Zu wertvoll fürs Abenteuer
In Phoenix Orange präsentiert Almost Real eines der drei 2015er Abschieds-Sondermodelle des ursprünglichen Land Rover: der Defender 110 Station Wagon mit langem Radstand als Adventure Edition. Hochwertig wie gewohnt, und durch die knallige Lackierung ein absoluter Hingucker.
Es gab ihn schon einmal. Völlig identisch. Vor sechs Jahren. Damals im Set, drei althergebrachte Land Rover des Jahrgangs 2015, zwei kurze und ein langer, alle drei waren Sondermodelle anlässlich des Produktionsendes des klassischen Defender: Heritage Edition und Autobiography trugen den kurzen Radstand, Adventure Edition den langen. Dieses Dreier-Set war damals, trotz seines hohen Preises von über 260 Euro, sehr begehrt und innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Nun legt Almost Real, die Eigenmarke von Sum’s Model, den Defender Adventure erneut auf, einzeln und knapp 100 Euro teuer.
Damals, vor zehn Jahren, trat der klassische Land Rover ab. Das sorgte für Aufruhr, ähnlich wie 1980, als Karmann das letzte Käfer Cabriolet baute. Land Rover hatte gute Gründe, die Konstruktion von 1948 war schlichtweg nicht mehr an moderne Gegebenheiten anpassbar (Fußgängerschutz, Abgasnormen, EU-Regeln halt). Aber die Kunden hatten auch ihre Gründe, und die resultierten ganz einfach in 68jähriger Bauzeit. Der Land Rover gehörte damals zum British Empire wie Königin Elizabeth II. Land Rover versuchte, das Ende abzumildern und einen angemessenen Abschied in Würde zu zelebrieren, durch Festivitäten und Sondermodelle, darunter auch die Adventure Edition.
Wechselvolle Geschichte
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Stahl kontingentiert war, schuf Rover den Land Rover mit Aluminiumkarosserie, ein unnachahmlicher Erfolg. 1967 fusionierte Rover mit Alvis und ging später im Jahr in der Leyland Motor Company auf, war dort nunmehr eine Marke unter vielen und nicht mehr unabhängig. British Leyland erlebte aufgrund von übermächtigen, streikwütigen Gewerkschaften, Missmanagement und daraus resultierenden Qualitätsproblemen einen schmachvollen Niedergang und wurde 1976 nach Insolvenz verstaatlicht. Ab 1980 erneute Privatisierung unter der Regierung Thatcher, Zusammenarbeit zwischen Rover und Honda, die Japaner übernahmen 20 Prozent von Rover, die Firma hieß nun Austin-Rover, ab 1988 Rover Group. Trotz anhaltendem Erfolg der Geländewagen Land Rover und Range Rover konnte Rover alleine nicht überleben und wurde 1994 von BMW übernommen, Honda wurde ausgebootet. BMW wurde nicht glücklich damit, verkaufte Rover im Jahre 2000 und behielt nur die Marke Mini. Rover wurde aufgeteilt, Ford kaufte die Geländewagen-Abteilung, die Pkw-Sparte ging an Phoenix und überlebte bis 2005. So blieb Land Rover in Ford-Händen übrig und war zusammen mit Jaguar, Aston Martin und Volvo Bestandteil der Ford-eigenen Premier Automotiv Group. 2008 verkaufte Ford diese nach Marken, und Land Rover sowie Jaguar wurden Bestandteil des indischen Tata-Konzerns – und das ist heute noch Stand der Dinge, die Firma heißt nun Jaguar Land Rover Limited.
Den Abschied vom ursprünglichen Land Rover, der seit 1990 Defender heißt, weil es auch andere Land-Rover-Modelle gibt, feierte die Marke mit drei Sondermodellen unterschiedlichen Charakters, im Jahre 2015 nacheinander erschienen. Einen historischen Anstrich hatte die Heritage Edition, auf besonders edel gemacht war die Autobiography Edition, der dritte im Bunde der Jubel-Defender von 2015 war der offroadige Adventure, käuflich ab August 2015. Den Adventure gab es 600 Mal. Mit ihm hätten die Geländejünger zum letzten Mal so richtig die Sau rauslassen können. Tat aber keiner, viel zu wertvoll, das Sondermodell. Und jeder, der ein Exemplar ergatterte, streichelte es in der Garage und hoffte auf Wertzuwachs. Womöglich zu recht. Den Adventure gab es in drei Farben, Corris Grey, Yulong White und Phoenix Orange, jeweils mit schwarzen Karosserieteilen kombiniert: Haube, Hecktüre, Kotflügelverbreiterungen und Dach, auf dem serienmäßig ein Gepäckträger befestigt ist. Innen fein gemacht mit Leder, und außen besonders martialisch mit den grobstolligsten Geländepneus und Unterfahrschutz. Unter der Haube: Der aus dem Ford Transit stammende 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel erhielt mehr Kraft, 150 statt 122 PS.
Ein Gedenk-Modell
Wie schon im Dreier-Set von 2018, bringt Almost Real die Adventure Edition mit langem Radstand in der Farbe Phoenix Orange. Warum eigentlich? Zur Abwechslung hätte doch eine andere Farbe erscheinen können. Oder staubten da in irgendeinem Lager noch Überproduktionen ein, die weg mussten? Man kann es auch positiv interpretieren: Der endgültige Produktionsauslauf des klassischen Land Rover war im Januar 2016, und das ist nun genau zehn Jahre her. Also ein „Commemorative Car“, ein Modellauto zum Gedenken an das Ereignis. Jedenfalls ist es ein 43er im qualitativ obersten Spektrum, der nicht genug gelobt werden kann, eine fehlerfreie und tadellose Miniatur mit einem kaum zu überbietenden Detailreichtum – innen und außen, oben und unten, und unten ganz besonders. Das Phoenixorange ist ein Metallicton, aber nicht grell, sondern ein wenig ins Bräunliche oder Kupferfarbene gehend, und wird kombiniert mit Schwarz – Dach, Motorhaube, Heckklappe, Anbauteile und Interieur, ja sogar die speziellen Alus (mit Goodyear-Geländereifen) sind hauptsächlich schwarz, nur ihr Außenkranz silbern. Die Lackierung, wie immer bei Almost Real, fehlerfrei. Dekoriert ist der Wagen mit den notwendigen „Adventure“-Signets, und dann kommen die spezifischen Details dazu: rechts ein Ansaugschnorchel, ein riesiger Dachgepäckträger mitsamt heckseitiger Leiter. Das alles ist vorbildlich miniaturisiert, ebenso wie der zusätzliche Unterfahrschutz vorne und beidseitig im Schwellerbereich, gefertigt im gelochten Sandblech-Look, was schon sehr martialisch aussieht.
afs



Modellfotos: bat


Foto: Jaguar Land Rover/Archiv afs
Steckbrief:
Almost Real ALM410301 Land Rover Defender 110 Station Wagon Adventure Edition 2015 orangemetallic/schwarz. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP des Importeurs Minichamps 99,95 Euro.