Ein Tausendstel des Originalpreises
Da hat tatsächlich noch ein Elfer in der Minichamps-18er-Ahnengalerie gefehlt: der erste GT3 RS, die Generation 996/II. Diese Lücke schließt Minichamps nun mit einer Neukonstruktion in sealed-Bauweise. Wer sich beim Anblick farblich an ein seliges Elfer-Kultgerät erinnert fühlt, liegt genau richtig.
An der Uni haben wir gelernt, dass man nur andere zitieren darf. Niemals sich selber. Selbst wenn der Prof’ noch so viele Bücher verfasst hat, zitiert er sich in der Vorlesung nicht selber. Das ist gegen die Ehre. Daran halten wir uns, auch ohne eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen zu haben. Selbst Verfasser etlicher automobilhistorischer Sachbücher, würden wir uns nie selbst zitieren. Porsche sieht das anders. Porsche zitiert sich selbst – ausgiebig, lustvoll, vermeintlich emotionsgeladen. Aber das ist alles so schnöde und profan. Es geht doch nur um den Mammon. Da wird von „Heritage“ gesprochen und von der firmeneigenen „DNA“ (die ja eigentlich auf Deutsch „DNS“ heißen sollte, denn „DNA“ ist englisch). Aber all das ist nichts als Marketing, und die Kunden fahren voll darauf ab. Somit hat Porsche recht, macht alles richtig, und wer dies anprangert, ist ein elender Wadenbeißer. So weit, so gut, so selbstkritisch.
Da war mal ein Porsche 911 Carrera RS 2,7, im weit entfernten Jahr 1973. Der typische heutige Porsche-Käufer war damals noch nicht geboren. Der Carrera RS war etwas ganz Außergewöhnliches, und deshalb zitiert ihn Porsche gerne – immer wieder, und jedes Mal ist es vermeintlich das erste Mal. 2003 auch, da erschien der erste GT3 RS der damaligen Generation 996/II, und weil der Kunde zur „Heritage“ verpflichtet wurde, konnte er das Auto ausschließlich in genau jener Farbe bestellen, die den seligen Carrera RS 2.7 berühmt machte: Der größte Teil der 1580 Exemplare mit dem legendären Entenbürzel war in Grandprixweiß lackiert, und sie trugen veritable Farbenspiele. Die Schriftzüge an den Flanken, die so genannten Donauwellen, gab es in Rotorange, Blau, Grün und selten in Schwarz, und passend dazu wurden die Fuchs-Felgen lackiert. Es gab davon eine Touring- und eine Sportversion; letztere trug farblich passende Klebestreifen auf den Stoßfängern anstelle der schwarzen Gummi-Stoßleisten. Das Design des 911 Carrera RS 2,7 in Sportversion nahm Porsche zum Vorbild für den 2002er GT3 RS: weißer Karosserielack, in Rotorange die „Donauwellen“, etwas abgewandelt mit „GT3 RS“- statt mit „Carrera“-Schriftzug, an den Front- und Heckschürzen farblich passende Streifen und natürlich die Felgen ebenfalls in Rotorange. Nein, keine klassischen Füchse und auch nichts, was das kultige Fuchs-Design auch nur halbwegs zitiert, aber immerhin Rotorange mit silbernem Felgenaußenrand. Es handelt sich um die speziell für diese GT3-RS-Generation geschaffenen 18-Zoll-Serienfelgen.
Den ersten GT3 RS, also den Typ 996/II, hatte Minichamps bisher noch nicht im Programm (kaum zu glauben, dass es einen alten Elfer gibt, der im Minichamps-Portfolio noch gefehlt hat!) und entschied sich zum sealed-Layout, somit nichts zu öffnen, gelenkt zwar, aber nicht gefedert – aus Minichamps-Sicht also Budget-Bauweise, die 120-Euro-Kategorie. Keine Frage, das Modell ist prima. Etwas anderes kann und sollte sich Minichamps in Sachen Elfer-Historie auch nicht leisten. Natürlich wird es Sammler geben, die lieber das Doppelte ausgeben würden und dafür ein all-open-Modell hätten. Aber es ist eben, wie es ist. Das Modell ist im typischen Minichamps-Porsche-Stil gehalten, passt sehr gut zu seinen Brüdern, die Lackierung ist einwandfrei (der Farbton heißt Carraraweiß, nicht wie dereinst Grandprixweiß), der Flügel und die Spiegelschalen gehören zu den wenigen Teilen, die vor über 20 Jahren bereits Sichtcarbonteile waren, im tiefschwarzen Inneren sticht der reinweiße Überrollkäfig ins Auge, hinter den Felgen die damals schon roten Bremssättel.
Der Erstling trägt also die Streifenzier und Felgen in Rotorange zur weißen Haut, der Zweitling variiert das Weiß mit blauen Streifen und Felgen; er steht kurz vor der Auslieferung. Mehr geht nicht. Es gab den ersten GT3 RS lediglich in Carraraweiß mit Rotorange oder Hellblau. Aber natürlich, wie werden nicht müde, es zu erwähnen, gab es bei Porsche stets alles, was der Kunde wünschte, wenn er nur ordentlich dafür zahlte – wer wollte, bekam den GT3 RS 991/II auch in mattem Natooliv. Es ist allerdings kein derartiges Fahrzeug tatsächlich bekannt.
Zum Abschluss wollen wir nochmals auf den Anfang zurückkommen, zur Legitimität der Selbstzitierung. Natürlich gibt es Situationen, wo sich ein Wissenschaftler selbst zitieren muss (weil er nämlich gar nicht anders kann) – nämlich dann, wenn er auf frühere, eigene Forschungsergebnisse aufbaut, um eine Lücke in der Literatur zu schließen. Dann muss er auf seine eigene Vorarbeiten verweisen. Das ist aber mit der Situation Porsches nicht vergleichbar. Dort sind die Selbstzitate eher egomanisch und es geht darum, den eigenen Zitations-Score künstlich zu erhöhen.
afs



Modellfotos: bat


Foto: Charles und Thesupermat
Steckbrief:
Minichamps 155062020 Porsche 911 GT3 RS (Typ 996/II) 2003 weiß mit orangeroten Streifen. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 119,95 Euro.