Stereotype oder Eleganz?
Ist ein schwarzer Flügeltürer zeitgenössisch stereotyp oder ist er elegant? Warum ist er schwarz? Weil es seinem Eigentümer gefällt? Weil er nicht silbern sein soll? Weil Autos früher schwarz waren? Wie viele 300 SL waren schwarz?
Die Karosserielackbezeichnung lautet ganz simpel Schwarz DB40 und ist kombiniert mit einem Lederinterieur in Rot 641. Daimler-Benz lieferte 108 schwarze W198/I mit unterschiedlichen Innenraumfarben aus, von 1400 insgesamt gebauten Fahrzeugen. Somit ist Schwarz die vierthäufigste Flügelfarbe nach Silber, Feuerwehrrot und Weiß.
Über seine Accessoire-Schiene verkauft Daimler-Benz recht gut seine Modellautos. „Beim Daimler“ scheint das ein wesentlich besseres Geschäft zu sein als bei anderen Automobilherstellern, allenfalls vergleichbar mit Porsche. Die beiden Firmen betreiben das eben nicht nebenher, wie andere, sondern höchst professionell und geschult. Dafür sollten wir Modellautosammler dankbar sein. Denn je besser Daimler-Benz seine Norev-Achtzehner verkauft, desto häufiger ist eine georderte Auflage ausverkauft und wird durch eine neue Auflage in neuer Farbe ersetzt. Das schafft Abwechslung in der Vitrine und dadurch hat Norev Aufträge. Beides ist positiv zu bewerten, denn neue Farben braucht das Land und eine gesunde Firma Norev ist für uns Sammler auch ersprießlich.
Nun also der Flügeltürer in Schwarz. Sieht schön aus! Edel, gediegen, gar nicht sportlich, eher altertümlich. Ja, Schwarz ist eine Modefarbe, seit den 80ern. In den 60ern war die Farbe total out und in den 50ern war sie auf dem Wege dazu, altmodisch zu sein. Wer in den 50ern seinen Wagen in Schwarz orderte, war in den 30ern sozialisiert und hing der Vorkriegsmode nach. Vor dem Krieg waren alle Autos schwarz (oder zumindest fast alle), und in den frühen 50ern auch noch. Aber dann kam Farbe ins Spiel, und in der teuren Klasse sogar Metallicfarbe. Wer damals auf dem Zenit der Mode war und obendrein seinen 300 SL als Epigonen der Grand-Prix-Rennwagen sah, orderte Silbermetallic. Oder zumindest Rot. Wer schwarz wählte, war konservativ – und das ist in keinster Form politisch gemeint, sondern rein farbgeschmacklich!
Der Norev-Flügeltürer ist ein bekanntes Modell, vor genau vier Jahren erstmals erschienen, zusammen mit Daimler-Benz entwickelt – das heißt nicht, dass es sich um ein Industriemodell handelt. Es heißt, dass Norev es auf eigene Rechnung entwickelt hat, aber mit der Zusage der Stuttgarter im Kreuz, regelmäßig eine größere Menge abzunehmen. Das war ein Deal, den der frühere und längst gerentnerte Norev-Deutschland-Chef mit Daimler-Benz aushandelte, der heute noch gilt und weitergeführt wird und der zur Folge hatte, dass Daimler-Benz viele Klassiker im Accessoireprogramm hat, allesamt von Norev. Bloß keinen 600ere, leider! Aus irgendwelchen Gründen war ausgerechnet er nicht Bestandteil des Deals.
afs




Modellfotos: bat

Foto: Alexandre Prevot
Steckbrief:
Norev B6 604 0722 (Mercedes-Bestellnummer) Mercedes 300 SL W198/I Coupé 1954 schwarz. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 120 Euro. Erhältlich ausschließlich über die Mercedes-Accessoire-Schiene.