen. Und in 1:87 wird dieser Porsche irgendwann ebenfalls von Minichamps erscheinen.

Das Modell ist prächtig, Motor und Unterboden sind eine Augenweide. Auf das Vorbild gehen wir hier nicht ein und verweisen auf die drei Beiträge anlässlich des AUTOart-Modells, in denen wir das Original rauf- und runterbeteten (Caramini-online vom 1. Mai, 1. Juni und 3. Juli 2025).

afs

Der Titelheld jeglicher Oldtimer-Zeitschriften, der ikonographischste aller Ur-Elfer, ein Must-have in jeder Porsche-Modellautosammlung. Mit dem Minichamps-Bürzelcarrera sind nach der AUTOart-Interpretation nun zwei hervorragende Modelle am Markt. Der Sammler kann wählen zwischen Zinkdruckguss und Composite.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Minichamps 100066020 Porsche 911 Carrera RS 2.7 1973 weiß mit grüner Dekoration. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 199,95 Euro.