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News 1:18 Norev Peugeot 106 Rallye 1.3 1993

Kleiner weißer Wirbelwind

Eine Norev-Formneuheit, die vor allem den Franzosen gefällt, aber sicherlich auch im deutschsprachigen Raum Freunde unter den Hot-Hatch-Fans findet. Der Peugeot 106 Rallye kommt als Erstling in Weiß mit ebensolchen Stahlfelgen, dekoriert mit bunten Streifen in den PSA-Sportfarben. Ungewöhnlich für Norev: Nur die Türen gehen auf.

Heute, unter Klassikern, ist das Kräfteverhältnis gleich: Was den Deutschen ihr Golf GTI, ist den Franzosen ihr Peugeot 205 GTI. Aber zu Lebzeiten war es anders. Der Golf wuchs von Generation 1 zu Generation 2 und 3 beträchtlich, somit auch der GTI. Der Peugeot hingegen blieb kleiner, kompakter und agiler. Er war die agile Alternative zum eingefetteten Golf, er blieb auf Golf-1-Niveau. Eine Klasse darunter war das Spiel anders. Da konkurrierte der Peugeot 106 in seinen Sportversionen direkt mit dem aufgeblasenen Fiesta und Corsa. Einen direkten VW-Konkurrenten gab es nicht. Der Peugeot 106 Rallye mit seinen 98 und später 103 PS lag genau zwischen dem Polo GT (75 PS) und dem G40 (112/116 PS).

Von Norev kommt nun ein 106 Rallye der Phase 1, also Vorfacelift-Modell, 1993 bis 1996 mit hochtourigen 98 PS aus 1,3 Litern bei federleichten 825 Kilo Kampfgewicht. Bei ihm ließ Peugeot die Servolenkung, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber weg, seine persönliche Abnehmspritze. Er wurde zur Homologation für die 1300-cm³-Rallyeklasse entwickelt, deshalb auch das aggressive Nockenwellenprofil: Seine optimale Leistung entwickelte er zwischen 5400 und 7200 Umdrehungen, und nur der Begrenzer gab einem verfrühten Exodus Einhalt. Dank kurz übersetztem Fünfganggetriebe war der 106 Rallye ein echter Wirbelwind, schaffte Tempo 185, aber quälte seine Passagiere mit hohen Drehzahlen und lautem Motor. Er war in seiner Klasse durchaus konkurrenzfähig, und so mancher spätere Star am Rallyehimmel verdiente seine Sporen auf 106. Serienmäßig verfügte der 106 Rallye über weiß lackierte Stahlfelgen, entsprechende „Rallye“-Aufkleber und ein adrett-sportliches Interieur. Die Türen waren innen nur teilverkleidet, man sah viel Blech, der Teppichboden strahlte in Rot, der Rest war in dunklem Grau gehalten, fast schwarz, und fetzige Farbmuster auf den Sitzflächen. Weil die Autos in Einsteigerhand bei zahlreichen Rallye-Cups ihr Leben ließen, sind die wenigen Überlebenden heute recht gesuchte Stücke.

Norev hat das Modell frisch konstruiert, eine Formneuheit also. Die Türen sind zu öffnen, die Räder lenken, das Modell federt nicht. Also eine Mischung aus all open und sealed. Das erinnert einerseits an die früheren Norev-Achtzehner, bei denen alles bis auf die hinteren Türen der Viertürer aufgeht. Andererseits erinnert es an den lokalen Norev-Konkurrenten Solido, bei dem traditionell nur zwei Türen und sonst nichts aufgeht. Unwillkürlich kommt einem ein Grönemeyer-Titel in den Sinn: Was soll das?

Das Original gab es in drei Farben, Blanc Banquise EWP (der Norev-Erstling), Rouge Vallelunga KB und Noir Onyx XY, alle mit Rallyestreifen in den ikonischen Peugeot-Talbot-Sportfarben in Rot-Blau-Gelb an den Flanken sowie an Motorhaube und Kofferraumklappe versehen, dazu roter „GTI-Streifen“ auf den Stoßfängern, alle mit weißen Stahlfelgen und rotem Teppichboden. Lediglich die Farbe der Sitzflächendekoration passte sich der Außenfarbe an. Norev beginnt mit Weiß, also Karosserie und Felgen einheitlich. Formal ist der Neuling bestens getroffen, die Rallye-Spezifika (bespoilerte Stoßfänger, Kotflügelverbreiterungen) sind Bestandteil der Karosserieform. Trotzdem der 106 Rallye der Norev-Budget-Klasse angehört, ist die Dekoration top. Wer die Gravur auf dem hinteren Stoßfänger als Reflektor oder Nebelrückleuchte interpretiert und deren nicht vorhandene Rötung bemängelt, liegt falsch. Das ist beim Original eine Plastikklappe, hinter der sich die Abschleppöse verbirgt, und deshalb muss sie in Karosseriefarbe lackiert sein. Die vordere Öse trägt der kleine Peugeot stolz zur Schau, und auch ihrer gedachte der Norev-Konstrukteur. Ein nettes Detail sind auch die beiden Knubbel an den hinteren Seitenfenstern, es sind die äußeren Kontermuttern der Befestigungsschrauben für die Ausstellfenster. Das war in den 90ern ein typisches Merkmal aller PSA-Kleinwagen, auch beim Citroën Saxo. Absolut fetzig sind die knallroten Sicherheitsgurte, passend zum Bodenteppich. Der Unterboden ist zwar routiniert, aber langweilig nachgebildet, einzig separates Teil ist ein verchromtes Auspuffendrohr, an dem unsinnigerweise auch ein verchromter Schalldämpfer hängt. Aber wir wünschen dem kleinen Boliden schließlich festen Stand in der Vitrine und keinen Überschlag, bei dem er alle Viere in die Höhe streckt und seinen Auspuff zeigt. Mit anderen Worten: Man braucht ihn ja nicht umzudrehen.

Ein schön gemachtes Modell. Über die Entscheidung, es weder sealed noch all open konstruiert zu haben, lässt sich trefflich debattieren. Aber alle Debatte ändert schließlich nichts an der Tatsache. Also kann man es auch bleiben lassen.

afs

Die in Wagenfarbe lackierten Stahlfelgen sind ein Clou. Dadurch lenkt Peugeot das Auge darauf, während silberfarbene Stahlfelgen so unscheinbar lackiert sind, dass sie möglichst nicht auffallen sollen. Dann noch die Streifenzier in PSA-Sportfarben – dem Kleinen ist der Wirbelwind anzusehen.
Modellfotos: bat
Heute ist ein guter 106 Rallye nicht mehr dreistellig zu bekommen, und der Markt ist weitgehend leergefegt. In Exportländern wie Deutschland war der Wagen schon immer rar, und in seiner Heimat sind die verbliebenen Exemplare in ziemlich festen Händen. Im Gegensatz zum Norev-Modell lässt sich an diesem Fotomodell die Motorhaube öffnen.
Foto: Calreyn88

Steckbrief:

Norev 184920 Peugeot 106 Rallye 1.3 1993 weiß. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 69,95 Euro.